Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 10 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 3 Dr. Straucher für die Kandidatur Dr. Landaus. Der gewesene Obmann des Jüdischen Klubs, Abgeordneter Dr. Strauch er, veröffentlicht in seiner „Volkswehr" vom 11. d. M. nachstehende Empfehlung der Kandidatur des Dr. S. R. Landau: In dem 32. Wahlbezirke kandidiert der Wiener Advokat Dr. S. R. Landau. Diese Kandidatur wird in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Galiziens sympathisch begrüßt. Und auch wir könnten die jüdischen Wähler dieses Bezirkes nur beglückwünschen, wenn es ihnen gelingt, diesen Mann als ihren Yertreter in den Reichsrat zu entsenden. Dr. S. R. Landau ist ein Mann, der in sich vorzügliche Qualitäten vereinigt. Er ist ein kluger Kopf, ein begabter Redner und ein ausgezeichneter Journalist. Zu diesen Eigenschaften gesellt sich sein echt jüdisches Herz, das für seine Stammesgenossen schlägt. Herr Dr. Landau steht bereits seit Jahren im öffentlichen Leben und nimmt an allen Fragen, die namentlich das Schicksal der Juden in Galizien betreffen, regen Anteil und kann auf so manchen Erfolg hinweisen, den er für seine Stammesgenossen erzielte. Er ist also entschieden einer der Berufensten, die Juden im Reichsrate zu vertreten. Der Wahlkampf im 32. galizischen Wahlkreis. General Gerschom Zipper, B u c z a c z, den 8. Mai. Gestern ist hier Dr. Zipper, der Obmann des zionistischen Zentral-Wahlkomitees, aus Lemberg erschienen und hat mit zionistischen Vertrauensmännern aus dem 32. Wahlkreise eine vertrauliche Versammlung abgehalten. Dr. Zipper erschien mit dem fertigen Plan, um jeden Preis die Kandidatur des Advokaturskonzipienten Dr. Ringel durchzupeitschen. Es ging dies jedoch nicht so glatt. Mehrere Anwesende, darunter in erster Linie der hiesige Gemeinderat Herr Fischel Horowitz und Herr Bankier David Neumann traten sehr energisch für die Kandidatur des Dr. S. R. Landau ein und wiesen darauf hin, daß derselbe seit 20 Jahren die politischen Rechte der galizischen Juden in Wort und Schrift vertritt, daß er als Präsident des „Verbandes der östlichen Juden in Wien" eine umfassende Hilfstätigkeit für die galizischen Juden entwickelt und daher ein Recht auf die Kandidatur in diesem Bezirke habe. Dagegen marschierte nun Dr. Zipper mit den schwersten Kanonen auf. Er erklärte, daß nur galizische Kandidaten aufgestellt werden dürfen und daß es aus Rücksicht aulf den Statthalter Bobrzynski nicht angehe, deutsche Po- Ii t i k e r nach Galizien heranzuziehen. Er erzählte weiters den Anwesenden, wie er selbst lange Jahre für die zionistische Idee gearbeitet habe, bis er Anspruch erhalten habe, General zu werden und daß Dr. Landau höchstens berechtigt sei, als Soldat in die Partei einzutreten. Schließlich drohte Dr. Zipper, daß er den Dr. Landau unschädlich machen werde, „denn wer gegen die zionistische Partei auftrete, trete damit gegen das ganze jüdische Volk auf." Diese geradezu terroristische Rede des Herrn Dr. Zipper hat auf alle Anwesenden einen sehr peinlichen Eindruck gemacht, denn Dr. Zipper hat in erster Linie frech gelogen, indem er Dr. Landau einen deutschen Politiker nannte, da es jedermann bekannt ist, was Dr. Landau für die galizischen Juden geleistet hat, daß er jedenfalls mehr geleistet hat als Doktor Zipper, der zionistische „General". Die Selbsternennung zum General hat sich sehr merkwürdig in dem Munde eines Mannes ausgenommen, welcher für die zionistische Partei und für die galizischen Juden bisher gar nichts geleistet hat, der nur damit beschäftigt ist, in seiner Kanzlei fette Expensen. einzuheimsen und einmal in sechs Jahren, wenn es sich um Parlamentswahlen handelt, in die Oenentlichkeit tritt, um ein Mandat zu ergattern, dabei aber bemüht ist, andere Leute, die während der ganzen Zeit für die jüdische Bevölkerung in Galizien schwer gearbeitet haben, in ehrabschneiderischer Weise zu verleumden. Traurig muß es um eine Armee bestellt sein, in welcher sich ein so bekannter Nichtstuer und loser Schwätzer wie Gerschom Zipper auf den General herausspielt. Interessant ist es jedenfalls, daß Dr. Zipper zurgegeben hat, welchen Einfluß der Statthalter auf die Aufstellung zionistischer Kandidaten hat. Man munkelt ja längst davon, daß Herr Stand bereit war, um den Preis von drei Mandaten die zionistische Partei dem Statthalter auszuliefern. Für einen solchen Volksbetrug wäre jedenfalls Dr. Landau nicht zu haben gewesen. Sehr interessant sind die Gründe, welche von Dr. Zipper für die Kandidatur Dr. Ringels, der gerade jetzt zur Advokatenprüfung studiert, angeführt werden: Dr. Ringel sei nämlich Cousin eines Mannes, welcher Schwager des Bürgermeisters Stern ist. Daher hoffen die Herren, daß Bürgermeister Stern im Interesse des Neffen seines Schwagers den Wahlapparat korrekter handhaben werde. Daß damit nur das Volk irregeführt werden soll, ist ja klar. Es wird hier nur ein ganz gewöhnlicher Trick angewendet, um die Kandidatur des Dr. Landau zu verhindern, denn jedermann, der die Verhältnisse hierzulande und die Abhängigkeit des Bürgermeisters Stern vom Statthalter bezw. Bezirkshauptmann kennt, weiß, daß der Bürgermeister nicht einmal für seinen eigenen Sohn, wenn er nicht Kandidat des Statthalters wäre, eintreten könnte, da er sonst um seine Stellung und um seine Existenz käme. Es ist sehr traurig, wenn die