Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 12 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425829-2425842--2056-2428459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 „Ngue ^atiQ^l-Zeitjfflg" m 12 tigten uns verpflichtet, das Wort zu ergreifen, um die öffentliche Meinung darüber aufzuklären, wer es. wagt, sich um das Mandat des III. Bezirkes zu bewerben, wer den traurigen Mut hat, den Kampf gegen die jüdischen Arbeiter auf den von ihnen so schwer eroberten Terrain aufzunehmen. Durch vier Jahre saßen Sie, Herr Stand, im Parlamente außerhalb, des Polenklubs Im Lande selbst hat Ihre Partei die jüdischen Mitglieder des Polenklubs in den Kot gezerrt. Ihr habts den Löwenstein und Koliscbei in Acht und Bann gelegt. Ihr habt sie als Renegaten proklamiert, einzig und allein, weil sie als Mitglieder des Polenklubs nach Eurer Ansicht die heiligen Interessen des jüdischen Volkes verraten haben. Und es haben sich Männer gefunden — auch wir gehörten zu ihnen — welche, wenn auch nicht an Eure fortschrittliche und demokratische Gesinnung, so doch an die Echtheit Eures Hasses gegen den Polenklub und seine „Moszkos" geglaubt haben. ... Es hat sich jedoch gezeigt, daß dieser Haß gegen den Polenklub nur eine Phrase und der Kampf gegen die „Moszkos* nur eine Maske und niedrige Heuchelei waren. Wir haben hiefür unwiderlegbare Beweise! Wir erheben gegen Sie öffentli c h den Vorwurf, dass Sie in Gesellschaft des Krakauer Predigers Dx:. Qsias Thon eine Konferenz mit dem Präsidenten der Lemberger Handelskammer Samuel von Horowitz und dem kaiserlichen Rat Edmund Rauch abgehalten und sich bereit erklärt haben, um den Preis von drei Mandaten in den Polenklub einzutreten. ,Wi.r st an, den bisher außerhalb des P o 1 e n k 1 u b, s" — das waren Ihre Worte — „aber bereits im Jahre 1907 waren ich und Brau de für den Eintritt in den Polenk l u b. W i r konnten dies j e d,p c h mit R ü c ksichi avuf die zionistische Jugend nicht durchführen. . . Sie haben also, Herr Stand, mit den „Moszkos" paktiert. Um den Preis von drei Mandaten wollten Sie die galizischen Juden verkaufen, als deren alleiniger Vertreter Sie sich geriren! Dieses Faktum unerhörter politischer Felonie, dieses Faktum des Verrates jüdischer Interessen machen wir Ihnen öffentlich zum Vorwurf und wir sind bereit, dasselbe vor jedem Gerichte zu beweisen. Haben Sie den Mut, diese Tatsache zu bestreiten! So haben Sie sich und Ihre Partei entwickelt! Noch vor wenigen Jahren waren Euer Programm: Zion, Euer Wahrspruch: das Wappen Davids. Und heute? Heute, da sich die jüdische Bevölkerung gegen Euch erhebt, da alle fortschrittlichen Elemente des Judentums E?uch als die größten Schädlinge der jüdischen Sache ansehen----, heute geht Ihr selbst zu den „Moszkos* und verkauft die Juden für einige Mandate! ... Sie wollen, Herr Stand, in den Polenklub eintreten, als Kollege des Organisators der Pogrome Stojalowski! Sie wollen den Paduchs, Fiedlers, Wi^ceks die Hand drücken! Sie wollen mit dem allpolnischen Gesindel Freundschaft schließen, Sie wolh n sich ljieren mit, den a.Mpszkos"! Undjall' dies wegen eines nichtigen Mandates!. Soviel. Niedertracht und Heuchelei haben die Juden endlich satt! Sie haben es-satt, ihre heiligen nationalen Gefühle profanieren zu lassen! „Finita ta comedia" — Herr Stand! Endlich wird es allen klar, was Eure „Opposition", was Eure „Demokratie" wert ist. Durch Ihr Anbot des Eintrittes in den Polenklub haben Sie über sich und Ihre Partei den Stab gebrochen. Lemberg, den 6. Juni 1911. Dr. Rafael Buber, Glücksmann, Dr. Natan Korkes, Dr. Nussbrecher, D. Sa 1 am ander, Dr. Zetterbaum.* Soweit der „offene Brief*. Die darin enthaltene Behauptung über die Bereitwilligkeit des Herrn Stand, in den Polenklub einzutreten, hat bereits vor mehreren Wochen zum ersten Male der Krakauer „TugM aufgestellt, Stand hat sie nur schwach dementiert. Nun schweigt Herr Stand vollends. Er glaubt damit die Sache totzuschweigen. Damit kann sich aber die jüdische Oeffentlichkeit nicht zufriedengeben. Herr Adolf Stand muß die Verfasser des „Offenen Briefes" klagen oder, er soll wenigstens eine ehrenwörtliche Erklärung veröffentlichen, daß diese Behauptung unwahr ist. Tut er beides nicht, ist es also wahr, daß er die jüdische Opposition, die er mehr als ein Dezenium gegen den Polenklub und die Moszkos gehetzt hat, jetzt an beide ausliefern wollte, um für sich und seine zwei Freunde Mandate zu ergatlern— dann hat Herr Adolf Stand seine Rolle im jüdischen Leben ausgespielt. * * * Der polnische Wahlaufruf und die neuesten „Hausjuden". Aus Lemberg wird uns geschrieben: Der polnische „Nationalrat" hat also endlich seine neuen „Hausjuden" proklamiert: eine sehr gemischte Gesellschaft. Es sind darunter alte Bekannte, die bereits im Parlamente gesessen sind; wir finden auch Neulinge und die sind die Interessantesten. Von den bisherigen Abgeordneten werden neuerlich aufgestellt: Dr. Adolf Groß (Krakau), Dr. Gold (Zloczöw), Dr. Gall (Tarnopol), Dr. Kolischer (Brody), Dr. Löwenstein (Drohobycz); als neue Kandidaten werden offiziell empfohlen: Dr. Goldhammer (Stryj), Rauch (Stanislau), schließlich Ohrenstein (Lemberg) und Bernard Stern (Buczacz). Herr Ohrenstein war zuerst Fleischhauergehilfe, dann Tramway-Kondukteur, er wurde von der Rada Narodowa ausersehen, den Sozialdemokraten Dr. Diamand zu Fall zu bringen. Bürgermeister Bernard Stern in Buczacz, ein alter gemütlicher Herr, der selbst nicht einmal den Ehrgeiz hatte, ins Parlament zu kommen, hat seine Ernennung nur den Zionisten zu verdanken, die soviel mit der Verwandschaft zwischen ihrem Kandidaten Ringel und Herrn Stern herumrenommierten, bis der „Nationalrat" aus Furcht, Stern könne doch vielleicht von seiner Familie beeinflußt werden, nun ihn selbst aufstellte. Diese neun Herren kandidieren auf das Programm des Polenklubs und seiner unbedingten Solidarität. Mit auf den Weg erhalten sie eine Proklamation des Nationalrates, wie sie chauvinistischer gar nicht gedacht werden kann. Es wird darin der Zionismus verpönt, die zionistischen Abgeordneten werden als Männer hingestellt, „die entweder das Land gar nicht gesehen