Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 10 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Dieses in einem publizistischen Artikel aufgezählte Sündenregister wird uns — wie erwähnt — jetzt sehr zweckdienlich sein. In der angenehmen Erwartung, sich an Euer Wohlgeboren mit Erfolg gewendet zu haben, sehen wir einem geneigten Bescheide mit Vergnügen entgegen und zeichnen Hochachtungsvoll Redakcya „Tagblattu" ve Lwowie. M. Kleinmann m. p." Möchte uns nun Dr. Zipper nicht erklären, wieso es kommt, das das Tagblatt plötzlich in diesem Doktor Landau einen Wiener „Datsch" sieht und ihm die ärgsten Schandtaten andichtet, während ihn dasselbe Tagblatt noch vor vier Jahren um einen Artikel angebettelt hat? . . . Wie kurz ist doch das Gedächtnis mancher Leute, wenn sie wider besseres Wissen sprechen wollen! Dies trifft auch auf die Behandlung unseres Mitarbeiters, des Herrn Moses Horowitz aus Zaleszczyki, zu, der im Tagblatte als „Hyäne" des Doktor Landau hingestellt wird. Derselbe Moses Horowitz galt vor vier Jahren, als er sich in selbstloser, aufopferungsvollster Weise für die Kandidatur des Doktor Birnbaum einsetzte und über Einladung der Lemberger Herren in verschiedenen Städten Agitationsversammlungen abhielt, als einer der besten und anständigsten Parteimänner; jetzt aber, weil er seinem Gewissen und seiner Pflicht folgend, sich für die Kandidatur des Dr. Landau einsetzt, wird er als Wahlhyäne beschimpft. Mit dieser Kampfesweise wird sich das Tagblatt gewiß keine Sympathien verschaffen und es stellt sich nur in eine Reihe mit der assimilatorischen Presse, zu deren wichtigsten Waffen die Verleumdungen und die Ehrabschneiderei gehören. * * * Ein neuer Kulturkampf. (Die Zionisten gegen den Cbassidismus.) Ein Führer der orthodoxen Juden in Sniatyn schreibt uns: Als die Nachricht von der Kandidatur des Doktor S. R. Landau in unsere Stadt gelangte, sowie, daß sich Dr. Landau den hiesigen Wählern vorstellen will, wurde, ihm als dem Nachkommen großer Rabbiner, von orthodoxer Seite mit großer Bereitwilligkeit die Wiznitzer Klaus zur Verfügung gestellt. Wir haben die Ausführungen des Dr. Landau mit großem Interesse angehört und uns gefreut, daraus zu entnehmen, daß Dr. Landau gerade dem wundesten Punkt der galizischen Judenschaft, der wirtschaftlichen Notlage, seine besondere Aufmerksamkeit und seine erprobte Arbeitskraft widmen wolle. Wie erstaunt waren wir jedoch, als wir aus dem Munde des folgenden Redners, eines Herrn Moses Frostig aus Lemberg, der sich ausdrücklich als Abgesandter des zionistischen Zentralkomitees und des Herrn Adolf Stand vorstellte, plötzlich zu hören bekamen, daß an allem Unglück der galizischen Juden die „Finsternis", der „Chassidismus" (!) Schuld trage. Ich habe kaum meinen Ohren getraut. Haben die Lemberger Herren also wirklich jetzt nichts Gescheiteres zu tun, als den Orthodoxen den Fehdehandschuh hinzuwerfen und als Epigonen der Schapiras, Krochmals, des „Sehomer Israel" und Konsorten einen neuen Kulturkampf in Galizien heraufzubeschwören? Sind das die Traditionen des Zionismus, dessen Wortführer bisher versichert haben, daß sie die religiösen Gefühle der gläubigen jüdischen Bevölkerung schonen wollen? Was würden denn die Zionisten beispielsweise sagen, wenn ich ihnen nachweisen würde, daß es in ihrer Partei Rabbiner gibt, die selbst die jüdischen Ritualgesetze entweihen und sich nicht scheuen, öffentlich trefe zu essen?... Herr Frostig ist zwar ein blutjunger Mann, aber er ist Redakteur des „Tagblatt" und seine Rede ist im Auftrage des zionistischen Zentral-Komitees gehalten worden. Sie bedeutet die Ankündigung des Kampfes gegen die orthodoxe Partei, welcher öffentlich die Verantwortlichkeit für die Not und das Massenelend der jüdischen Massen in Galizien aufgebürdet wird. Wir nehmen das zur Kenntnis. Wir werden dafür am 19. Juni dem zionistischen Kandidaten gebührend antworten. ♦ * * Die Klique verteilt Mandate. (Zionistische Agitatoren als Sehutztrnppe Bobrijnsiis.) Die Namhaftmachung der Kandidaten durch das Zionistische Zentral-Komitee macht der Oeffentlichkeit klar, daß die zionistische Parteitaktik nur dahin geht, einigen Strebern Mandate zu sichern. Die Herren übersehen aber dabei, daß sie dadurch ihr Strebertum nur noch krasser demaskieren und dabei die Partei als solche der Lächerlichkeit preisgeben. Die paar Leute, die sich Zentral-Wahlkomitee der galizischen Zionisten nennen, haben bereits ganz Galizien unter sich verteilt. Herr Adolf Stand, der um jeden Preis ins Parlament hineinkommen möchte, weil er ohne ein Mandat nichts ist, kandidiert in vier Bezirken: in Brody, Tarnopol, Lemberg (Judenviertel) und Stanislau. General Gerschom Z i p p e r hat für sich zwei Wahlbezirke reserviert (Drohobycz und Kolomea); Dr. Abraham Salz verzeiht man, daß er seinerzeit den Dr. Herzl sogar mittels Schwurgerichtsklage belangt hat und schickt ihn nach Zloczow. Dann kommt der Nachwuchs an die Reihe, die Herren, die erst vor einigen Wochen 30 Jahre alt wurden und noch zur Advokatursprüfung studieren: Dr. Michael Ringel wird in Buczacz aufgestellt und Dr. Leon Reich in Stryj. Da die Partei über keine weiteren 30 Jahre zählenden Kandidaten verfügt, so ist damit die Liste der Kandidaten erschöpft. Welche Erfolge alle diese Kandidaten aufweisen werden, wird sich ja bald zeigen. Die meisten von ihnen sind lediglich nur formelle Kandidaten, um eine zionistische Opposition zu markieren; die Hauptsache ist und bleibt, daß Herr Stand ins Parlament hineinkommt. Diese Taktik erklärt vieles; sie erklärt insbesondere, warum der Statthalter Bobrzynski von der zionistischen Presse nur mit Handschuhen angefaßt wird, warum dieselbe Presse, welche während der vier Jahre gegen die Polen provokatorisch