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Neue Nationalzeitung · 1911-06-02 · Heft 11 (2.6.1911) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 11 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite. 2 „Neue National-Zeitung' Nr. 11 ganz gut Zionist sein und dem Polenklub angehören oder für ein Mitglied desselben stimmen. Diese Anschauung wird beispielsweise noch immer von Dr. Thon in Krakau vertreten. In ähnlicher Weise hat auch Dr. Franz Oppenheim er erklärt, däß das Basler Programm die deutschen Juden nicht hindern kann, sich zur deutschen Nationalität zu bekennen. Trotzdem haben sich einige Zionisten in Lemberg als ,Zionistisches Zentralwahlkomitee" zu einem Konvent etabliert, um der jüdischen Wählerschaft Kandidaten aufzudrängen, um selbst inappellabel über die echtjüdische Gesinnung der Reichsratskandidaten zu urteilen und jedermann moralisch hinzurichten, der ihrer Clique nicht angehört. Dieses traurige Bild politischen Strebertums gibt dem jetzigen Wahlkampfe in Galizien seine Signatur. Aber auch der Vorgang bei der Bestellung der Kandidaturen trägt alle Merkmale des Gliquentums an sich. Herr Adolf Stand, der „Führer" kandidiert sich, um nur auch sicher zu gehen, in vier Bezirken (Brody, Tarnopol, Stanislau und Lemberg—Judehviertel), Dr. Z i p p e r und der Advokaturskandidat Dr. Reich okkupierten je zwei Bezirke (Kolomea und Drohobycz, resp. Stryj - Kalusz und Landgemeinden Gzortköw — Trembowla). Dagegen werden die ältesten zionistischen Vorkämpfer, die nicht'zur Lemberger Tischgesellschaft gehören, wie Dr. Salz und Dr. Mälz in aussichtslose Bezirke geschickt (Zloczow und Tarnow), wo sie nur als Zählkandidaten in Betracht kommen. Der Wahlkampf, der von zionistischer Seite geführt wird, beweist, daß diese Gesellschaft bei den Antisemiten alten Schlages mit Erfolg in die Schule gegangen ist. Es werden die Versammlungen politischer Gegner gesprengt; Terrorismus, Verleumdungen und Erpressungen werden mit einer Gewandtheit geübt, wie sie selbst bei den verpönten Kanalcliquen in solcher Blüte nicht zu finden sind. Das sind auch die einzigen Mittel, mit denen gearbeitet wird. Ein politisches Programm, ein politisches Losungswort fehlt. Es wird bloß renommiert mit dem „Jüdischen Klub", dessen Mitglieder sich bekanntlich nicht ausstehen konnten und der sang- und klanglos nach der Auflösung des Parlamentes auseinanderging. Um ein jüdisches Mandat bewirbt sich mit guten Chancen der Sozialdemokrat Dr. Diamant im Lemberger Judenviertel. Von polnischer resp. polnischjüdischer Seite ist ihm bisher kein ernster Kandidat entgegengestellt worden. Die „Rada Narodowa" möchte am liebsten cen Lemberger Vize-Bürgermeister Dr. Aszkenase aufstellen, doch fehlt, noch dessen Zustimmung. So unsicher es noch ist, welche Juden aus Galizien ins Parlament gelangen, so steht es andererseits fest, daß sie mindestens zehn Mandate erobern werden. Die Existenz eines „Jüdischen Klubs" steht allerdings in Frage und ist von der Laune des Zufalles abhängig. L. mm^m^^^gm^m^mm Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. Dr. M. Friedländer: Die heuentdeckten Oden Salomos. (1. Fortsetzung.) Und ein andermal: „Es wunderten sich diejenigen,, die mich sahen, denn ich war verfolgt, und sie meinten, ich wäre verschlungen . . . Und ich ging nicht zugrunde, weil ich nicht ihr Bruder war, denn auch meine Abstammung wa-r.nichLt wie die ihrige. Und sie suchten meinen Tod und fanden ihn nicht, denn ich war älter, als ihr Gedächtnis (reichte); und vergebens bedrohten sie mich und die, welche hinter mir waren, suchten umsonst das- Gedächtnis jenes, der vor ihnen war, zu vernichten."10) Ueberhaupt wird man unsere, nur durch Innigkeit des Gefühls und des Glaubens, durch jauchzende Gottbegeisterung vor allen anderen vorchristlichen Psalmen, sibyllinischen Gesängen und Apokalypsetn sich auszeichnenden Oden am besten verstehen, wenn man ihren Verfasser als das nimmt, was er in Wirklichkeit war: als einen der apokalyptischen Volkslehrer und Volkspropheten, wie sie an der Schwelle der christlichen Aera in so großer Menge allenthalben auftraten, nach innen Licht verbreitend und insbesondere den Heiden das Heil verkündend. Schon seine reine, alles Nationale und Zeremoniale weit hinter sich zurücklassende Lehre verrät die Umgebung, auf die er zu wirken hat. Es ist keine jüdische, und er ist ihr ein Fremder, ist von anderer Abstammung, verfolgt von ihnen, weil er sich um sie bemüht und ihr Gutes will. „Weil ich einem jeden Gutes tat", klagt er bitter, „wurde ich gehaßt und sie'umringten mich wie toile Hunde, die in ihrem Unverstand gegen ihren eigenen Herrn gehen.11) Dieselbe Klage erhebt auch die Sibylle schon um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts. „Jedes Land", singt sie, „und jedes Meer ist von dir erfüllt, und jeder grollt dir wegen deiner Sitten."12) Gleichwohl fühlt sie sich berufen, „allen Sterblichen der Wegweiser des Lebens zu werden."13) Denn sie ist die Stimme jenes Volkes, welches Gott zu Propheten erhöht hat, daß sie den Menschen große Freude brächten."14) — und nicht freiwillig hat sie den Beruf der Völkerbekehrung gewählt, er wurde ihr von Gott aufgeladen, ihr ins Herz eingeschnitten. Er treibt sie an, „wie mit Geißelhieben allen aus dem Innern einen Gesang zu verkünden",, gestattet ihr kein Ausruhen, sie muß die ganze Wahrheit verkünden."15) Und wenn sie völlig erschöpft hinsinkt und zu Gott fleht, „den Zwang von ihr zu nehmen;*' immer aufs neue erhebt sich ihr im Herzen die Rede des mächtigen Gottes, der ihr zu prophezeien gebietet.10) Ausi demselben Drange sprachjen die Apokalyptiker. Auch sie klagen, daß die Völker der Erda die Kinder der Auserwählten mißhandeln17) und rufen den letzteren zu: „Belehret sie, denn ihr seid ihre Führer und die Belohnungen, die über die ganze Erde."18) „Ihr seid die Himmelslichter!" heißt es in 10) Ode 28s ff. Vgl. 4l8-io: „Es sollen staunen alle, di& mich sehen, denn ich bin von einem anderen Geschlecht, denn der Vater der Wahrheit erinnerte sich meiner, er? der mich besessen hat von Anfang an. — n) Das. V. io—n; 42 7- 8. — ,2) Orac. sib. III. 271 f. — ,s) Orac. sib. HI. 194 f. — *4) Orac. sib. III. 582 f. — »») Orac. sib. III. 1—7. — lc) Orac. sib. III. 295 ff. Or. III. 489 ff. — ")' Ben. c.'62, 63, 108 u. a. St. _. ,8) Hen. 1041-7; 1051

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