Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1911-06-02 · Heft 11 (2.6.1911) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 11 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2425679-2425829-2425841--2047-2428449
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 »Neue National-Zeitung* Nr. 11 Die Wählerversammlung in der „Brüderlichkeit". Es war eine imposante Kundgebung i/dert geteaiafen jüdischen Arbeiterschaft von Buczacz,. welche; hier Platz griff. Sowohl Dr. Iianfer, als eine Reihe von sozialdemokratischen. Rednern erklärten, daß:.die Zionisten. durch' ihr schmachvolles Treiben das gewissen'der Stadt aufgerüttelt liaben und daß ihnen von heute angefangen mit gleicher Münze heimgezahlt werdeD müsse; von heute angefangen werde auch jede zionistische Versammlung gesprengt werden. Wenn auch Dr. Landau nicht zur Partei gehöre, so sei er jedenfalls durch seine politische Vergangenheit und seine dem Proletariate gewidmete Tätigkeit den Arbeitern svmpatischer als der ganz unbekannte zionistische Kandidat. Die zionistische Partei habe sich wie die „ezarna sotnia" benommen, sie haben jedes Recht auf Achtung verloren. . Dr. Landau setzte hier seine Kandidatenrede fort und erklärte, daß seine Vergangenheit wohl dafür bürge, daß er bei jeder (Telegenheit die Interessen des jüdischen Proletariates vertreten Averd<\ Das jüdische Proletariat Galiziens sei leider kein industrielles Proletariat. Wir haben in Galizien Hunderttausende von Mensehen, welche ihre Arbeitskraft verkaufen wollen, aber für dieselbe keinen Arbeitsmarkt finden. Das sind die „Luftmenscheii", denen man erst Arbeitsgelegenheit verschaffen müsse. Dieser Aufgabe wolle er sich in erster Linie widmen. „Von heute" ab erklärte der Redner mit Nachdruck, „ist das Tischtuch zwischen mir und den Zionisten zerschnitten. Im Falle meiner Wahl werde ich, eingedenk der terroristischen Agitationsmittel, welche die zionistische Partei gegen mich anwendet, dem jüdischen Klub nicht beitrat e n. Eine Partei, welche, wie es heute bewiesen wurde, in so schändlicher Weise die Redefreiheit mißachtet, die an einzelnen Wählern Erpressungeil ausübt, eine Partei, die in diese]- ehrlosen Weise für ihren Kandidaten arbeitet, ist unwürdig, daß ich ihr angehöre." Spät nachts schloß diese denkwürdige Versammlung, worauf alle Anwesenden den Dr. Landau unter Hochrufen in sein Hotel begleiteten. Die Zionisten haben durch ihre Taktik nur den entgegengesetzten Erfolg geerntet, als den, welchen sie er- Avarteten. Sie haben die Chancen des Dr. Landau wesentlich gestärkt. Daß sie nunmehr mit verschiedenen Verdächtigungen arbeiten und insbesondere erklären, Dr. Landau sei von Dr. Landesberg „gedungen", um die jüdischen Stimmen zu zersplittern, ist eine so lächerliche Lüge und ein so plumpes Wahlmanöver, daß man darauf nicht mehr zu reagieren braucht. Die Kandidatur des Dr. Landau wurde schon viele Wochen vor der Kandidatur des Dr. Ringel aufgestellt und hat bei den hiesigen Bürgern großen Anklang gefunden. Daß auch der Bürgermeister und der Kultuspräsident zur Kandidatenrede des Dr. Landau erschienen sind, und einige Zionisten besonders aufregte, ist eben auf persönliche Sympathien und auf die Kampfweise des Dr. Landau zurückzuführen, dessen Kandidatenrede nur sachliche Argumente enthält und alle wüsten Beschimpfungen der lokalen Spitzen vermeidet. Die zionistische Armee besteht hier zumeist aus Studenten, (ryninasialschülern und politischen Abenteurern, für die der Zionismus nur ein Geschäft bedeutet; die unabhängige, echt jüdisch empfindende Wählerschaft schart sich um die Kandidatur des Dr. Landau. bi$fe-der:> Ausgetretenen. ■••-■T ■.