Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 12 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 „Neue National-Zeitiang" Seite 5 Die "Reichsratswahlen. Dr. Benno Strauchcr — gewählt. Zum viertenmal wurde Dr.Benno Straucher zum Abgeordneten von Czernowitz gewählt. Im ersten Wahlgange. Ein Beweis, welch' großen Anhang dieser Mann besitzt, der zum erstenmal im österreichischen Parlament als jüdisch-nationaler Abgeordneter aufgetreten ist. Nach den Erfahrungen, die Doktor Straucher während der vergangenen Legislaturperiode und der letzten Wahlkampagne mit Stand und Genossen gemacht hat, ist er entschlossen, einem eventuellen jüdischen Klub nicht beizutreten. * # * Die Wahl im Kai-Viertel. Am Kai findet die engere Wahl zwischen Hofrat Kamilo Kuranda und dem christlichsozialen Bezirksvorsteher statt. Es ist nun Pflicht aller jüdischen Wähler, einstimmig am 20. d. M. an der Stichwahl teilzunehmen. Jede Stimme kann von entscheidender Bedeutung sein. * * * Jüdische Abgeordnete. Bisher sind vier jüdische Abgeordnete gewählt : Dr.Straucher (jüdisch-national), Dr.Adolf Groß (Polenkkib), Dr. Winter und Low (Sozialdemokraten). In die Stichwahl gelangen vier Juden: Hofrat Kuranda (deutsch-fortschrittlich), Doktor Ofner (freisinnig), Dr. Czech (Sozialdemokrat) und Lucian Brunner (Zionist). * * * Der zionistische Kandidat in der Leopoldstadt. Herr Ingenieur Robert S t r i c ke r hat als zionistischer Kandidat in der Leopoldstadt I. 799 Stimmen auf sich vereinigt. So gering auch diese Stimmenzahl im Verhältnis zur Gesamtwählerschaft sein mag, so bedeutet sie doch auf einem so schweren Terrain einen Achtungserfolg. Gegenüber den vorigen Reichsratswahlen sind mehr als 250 Stimmen neu erobert und Dr. Mittler, der Kandidat der deutschen Fortschrittspartei, mit dem großen Komitee und Wahlapparat ist überflügelt. Diesen Erfolg hat Herr Stricker nur seiner ruhigen, programmatischen Wahlarbeit zu verdanken; er hat mit den hohlen Schlagworten der bisherigen zionistischen Phraseologie gebrochen und gezeigt, daß er weiß, was den Inhalt der jüdischen Volkspolitik in Oesterreich zu bilden hat. * m * Die Zionisten in Westgalizien. Die Lemberger zionistische Parteileitung hat in mehreren westgalizischen Wahlbezirken ihre Kandidaten aufgestellt und für dieselben in bekannter-Weise die Agitation eingeleitet. Am Tage vor der Wahl, am 12. d. M., erging wieder aus Lemberg an alle Kandidaten ein Ukas auf ihre Kandidaturen zu verzichten und gegen die Allpolen zu agitieren. Nur in Tarnow, wo ein allpolnischer Kandidat die besten Chancen hatte, wurde die Kandidatur des Dr. Malz aufrechterhalten. Diese Entschließungen werden allgemein darauf zurückgeführt, daß durch Intervention des in Neusandec sehr bedroht gewesenen Hofrates German an Stand gewisse Konzessionen bezüglich eines Mandates gemacht wurden. f)ie "Wahlbewegung. Meine Kandidatur im 32. galizischen Wahlkreise. Im Einvernehmen mit meinen politischen Freunden habe ich mich entschlossen, meine Kandidatur im 32. galizischen Wahlkreise zurückzuziehen. Angesichts des Hochdruckes, der für den Kandidaten der „Rada Narodowa", Bürgermeister Bernard Stern, seitens der Behörden ausgeübt wird, angesichts der horrenden Geldsummen, mit welchen der selbständige Kandidat Dr. Landesberg unter Berufung auf die Gunst des Statthalters die Geldgier der Wähler aufstachelt, schließlich angesichts des Terrorismus und der E rpressungen, mit welchen der zionistische Anhang des Dr. Ringel meine Freunde wirtschaftlich zu erdrosseln droht, konnte ich mich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß der entgültige Erfolg nicht in Einklang zu bringen wäre mit den Opfern, die ich mir und meinen Freunden auferlege. Ich danke allen meinen persönlichen und politischen Freunden für den Eifer, die Hingebung und die Selbstlosigkeit, mit denen sie meine Kandidatur unterstützt haben. Ich versichere, daß ich nach wie vor mit allen meinen Kräften der jüdischen Volkssache dienen werde. Jetzt mehr denn je. Die politische Erziehung unseres Volkes muß Hand in Hand gehen mit dem Kampfe gegen alle jene Schädlinge, die es politisch aussaugen und für ihre persönlichen Zwecke mißbrauchen. Der schonungslose Kampf gegen diese politischen Charlatans, von rechts und links — soll jetzt beginnen. Dr. S. R. Landau. * * * Die jüdischen Sozialdemokraten gegen Adolf Stand. (Adolf Stands Eintritt in den Polenklub?) Die Führer der Z. P. S. D. (Jüdische sozialdemokratische Partei) haben folgenden „Offenen Brief an Herrn Adolf Stand" veröffentlicht: „Geehrter Herr! In dem Momente, da im III. Bezirke der Landeshauptstadt ein heftiger Kampf tobt, in dem Momente, da die Partei, deren sichtbares Haupt Sie sind, mit Lügen und Verleumdungen die Sozialdemokratie und deren offizielle Repräsentanz bewirft, in dem Momente, da Ihre Partei aus Haß gegen den proletarischen Gedanken gemeinsam mit den antisemitischen Allpolen die sozialistische Kandidatur im III. Bezirke bekämpft, da Hunderte Ihrer Hyänen am hellichten Tage jüdische Stimmen kaufen und einen Handel mit menschlichen Seelen treiben, in diesem Momente fühlen wir Gefer-