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Neue Nationalzeitung · 1911-05-19 · Heft 10 (19.5.1911) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 10 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 ,Neue National-Zeitung" Seite 9 sitze und in der Handelskammer wurden die Herren Janku Fischer und Blum, resp. Hecht und Rudich gewählt, welche dem Jüdischen Landtagsklub beitreten werden. Dieser dürfte zehn Mitglieder zählen; die Abgeordneten Doktor Fockschaner und Doktor Kellner haben sich bereit erklärt, unter gewissen Voraussetzungen demselben beizutreten. G5MEiNö5= UNd VSRCiNSNMftRiCWW Wien. (Danksagung an den jüdischen Verein „Einheit"). Der Vorstand des Vereines „Einheit", der bekanntlich zugunsten seiner jüdischen Volksspeisehalle eine große Wohltätigkeitslotterie veranstaltet, erhielt von den jüdischen Soldaten, welche anläßlich des diesjährigen Peßachfestes auf Kosten des Vorstandes der Wiener isr. Kultusgemeinde in der Speisehalle dar „Einheit" verköstigt wurden, das nachfolgende Dankschreiben: An den geehrten Vorstand des jüdischen Vereines „Einheit* Wien. Die unterzeichneten israelitischen Soldaten der Wiener Garnison erachten es als ihre Pflicht, einem geehrten Vorstande für die ausgezeichnete Verköstigung während des diesjährigen Peßachfestes ihren wärmsten Dank abzustatten. Wir sind dem löblichen Vorstande der isr. Kultusgemeinde Wien besonders dankbar dafür, daß er die Geneigheit hatte, uns die Verköstigung während des Peßachfestes im Verein „Einheit" anzuweisen. Die herzliche, fast väterliche Art, in welcher uns die Kost, verabreicht wurde, die weihevolle Stimmung, die während der Mahlzeit herrschte, ließ uns vergessen, daß wir in der Fremde .das Brot der Armut" genießen. Wir fühlen es, daß wir in einem jüdischen Hause jüdisches Gastrecht genießen und deshalb werden uns diese Tage unvergeßlich in angenehmer Erinnerung bleiben. Nochmals besten Dank! Mit vorzüglicher Hochachtung vom 24. Inf.-Reg: Meier Fruchter, Korporal. Hermann Frisch, Einj. Freiw. J. Weißmann, Infanterist. Ludwig Fischbad, Koiporal. Leo Rosenblatt, Gefreiter. Moses Sperper, Gefreiter. Mendel Iwanier, Gefreiter. Samuel Roth, Korporal im 12. Hus.-Reg.. Die Infanteristen: Moriz Engler, Salomon Golz, Osias Hecht, Mendel Goldschmidt, Simche Knorr, Mendel Goldner, Einj. Freiw. Egon Ehrenzweig. Korporal Max Altenhaus. Infanterist Moses Zimmer. Infanterist Salomon Bergmann. Korporal Schmul Bernstein. Korporal M. Hellmann, Gefr. Armin Lichtmann. Die Einj. Freiw. M. H. Feigenbaum, Bela Peterf und M. Ludwak. Für die übrigen Kameraden: Adolf Goldstein, k. k. Zugsführer im Infanterie-Regiment Nr. 37. tySALLetl UEIttCiLEN Neue Pogrom-Gespenster in Rassland. In Bußland hat man seit kurzer Zeit von keinen Progroms gehört! Das läßt den Hnligans keine Buhe und so greifen sie zum Bitualmordmärchen, um neue Judenhetzen zu veranstalten. Den Schauplatz dieser Gefahr bildet jetzt Kiew, wo ein zwölfjähriger christlicher Knabe tot gefunden wurde. Die Huligans verbreiteten bald nachstehende Proklamation.: Rechtgläubige Christen! Juden haben den Knaben Andrei Justschinsky hingemordet. Denn alljährlich pflegen sie vor ihrem Osterfest einige Dutzend christlicher Knaben in den Tod hineinzumartern, um dann ihr Blut in die Mazzoth hinenzugießen Das tun aber die Juden zum Andenken an die Leiden des Erlösers, den sie gekreuzigt und gemartert haben. Die Untersuchungsärzte haben festgestellt, daß man Justschinsky vor seinen Martern gefesselt, entkleidet und dann in entkleidetem Zustand gestochen hat, wobei man in seine Hauptadern hineinstach, um möglichst viel Blut abzuzapfen. So haben die Juden dem Justschinsky fünfzig Stiche versetzt. Russische Männer! Wenn euch eure Kinder teuer sind, haut die