- :\ Vom 16. bis 30. Mai 1911. (Nr. 210—232.) Barasch Gisela, geb. 6. März 1879 in Wien, HL, Beatrixgasse 17. Deutsch Artur, Elektriker der Staätsbähnen, 33 Jahre alt, geb. in Wien, Götz. Deutsch Dr. Helene, Schriftstellerin, geb. 25. September 1885 in Lokombak, IV., Wallgasse 17. Feiner Leopold, Ziegelarb<>iter, geb. 29. Oktober 1882 in Kerezslur, X , Triesterstraße 497. Fuchs Max, Kaufmann, geb. 2'?. Oktober 1882 in Napagedl, I., Neuer Markt 3, Gottlieber Emanuel, geb. 22. Juli 1892 in Deutschleuten, XVI. Oitakringerslraße 23. Gruder Hugo, Opernsänger, geb. 18. August 1885 in Czernowitz, I., Wollzeile 17. Heitier Amalia, Kleidermacherin, geb. 6. Dezember 1881 in Wien, IV., Scbönbrunnerstraße 9. Löwenstein Albert, geb. 15. Mai 1883 in Ält-Schüllasdorf, III., Fasangasse 18. Löwy Therese, geb. 11. August 1888 in Wien, V., Schönbrunnerstraße 60. Schulz Emilie, geb. 26. Jänner 1894 in Wien, XVI., Heimerleg. 2. Lichtpracht Taube, led., geb. 3. Dezember 1878, XVI., Reingasse 34. Löwy Pauline, ledig, Beamtin, geb 8. August 1878, XV., Robert Hammerlinggasse 15. Löwensohn Irma, ledig, Private, geb. 29. April 1877 in Pressburg, II., Kleine Schiffgasse 6. Weis! Marianne, ledig, Universitätshörerin, geb. 6. März 1890, VII., Kirchengasse 48. Krieser Hugo, verh., Kaufmann, geb. 14. August 1878, VI., Magdalenenstraße 66. Krieser Ida, geb. Pollak, Kaufmannsgattin, geb. 6. Juni 1880, VI., Magdalenenstraße 66. Reich Sigmund, ledig, Zuschneider, geb. 14. April 1887, XX., Eluckygasse 8. Wenger Josefa Anna, geb. Lüssek, venv., Private, geb. 29* September 1873, IL, Kaiser Josefstraße 14. Winternitz Katharina, ledig, Private, geb. 25. Dezember 1863 in Budnian, VII, Lerchenfelderstraße 45. Glücksam Bettina, ledig, Private, geb. 23. September 18S3, XVII., Hernalser Hauptstraße 91. Soskin Sara, ledig, Stadentin, geb. 13. September 1891, XVII., Beheimgasse 15. Goldschmidt Leopold Erwin, aus Melk. Eingesendet. 28. Staatswohltätigkelts-Lotterie. Auf kaiserliche Ermächtigung wiid die 28. k. k. Staatslotterie für gemeinsame Militärwobltätigkeitszwecke veranstaltet. Diese Geldlotterie, die einzige in Oesterreich gesetzlich gestattete, enthält 21135 Gewinste in barem Gelde im Gesamtbetrage von 620.000 K. Der Haupttreffer beträgt 200.000 K. Die Ziehung erfolgt öffentlich am 22. Juni. Ein Los kostet -4 K. Lose sind bei der Abteilung für Staatslotterien in Wien, III., Vordere Zollamtsstraße 7, in Lottokollekturen, Tabaktrafiken, bei Steuer-, Post-, Telegraphen- und Eisenbahnämtern, in Wechselstuben etc. zu bekommen; Spielpläne für Loskäufer gratis. Die Lose werden portofrei zugesendet. Briefkasten der Redaktion. Student. Daß die Tochter des Herrn Dr. Ernst Franz Weisl, der lange Jahre der zionistischen Partei aDgehört und bekanntlich den gesellschaftlichen Boykott der Abtrünnigen propagiert hat, aus dem Judentam ausgetreten ist, mag sehr bedauerlich sein. Es sind uns jedoch die näheren Urnstände deä Falleä zu wenig bekannt, um das von Ihnen übersandte Schreiben veröff-ntlichen zu können. — Abonnent In Mistek. Dr. L. ist getauft. Er hat schon aus politischer Raison für die Resolution Schmidt nicht gestimmt — Dr. F. Z. Das Buch ist bei S. Fischer in Berlin zu erfragen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.