Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 11 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 „Neue Nationai-Zeitung" Seite 7 Diese „Vorzüge" haben ihm den Ruf eines „Politikers" eingebracht. Denn sonst hat der junge Mensch gar kein Verdienst. Seine Weisheit läßt er höchstens mit seinem Kopfnicken leuchten, Und wenn er einmal seinen Mund auftut, um z. B. beim Kellner ein Glas Wasser zu bestellen, hält die Gesellschaft den Atem still, um die Weisung des „Führers" anzuhören, als ob sie eine Offenbarung wäre. Andere Verdienste um das galizische Judentum oder um den Zionismus bat er keine. Seine Hochzeitsreise ging nicht nach Palästina und die zionistischen Fonds sind von ihm nie mit einer beträchtlichen Summe bedacht worden. Als Dr. Braude Galizien verlassen hat, übernahm Ringel die Leitung des zionistischen Zentralkomitees und hat die Bewegung mit seinen organisatorischen Tätigkeiten so ziemlich zugrunde geleitet. In die Zeit seiner Herrschaft fallen die Ersatzwahl zum Landtage in Stryj und die jüngsten Wahlen zum Lemberger Gemeinderate, bei welchen die zionistische Politik durch ihre Abwesenheit glänzte. Seine Hand lastet wie ein Alp auf jeder zionistischen Tätigkeit, die er durch sein Eingreifen hemmt. Wie es scheint, ist er kein Freund von Versammrungen, denn unter seiner Herrschaft hat noch keine Versammlung in Lemberg stattgefunden. Es will auch scheinen, daß er in der Zusammenschrumpfung der zionistischen Partei ihr Heil sieht, denn ihm ist es zu verdanken, daß die Kluft zwischen bürgerlichen Zionisten und „Poale Zion" bis zur Unüberbrückbarkeit ausgedehnt wird. Es wird gemunkelt, daß der gute Mann ein mustergültiger Ehegatte sei, aber geistig ist von ihm noch nichts gehört worden. Kein neues Wort. Nicht einmal ein alter Gedanke in eine neue Form gekleidet. Einen Aufsatz hat der Mann über das Verhältnis der Polen zum Zionismus gesehrieben; damit ist ihm schon Dr. Salz um 18 Jahre rüher in dieser Materie zuvorgekommen . . . Ein einzigesmal habe ich den Mann über Schekel sprechen gehört und da habe ich mich gefragt: Ist dieser Mensch so stupid, daß er mit einem derartigen aufgewärmten Quark Anhänger für den Zionismus gewinnen will? Oder hält er das Publikum für so blöd, daß er es mit einem gedankenlosen Geschwätz abspeisen will? Nun will der Mann ein Mandat zum Reichsrat, wogegen nicht viel einzuwenden wäre, Schließlich hat auch die zionistische Partei ein Recht, ihr Stimmvieh im Parlamente zu haben. Einzuwenden ist nur, daß der Mann das Mandat einem verdienstvoll eren Bewerber wegschnappt. Das Mandat in Buczacz war bei der vorigen Wahl für einen Dr. Birnbaum bestimmt. Traurig genug, wenn es jetzt auf den Ringel gekommen ist! War sich also die Partei der großen Tragweite ihrer Verantwortung bei der Nominierang dieses Kandidaten nicht bewußt, so ist zu hoffen, daß d i e Wähler diese Tragweite erkennen und die Tat des zionistischen Zentralwahlkomitees mit ihrem Stimmzettel korrigieren wird. Der Wahlkampf im 32. galizischen Wahlkreis. Die Wahlhyäne des Dr. Ringel. Buczacz, Ende Mai. In den Versammlungsberichten der zionistischen Presse stößt man fast bei jedem Schritte auf den Namen LeonWechsler. Bald ist er der „gefeierte Redner", bald „die Hauptstütze des Herrn Stand", bald der „Sekretär des Jüdischen Klubs", bald derjenige, der die zionistischen Kandidaten begleitet, sie einführt, rühmt usw.; ein Mädchen für alles. Seine Haupttätigkeit entwickelt dieser Leon Wechsler diesmal im 32. Wahlkreise als Wahlhyäne des Dr. Ringel, für den er überall Versammlungen einberuft, Versammlungen sprengt, politische Gegner verleumdet, terrorisiert, denunziert, ohne bei der Wahl seiner Mittel sich irgend welche Skrupel aufzuerlegen. Wir kennen in Buczacz diesen Mann sehr genau und ich versichere Sie, daß es keine Ehre ist, sich mit demselben auseinanderzusetzen. Allein in dem jetzigen Wahlkampfe spielt dieser Mann in der zionistischen Partei als Agitator die erste Rolle und darum muß ich, wenn auch mit tiefem Widerwillen, daran gehen, die Person dieses Mannes zu beleuchten und der jüdischen Oeffentlichkeit zu zeigen, wer in der zionistischen Partei jetzt das große Wort führt. Dann wird man auch wissen^ wie tief die ganze Partei jetzt gesunken ist. Es ist gar nicht nötig, daß ich diesen Mann selbst charakterisiere. Ich berufe mich auf zwei zionistische Parteimänner: auf den hiesigen Advokaturskandidaten Mathias Weinreb, der aus Ekel und Widerwillen über den Kampf gegen den Dr. S. R. Landau die Stadt verlassen hat, und auf Herrn Moses Wald mann, welcher als gewesener Redakteur der „Jüdischen Zeitung" in Wien der Oeffentlichkeit bekannt ist. Die beiden genannten Herren haben, und zwar Herr Weinreb vor längerer Zeit, und Herr Waldmann vor einigen Tagen, an das zionistische Zentralwahlkomitee in Lemberg eine Eingabe gerichtet,, worin sie dem Herrn Leon Wechsler eine stattliehe Reihe unehrenhafter Handlungen zum Vorwurfe machen. Es würde zu weit führen, wollte ich hier alle die von den genannten zwei Herren bei ihrer obersten Parteibehörde geltend gemachten Anwürfe wiederholen, denn es widerstrebt mir, in dem intimsten Familienschmutze zu wühlen. Von den wichtigsten Behauptungen seien nachstehende hier wiedergegeben: 1. Herr Leon Wechsler hat hier seinenVater auf offener Straße geprügelt. 2. Genannter wurde vom hiesigen Kasino als Falschspieler ausgeschlossen. 3. Genannter hat eine Jargon-Broschüre „Der Jüdische Klub" herausgegeben, die zum größten Teile der bekannten Broschüre „Der Polenklub und seinje Hausjuden" des Herrn Dr. S. R. Landau entnommen Ist.