Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 11 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 11 Hiefür wurde ihm in der „Neuen National- Zeitung" wiederholt literarischer Diebstahl vorgeworfen, ohne daß er bisher dagegen reagiert hätte. Infolge der Anzeige des Herrn Weinreb ist vom zionistischen Zentralwahlkomitee ein Ehrengericht eingesetzt worden, dessen Vorsitzender, Herr Adolf Stand, Herrn Weinreb unter Hinweis auf die Parteidisziplin gezwungen hat, seine Anzeige zurückzuziehen. Nun hat Herr Waldmann diese Anzeige neuerlich aufgenommen und ist entschlossen keiner Pression zu weichen. Es ist daher ein Ehrengericht, bestehend aus Herrn Stand, Dr. Zipper und Dr. Ringel zur Prüfung der Behauptungen des Herrn Waldmann eingesetzt worden. Dieses Ehrengericht sieht aber seine Aufgabe darin, zu schweigen, resp. die ganze Angelegenheit auf die lange Bank, das heißt über die Wahlen hinauszuschieben. Herr Wechsler andererseits sorgt dafür, daß er sich die Mitglieder des Ehrengerichtes verpflichte, indem er für sie fleißig agitiert. Und insbesondere, um sich Herrn Dr. Ringel zu verpflichten, ist Wechsler derjenige, der die ganze aussichtslose Kandidatur Ringels in diesem Bezirke durchgesetzt hat Denn für Wechsler ist seine Parteistellung auch eine Lebensexistenzfrage. Nach bekanntem Muster hat er seine juristischen Studien nicht absolviert und lebt vom — Wahlfonds. Da für einen solchen Desparado der Sieg Ringels eine Lebensfrage ist und er durch Ausschluß aus der Partei auch die Mittel zum Lebensunterhalte verliert, so ist auch der ganze Terrorismus dieses Herrn Wechsler im Wahlbezirke erklärlich. Es fragt sich nur, ob sich die Wähler dieses Bezirkes von dieser Wahlhyäne bei ihrer freien Wahl werden beeinflussen lassen. Die Partei jedoch, deren Hauptagitator dieser Mann ist, hat damit auch über sich selbst den Stab gebrochen. * * * Ein Brief Dr. Zippers. Dr. Gerschom Z i p p e r hat an Dr. S. R. L a n d a u am 17. Mai 1911 nachstehendes Schreiben gerichtet: „Euer Wohlgeboren! Sehr geehrter Herr Kollege! EinMitgl ie dde r zi onistischenPartei erhob gegen Herrn Leon Wechsler den Vorwurf, daß ihm im Jahre 1908 in der „Neuen National-Zeitung" literarischer Diebstahl, begangen durch Veröffentlichung des wesentlichen Inhaltes einer von Ihnen verfaßten Broschüre unter dem Titel „Der jüdische Klub" vorgeworfen wurde und daß dieser Vorwurf von Ihnen mehrfach wiederholt wurde, dagegen von Herrn Leon Wechsler unwiderlegt blieb. Das Zentralkomitee der Zionisten in Galizien beauftragte mich, die Richtigkeit dieses Vorwurfes zu prüfen. Ich ersuche Sie daher höfl. mir ehetunlichst mitteilen zu wollen, ob event was Ihnen in dieser Sache bekannt sei. Ihre gef. Aeußerung binnen drei Tragen entgegensehend zeichnet. Mit Hochachtung Dr. Zippe r m. p." Auf diesen Brief hat Dr. Landau nicht geantwortet, da die „Neue National-Zeitung" in jeder öffentlichen Bibliothjek zugänglich ist und die ganze Briefschreiberei nichts anderes als eine Komödie ist. Wählerversammlung in Zaleszczyki. Zaleszczyki, den 28. Mai. Gestern hat Dr. S. R. Landau hier die zweite Wählerversammlung abgehalten. Dieselbe fand um 5 Uhr nachmittags in der Sadagorer Klaus statt. Zahlreiche Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung sind bei derselben erschienen, um die Kandidätenrede zu hören. Den Vorsitz führten die Herren Wolf Nißbruchund Moses Horowitz. Am selben Tage hatte auch der zionistische Parteikandidat Dr. Ringel in der Synagoge eine Parteiversammlung abgehalten, zu welcher seitens des Kultusvorstandes nur unter der Bedingung die Synagoge zur Verfügung gestellt wurde, wenn auch Dr. Landau gleichzeitig seine Kandidatenrede halten werde. Nichtsdestoweniger haben die Anhänger des Dr. S. R. Landau es vorgezogen, um jeden Zusammenstoß zu vermeiden, eine eigene Versammlung abzuhalten, so daß Dr. Ringel der versammelten Schar von jungen Burschen und Mädchen seine im Fisteltone gehaltene Rede vortragen konnte. Diese Anstandsrücksichten sind jedoch unseren Zionisten fremd und sie hpben daher den Umstand, daß zur Sadagorer Klaus allen Wählern freier Zutritt gewährt wurde, dazu mißbraucht, um ihre den Kinderschuhen kaum entwachsenen Anhänger mit Pfeifchen bewaffnet ins Bethaus zu kommandieren. Als Dr. Landau das Wort ergreifen wollte, geberdeten sich die anwesenden zionistischen Bürschchen unter der Führung eines jungen Akademikers aus Buczacz wie besessen, zerschlugen die Scheiben, zerbrachen die Bänke, beschmutzten die Wände. Da blieb nichts anderes übrig, als Polizei zu holen und sind auch tatsächlich alle diese Helden beim Anblicke zweier städtischer Polizisten verduftet, Dr. Landau konnte dann ungestört unter großem Beifalle der Anwesenden seine Kandidatenrede halten, in welcher er sein jüdisch-nationales Programm entwickelte und insbesondere für die Hebung des jüdischen Mittelstandes einzutreten versprach. Unter Hinweis auf die heutigen Störungsversuche wies Redner unter allgemeinem stürmischen Beifalle der Versammlung darauf hin, daß die jüdischen Wähler dieser Stadt wohl nach den Verdiensten und nach den bisherigen Leistungen des Kandidaten am Tage der Wahl entscheiden werden, ohne sich durch den wüsten Lärm derjenigen irreführen zu lassen, deren Geschrei nichts anderes als das Zeichen ihrer politischen Unreife und ihrer Ohnmacht ist Mit begeisterten Worten unterstützte hierauf Herr Moses Horowitz die Kandidatur des Dr. Landau und verwies darauf,; daß das. absolvierte Advokatursexamen und die gute Partie des Dr, Ringel ihn noch nicht dazu befähigen, diesen Bezirk im Reichsrate zu vertreten. . Abends veranstaltete Dr. S R, Landau im Hotel Laxtein über Einladung der hiesigen Handwerker und Kaufleute eine Wählerversammlung, in welcher allgemein der Empörung über die Störungsversuche Ausdruck verliehen wurde. Alle Anwesenden, waren einstimmig der Ansicht, daß gerade dieses Vorgßhen der Zionisten alle anständigen Bürger aufgerüttelt und ihnen die Augen über den zionistischen Terrorismus geöffnet hat * . *