Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 10 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 10 Freunden Daszynskis und zu den Nährvätern des sozialistischen Naprzod gehört, hat man doch nicht gerechnet. Trotzdem aber steht es nicht fest, ob die Kabalpartei nicht dennoch einen eigenen Kandidaten aufsteilen wird. Als oppositioneller Kandidat tritt auf ein Poale- Zionist, ein zionistischer Handelsangestellter aus Lemberg, während die Zionisten zum Andenken an ihre Niederlage im Jahre 1907 keine eigenrn Kandidaten aufstellen. Angesichts der ungeheuren Erbitterung über die Felonie des Dr. Groß, der durch den Eintritt in den Polenklub seine ganze politische Vergangenheit mit Füßen tritt, wäre eine ernste oppositionelle Kandidatur sehr aussichtsvoll. Es müßte aber auch die richtige Person mit respektablem Namen und Vergangenheit ausfindig gemacht werden. Jfusarenmajor Wolf Bardach von Chlumberg. Der vor einigen Tagen in Czernowitz verstorbene pensionierte Husarenmajor Wolf Bardach von Ghlumberg verdient weit mehr Aufmerksamkeit als ihm bisher in der Presse zuteil wurde. Dieser schlichte Sohn eines galizischen Dorfschenkers hat in der Schlacht bei Königgrätz eine der größten Heldentaten vollführt und damit dem jüdischen Namen Ehre gemacht. Als polnischer Jude hat er es vom einfachen Soldaten bis zürn Husarenmajor gebracht und ist in Anerkennung selhes Heldenmutes mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet sowie später als Rittmeister in den Adelsstand erhoben worden. Er blieb dabei immer Jude und behielt den Vornamen Wolf. Und wenn auch unter den Helden der österreichischen Armee Männer jüdischer Abstammung zahlreicher sind; an Charakter waren ihm wenige gleich. Wir bringen nunmehr die Biographie Bardachs, die durch einige bisher unbekannte Episoden ergänzt ist: Wolf Bardaeli wurde im Jahre 1838 in Dobiwlany bei Stryj als Solm eines jüdischen Dorfsehenkers geboren. Als ihn der Yater einmal, da er 18 Jahre alt war, am Samstag beim Rauchen einer Zigarette ertappte und ihn dafür strafte, verließ er das Elternhaus und ließ sieh assentieren. Bei der Schlacht von Königgrätz war es ihm besehieden, sieh glänzend auszuzeichnen. Er war Feuerwerker bei einer Batterie, die sich in einer sehr exponierten Stellung befand. Als sein Oberleutnant Tom Pferde geschossen wurde, übernahm Bardach das Kommando einer Halbbatterie und setzte ihre Geschütze so energisch und trefflich in Aktion, daß er den anstürmenden Feind lauge aufhielt. Er schuf auf diese Weise den eigenen Truppen Zeit zum Rückzug. Als das erreicht war, ließ Bardach die Batterie gleichfalls zurückgehen, blieb aber selbst auf dem Kampfplatze, da er das Reitzeug seines gefallenen Pferdes mit sich nehmen wollte. Er brauchte aber zum Abschnallen des Reitzeuges so lange, daß er schließlich seine Batterie nicht mehr fand: zu Fuß marschierte er allein weiter und stieß dabei auf der Straße nach Königgrätz plötzlich auf einen unbespannten Artilleriewagen, bei dem ein Artillerist Wache hielt. Bardaeli entdeckte, daß sich in dem "Wagen eine vollgefüllte Kasse befand; um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen, hob sie Bardach mit dem Artilleristen aus dem Wagen und beide schleppten den Kasten in dunkler Nacht nach Königgrätz, wo sie glücklich anlangten. In Neuköniggrätz wurde Bardach dem Erzherzog Josef vorgestellt, der unter anderem die Frage an ihn stellte, ob der auf der Straße vor der Prager Vorstadt zurückgebliebene Train nicht zu retten wäre. Bardaeli bot sich hiezu freiwillig an, sammelte etwa 80 Leute aller denkbaren Truppen und Branchen, denen es zumeist an jeder Waffe mangelte, ja von weichen viele nicht einmal eine Kopfbedeckung hatten, und verließ mit dieser zusammengewürfelten Abteilung die Festung. Er suchte unter dem durcheinandergeworfenen Train vorerst die Geschütze heraus, forschte nach Munition und schickte die als brauchbar erkannten Geschütze und Munitionswagen zur Festung zurück. Mitten in dieser Arbeit überraschte ihn eine preußische Totenkopfhusarenpatrouille; es entspann sich ein kurzer Kampf, in welchem Bardach durch einen Stich in den Oberschenkel verwundet wurde. Trotzdem vermochte er sieh der Gefangenschaft zu entziehen. Für die vielen Beweise von Mut und Entschlossenheit erhielt Bardach die goldene Tapferkeitsmedaille. Seine Beförderung zum Offizier ging jedoch nicht leicht vor sich. Der ausgezeichnete Soldat beherrschte die deutsche Sprache nicht tadellos und er machte bei der Offiziersprüfung einen grammatikalischen Fehler. Er sagte nämlich: „Den vierten Zug behalte ich in die Reserve". Erst infolge des Eingreifens des Erzherzogs Johann Salvator (Orth) erhielt er das Offiziersportefeuille. Im Jahre 1888 wurde ihm als Rittmeister der Adelsstand verliehen. Er erhielt das Prädikat „von Ghlumberg", zur Erinnerung an den Berg Ohlum, den er verteidigte. In den neunziger Jahren fungierte Bardach als Adjutant im Militärreitlehrinstitut in Wien; 1899 trat er in den Ruhestand. Der einzige Solm des Verstorbenen studiert an der Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen. Anläßlich seiner Barmizwahfeier hat er seinem Vater das Versprechen gegeben, dem Judentum treu zu bleiben . RORRCSPONÖBNZCN- O esterre ich-Ungarn. Ein neuer Oberrabbiner in Wien. Wien. Aus sehr verläßlicher Quelle wird uns eine sensationelle Mitteilung gemacht, die wir trotzdem mit Reserve wiedergeben, da wir sie für ungeheuerlich halten. Ihr Inhalt ist folgender: Der Kultusvorstand hat in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, ohne Ausschreibung eines Konkurses, ohne Probepredigt, ohne Einberufung von Vertrauensmännern, was das Gemeindestatut ausdrücklich vorschreibt, den Szegediner Oberrabbiner Dr. Low als Oberrabbiner für den Leopoldstädter Tempel anzustellen. Zu diesem Zwecke wird auch ein engeres Komitee, bestehend aus dem Präsidenten Dr. Stern, Dr. Katzau und Käuders, eingesetzt, welches die Unterhandlungen mit dem Kandidaten durchzuführen hat. Dr. Low ist als Kanzelredner und Gelehrter unbedeutend, dafür aber ein bekannter ungarischliberaler Chauvinist. Er ist 58 Jahre alt. * # * Die Landtagswahlen in der Bukowina. (Der jüdische Landtagsklub.) Czernowitz, 10. Mai Die Landtagswahlen in der Zensuskurie der Städte haben mit dem wohlverdienten Siege des Dr. Neumann -Wender geendet, der als Majoritäts-Kandidat hervorging. Im Großgruhdbe«