Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 11 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 11 wähl der von der deutschen Konfereiizgeineinsehaft aufgestellten Liste nur nach jüdischen Grundsätzen zusammengestellt ist. wie dies für eine jüdische Gemeinschaft angebracht ist. Woher aber wußte man nun in Paris die Namen der vorgeschlagenen Kandidaten der I). K. G. lange ehe die Liste definitiv feststand? Nur ein Spion kann sie nach den Ufern der Seine übermittelt haben. Aber ein ungeschickter. Denn er übermittelte eine unfertige Liste und hat es nun auf dem Gewissen, daß Paris sieb gegenüber vielen Leuten mit unrichtigen Behauptungen bloßstellt. Ueberhaupt hat Paris Pech. Sein „ehrlicher Makleru in Berlin war ein Herr Leopold Fischer aus Hannover. Er ist einem kleinen Kreis als Zionistenfresser ungefährlicher Art bekannt und hat wohl als solcher Vertrauen des Zentralkomitees erworben. Dieser Herr tritt in Berlin als Friedensvermittler auf und lanziert zu gleicher Zeit einen Artikel gegen die D. K. G. in die Presse, dessen Färbung eine solche ist, daß man nach erfolgter Feststellung des Autors sich wohl hüten wird, weiter mit Herrn Fischer vax verhandeln. Wir wollen unsere Leser nicht weiter mit Einzelheiten ermüden, die wir nur angeführt haben, um zu zeigen, mit welchen Mitteln man in Paris den Wahlkampf führt. Erfolg wird troiz alledem seiner Liste hoffentlieh nicht besehieden sein. Sie bedeutet den Sieg des Unjüdisehen, Unaufrichtigen, des Strebens nach hohler Assimilation und ungestörter Selbsthvrrliehkeit. Aber selbst wenn die Pariser Liste siegen sollte, würde das keine endgültige Niederlage des Reformstrebens bedeuten. Es wäre nur des Dramas erster Teil beendet! Und Herr Reinaeh wird sich der Worte Zolas aus der „Affaire" erinnern: „La verite est en marche et rien ne l'arretera.u An die Mitglieder der Allianee Israelite Universelle ergeht aber in diesem wichtigen Augenblick die ernste Mahnung: „Bei dieser Wahl keinen Stimmzettel für die unjüdische Liste des Herrn Rein ach!" -!i Scb. Weiss (Kuty): f)as „Zionistische Zentralkomitee'' und die bandespolitik. ra zionistischen Kreisen hat die Frage, ob die zionistische Partei als solche das Recht und die Pflicht habe, sich mit Landespolitik zu befassen, vielfache Erörterung erfahren. Solange die Sache nur theoretischen Charakter für sich in Anspruch nahm, konnte das Ergebnis der Diskussion ziemlich gleichgültig bleiben. Es konnte und durfte kein Mensch dagegen etwas einwenden, daß die in Rede stehende Frage nur von einem Gesichtspunkte aus betrachtet werde, nämlieh vom Gesichtspunkte der zionistischen Partei im engsten Sinne des Wortes; fragten sie sieh doeh mit Recht nicht, wie die jüdische Landespolitik unter ihren Fittichen ausschauen wird, ob denn wirklich Jeder jüdischnationale Politiker auf dem Baseler Programm stehen müsse usw. usw. Sie formulierten vielmehr die Frage folgendermaßen: „Dürfen wir, Zionisten, unsere Kräfte der heiligen Sache nehmen, um sie in den Dienst der profanen Politik zu stellen?" Solange die Frage dermaßen lautete, war die Antwort im vorhinein gegeben. Die Zionisten als solche haben tatsächlich nicht den Beruf in sieh, jüdische Landespolitik zu treiben. Wenn sie in die Arena des Tageskampfes treten wollen, müssen sie ihr Priestergewand ablegen. Nun aber nominiert die zionistische Partei als solche aus ihren engsten Reihen ilire Kandidaten und ist dabei in arger Verlegenheit; auf dem Baseler Programm stehen nun einmal Leute, nicht viele tüchtige, bewährte Politiker, die den verschiedenartigen, mächtigen Gegnern des Judentums die Spitze bieten könnten. So müssen die Herren in der Not Leute herausgreifen, die ja sehr schöne Makabäerfeierreden halten, die aber von Staatskunst und Politik nur in wenigen Büchern gelesen haben. Und wenn noch der Zufall es gefügt hat, daß die jungen Redner eine reiche Mitgift haben, die Wahlspesen also selber bestreiten können, dann ertönt ihr „heureka" in allen Tonarten. Viele lassen sich vom Wort „Zentralkomitee" blenden, da sie nicht wissen, daß dieses besser täte, bei seinen Leisten zu bleiben. Die Frage, ob die zionistische Partei als solche sich mit Landespolitik zu befassen hat, muß also von einem ganz anderen Standpunkte betrachtet werden. Wenn das Zentralkomitee es mit den Juden ernst meint, woran nicht gezweifelt werden darf, muß es sich die Frage folgendermaßen vorlegen: „Geht es an, daß wir von der jüdischen Politik Männer fernhalten, die berußen sind, uns durch das politische Labyrinth zu führen, Männer, die eine bedeutende Rolle gespielt haben, als wir noch nicht auf realem Boden standen, sondern nur so hinträumten? Die Frage so vorgelegt, wird naturgemäß eine andere Lösung erfahren. Die Antwort werden die Wähler klipp und klar zum Ausdrucke bringen. Sie werden nicht darnach fragen, ob der Kandidat mit der Kolonisationsart Palästinas einverstanden ist, ob er mit Begeisterung für den Schekel agitiere oder nicht, sondern vielmehr darnach, ob er sie im österreichischen Parlamente würdig wird vertreten können. Sie dürfen nicht unerfahrene Männer in den Reichsrat entsenden, damit sie vor den Augen aller Welt Dummheiten machen, sondern erprobte, gewiegte Politiker. Gustav Bader (Lemberg) :*) T)r. Michael Ringel. Unter der Menge von Mandatsjägern, die gegenwärtig in Galizien auf Beute ausgehen und die jüdischen Wähler mit allerlei demagogischem Schwefel betören, befindet sich auch Dr. Michael Ringel als Kandidat des sogenannten zionistischen Zentralwahlkomitees. Welche Verdienste hat dieser junge Mann um das jüdische Volk? Am Tage seiner Nominierung zum Kandidaten hat er sein Advokatursexamen glücklich bestanden; er hat reich geheiratet, ist außerdem allabendlich die Zentralfigur eines Stammtisches, bei dem über die in Verhandlung befindlichen Prozesse regelmäßig referiert wird. *) Gustav (Grersebon) Bader, der hervorragende Jargon- Publizist, der unlängst in Amerika so große Triumpfe gefeiert bat, ist dem jSdisch-lesenden Publikum MnlängKeh bekannt. Für das eteutscMesende Publikum bemerken wir, dat Gustav Bader zu den besten und bekanntesten Pullfeisten des Jiddisch gebort, daß er der Gründer des jüdischen Tagblattes in Lemberg war «nd derzeit Korrespondent der hervorragendsten füdisehamerikanischeit Blätter ist Herr Bader ist aus der zionistiscben Partei in Lembergausgetreten, weil er von deren Treiben angeekelt wurde. Die Redaitfe«.