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Neue Nationalzeitung · 1911-06-02 · Heft 11 (2.6.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 11 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NEUE töQONGL-ZQCüNG -^^^^^ W_ ^^^r^^^^- XIII. JAHRGANG. WIEN, 2. JUNI 1911. Nr. 11. Die Reichsratswahlen und die Juden. Die österreichischen Juden stehen inmitten des Wahlkampfes ohne ein Losungswort da. Sie stecken in allen möglichen Lagern, bekämpfen und zerfleischen sich gegenseitig. Wer denkt nicht dabei an jene talmudische Legende, da ein Gelehrter an den anderen die Frage richtete: „Wann wird denn endlich Israel einig sein?" Der andere ergriff eine Handvoll Sand, warf selben von sich und meinte: „Erst, wenn man aus diesem Sand eine Peitsche wird flechten können.* Und so sehen wir, wie in der Inneren Stadt Dr. Hein gegen den bisherigen Abgeordneten Hofrat Kuranda, in der Leopoldstadt Dr. Mittler gegen Dr. 0 f n e r und gegen beide wieder ein Zionist den Kampf aufnimmt. Wir sehen das traurige Schauspiel, daß in Mähren die Renegaten Dr. Redlich und Dr. Licht von den Kultuspräsidenten unterstützt werden. In Böhmen, wo die Juden zu den steuerkräftigsten Bürgern zählen und in gleicher Weise sowohl als Industrielle wie auch als Kauffeute zu den Stützen des Bürgertums gehören, wird von den bürgerlichen Parteien kein jüdischer Kandidat nominiert. Trotz aller Tschechisierungsversuche der Juden sehen alle tschechischen Parteien in ihnen keine repräsenfationsfähigen Männer; seit dem Zusammenbruche der Alttschechen haben von allen tschechischen Parteien nur die Sozialdemokraten einen Juden (Dr. Winter) Kandidiert. Recht verworren sind die Verhältnisse in Galizien. Wir sehen hier vorerst die Hausjuden, deren ganzes Programm nur darin besteht, daß sie durchaus gewählt werden wollen und daher die Solidarität des Polenklubs anerkennen. Die „Rada Narodowa" hat ihnen diesmal, um die jüdischen Wähler zu ködern, neun Mandate eingeräumt, von denen einige noch sehr zweifelhaft sind. Dagegen hat das polnische Zentral-Wahlkomitee durch Zuweisung einzelner Mandate an christliche Bewerber die Juden in unerhörter Weise provoziert. In K o 1 o m e a, der jüdischen Stadt par excellence, die seit Beginn der parlamentarischen Aera im Jahre 1867 nur durch jüdische Abgeordnete vertreten war, wird diesmal der christliche Bürgermeister K1 e s k i, ein A 11 p o 1 e, als offizieller Kandidat den Juden aufgedrängt, weil sein Schwager, der Krakauer Bürgermeister Leo, es so haben will. Der Bezirk Zöikiew-Rawa Ruska, wo der Beizer Rabbi seinen Sitz hat und 70% der Wähler Juden sind, bekommt nicht den Hausjuden Dr. Steinhaus, sondern neuerlich den erzklerikab n Prof. Starzynski. Diesmal aber gegen den Willen des Beizer Rabbi .... Wenn nun der große Wunderrabbi selbst wehrlos ist, wie müssen erst die kleinen armen Leute schweigen, wenn ihnen von den Behörden der B ef e h 1 zukommt, für den Kandidaten der Rada Narodowa zu stimmen. In heftiger Weise greifen diesmal wie im Jahre 1907 die Zlonisten in den Wahlkampf ein. Es ist bekannt, daß Dr. H e r z 1 ein Gegner der innerpolitischen Betätigung, der sogenannten Gegenwartspolitik, war und mit ihm auch alle jene, die jetzt an der Spitze der zionistischen Bewegung in Galizien stehen. Noch vor 4 Jahren hat Prof. Kellner unter Berufung auf Dr. Herzl die Teilnahme an den Reichsratswahlen mit scharfen Worten gegeißelt. Denn vom Standpunkte des Basler Programms, auf dem der Zionismus steht, ist die Teilnahme an den innenpolitischen Kämpfen, ist dre Verwendung der Schekelzahler und Zionvereine in Dienste innerpohiischer Aspirationen absolut nicht zu erklären. Zu diesem Zwecke müßte das Basler Programm von einem zionistischen Kongresse erweitert, öder aber von der zionistische» Gesamtpartei Oesterreichs ein innerpolitischesProgramm aufgestellt werden. Beides ist nicht geschehen. Nach den Anschauungen Dr. Herzls kann man

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