Juden! Haut sie solange, bis esnicht einen einzigen Juden mehr in Rußland geben wird! Erbannt euch eure Kinder! Nehmt Rache für die unglücklichen Märtyrer. Es ist Zeit, es ist Zeit! Wenn in Oesterreich ein Hilsner unschuldig als Bitualmörder im Kerker schmachtet, warum soll das dunkelste Bußland von diesem schauderhaften Aberglauben frei sein! Wollen wir hoffen, daß die russische Begierung noch nicht alles Schamgefühl verloren hat und die Judensehaft von Kiew zu schützen versuchen wird. Ein jüdischer Graf gestorben. Am Freitag den 7. d. M. starb in Paris plötzlich in seinem 60. Lebensjahre der bekannte Graf Isaak v. Camondo. Der Verblichene war Verwaltungsrat der Banque de Paris et des Pays-Bas, Präsident der Compagnie generale du gaz pour la France et l'Etranger, der Gesellschaft der andalusisehen Eisenbahnen, der neuen Portlancier Zementgesellschaft de Boulonnais, Präsident und Verwaltungsrat vieler finanzieller und industrieller Gesellschaften. Graf Isaak v. Camondo war in der Künstlerwelt sehr bekannt; er war Musiker und Komponist; er begründete die Gesellschaft der Künstler und Freunde der Oper, deren Präsident er war. Vor kurzem erst wurde der Heimgegangene zum Präsidenten der Gesellschaft der Freunde des Louvre gewählt und zum Mitglied der Kommission der Nationalmuseen ernannt. Der Graf I. v. Camondo war Komtur der Ehrenlegion, Grossoffizier der Krone von Italien und Bitter vieler ausländischer Orden. Heute morgen fand dessen Beisetzung auf dem Friedhof von Montmartre statt. Blumen und Kränze wurden von der Familie des Entschlafenen verbeten. Auch Partezettel wurden von derselben nicht ausgegeben. Der Entschlafene entstammte einer altspaniolischen jüdischen Bankiers-Familie, deren Nachkommen nach Bumänien versehlagen waren. Der Vater des Grafen Ahr. C amondo, hatte sich in Konstantinopel niedergelassen, dabei aber rege geschäftliche Beziehungen zu dem jungen sardinisch-italienischen Fürstenhofe unterhalten. König Victor Emanuel II. belohnte die Treue des alten Camondo 1867 mit dem Grafentitel. Graf Abr. Camondo zog nach Paris und wurde dort in die Kreise der Alliance gezogen, deren Zentralkomitee er bis zu seinem Lebensende angehörte. Ein jüdischer Generalprokurator in Italien. Wie das römische Amtsblatt meldet, wurde Senator Ludovieo M ürtara zum Generalprokurator am Kassationshofe ernannt. Die Blätter schreiben dieser Ernennung eine große Bedeutung für die weitere Entwicklung der Zivilprozeßordnung in Italien zu. Mortara ist nämlich der Verfasser eines Kommentars zur gesamten italienischen Gesetzessammlung und ist der Begründer einer modernen liberalen Bichtung auf dem Gebiete der Gerichtsbarkeit. Nun haben England und Italien jüdische Generalprokuratoren, Österreich dagegen nicht einmal einen jüdischen Staatsanwaltstellvertreter. Die Zurücksetzung der Juden in der deutschen Armee. Eine große jüdische Protestversammlung in Frankfurt a. M. faßte nachstehende Besolution: „Im Gegensatz zu der Uebung aller anderen zivilisierten Großstaaten werden innerhalb des preußischen Heeres die Soldaten jüdischen Glaubens bei der Beförderung hinter den Bekennern christlicher Beligion und hinter den christlichen Söhnen jüdischer Eltern fortdauernd zurückgesetzt. Die Versammlung erhebt Widerspruch gegen diesen verfassungs- und gesetzwidrigen Zustand und spricht die Erwartung aus, daß es den maßgebenden Stellen gelingen wird, diese beschämende und niederdrückende Ungerechtigkeit zu beseitigen und das Gesetz zur Durchführung zu bringen." Ein galizischer Jade hat unlängst in Kansas (Nordamerika) eine Indianerin geheiratet. Er berief sich dabei auf das Jüdische Schrifttum", wonach die Indianer von den zehn Stämmen Israels abstammen.

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