Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 9 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung' Nr. 9 und man würde es zu verhüten wissen, daß diesem armen Volke statt der ersehnten Helfer und Retter bloß — Abgeordnete aufgedrängt werden. Alles in allem werden wohl die Parlamentswahlen in Galizien zu den interessantesten gehören. Jedenfalls wird der Feudalismus hier noch mit seinen siechen Händen die Macht festzuhalten suchen, die ihm in der Aera Taaffe der deutsch-tschechische Zwist in den Schoß gelegt hat. L. * ■ * Statthalter Bobrzynski, die Zionisten und die Ruthenen. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Infolge des Artikels von Dr. S. R. Landau in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung", speziell des Passus über die Annäherung der Juden an die Ruthenen, hat Statthalter Bobrzynski den Herrn Adolf Stand, wie dessen Freunde erzählen, zu sich kommen lassen und zur Rede gestellt. Herr Stand erwiderte, daß die Zionisten mit den Ruthenen keinen Wahlpakt abschließen und daher für den Inhalt des Artikels keine Verantwortung übernehmen. Für diese Version spricht auch der Umstand, daß die hiesige assimilatorische „Jednosc", indem sie gleichfalls obigen Artikel zitiert, auf Erklärungen hinweist, welche von zionistischer Seite an maßgebender Stelle über das Verhältnis zu den Ruthenen abgegeben wurden. Wir sind sehr begierig, welche Konsequenzen die Ruthenen aus dieser Haltung der Zionisten ziehen werden. R. * * * Die „Jüdische Volksstinime" über die Kandidatur Dr. Landaus. In einem Leitartikel der Brünner „Jüdischen Volksstimme" findet sich ein vorzüglicher Artikel von Nathan Leiter: ,,Wahlaussichtdn." Der Verfasser beschäftigt sich sehr eingehend mit den Wahlchancen der Jüdischnationalen in Galizien und schließt mit folgenden Worten: „Bei den Wahlen im Jahre 1907 hatten wir Gelegenheit zu bemerken, daß die persönliche Beliebtheit und Qualitäten des Kandidaten vielfach ausschlaggebend sind und Adolf Stand hatte nicht zum kleinsten Teile seine Wahl diesen Eigenschaften zu verdanken. Es wäre daher im Interesse der nationalen Sache nicht wünschenswert, wenn der Beschluß der jüngsten zionistischen Vertrauensmännerkonferenz, daß außergalizische Kandidaturen nur in Ausnahmsfällen in Betracht gezogen und unterstützt werden sollen, gerade, wie verlautet, gegen Dr. Birnbaum und Dr. S. R. Landau, Männer, die in Galizien sehr populär sind, seine Spitze wenden soll." Oberkantor f)on Fuchs. (Zum 10 Jährigen Amtsjubiläum.) Am 20. April waren es 10 Jahre, dass Oberkantor Don F u c Ii s in Wien seine an Ehren und Erfolgen reiche Amtswirksamkeit angetreten hat. Die hervorragenden kantoralen Qualitäten des Jubilars sind zu bekannt, die Kraft und innige Weihe seines Vortrages so tief empfunden von Tausenden, die ihm andächtig und ergriffen lauschen, als dass es nötig wäre, ihn in dieser Richtung eingehender zu charakterisieren. Die beste und erschöpfendste Kennzeichnung dieser grossen künstlerischen 'Individualität rührt von dem grossen jüdischen Dichter Morris Rosen fei d, einem warmen Freunde und aufrichtigen Bewunderer des Jubilars her, der ihm die folgenden, in der Gesamtausgabe der Werke des Dichters enthaltenen Verse gswidmet hat: Ich hab' gehört dein süsses Daw'nen, Dein Beten Gott mit fromme Lieder, Und hab' zum erstenmal verstannen Die starke Kraft, was liegt im Sidder. Ich bin nicht fromm, bin wenig gläubig, Mit T'filos schon nicht mehr behawent; Doch du hast mich zurückgewonnen. Ich hab' geglaubt und hab' gedawent. — Der Jubeltag brachte dem Künstler eine Fülle von Ehrungen, diese galten in gleichem Masse der fachlichen Meisterschaft Don Fuchs, wie seinen schönmenschlichen Eigenschaften. Denn immer, wenn an ihn der Ruf erging, seine Künstlerschaft in den Dienst der werktätigen Menschenliebe zu stellen, hat er solchem Ruf freudig Folge geleistet. Diese rückhaltslose Anerkennung kam in allen Ansprachen der bei ihm erschienenen Glückwunschdeputationen zum Ausdrucke. Wir wollen nun hier die hauptsächlichsten Momente des Jubeltages festhalten: Als eine der ersten Abordnungen erschien diejenige des Oesterreichischen Fachschriftstellerve r b a n d e s, dessen Mitglied Don Fuchs ist, bestehend aus dem Vizepräsidenten Viktor Steiner und' den Vorstandsmitgliedern Prof. Ludwig Maliler und Direktor Horschetzky. Die Deputation überreichte eine in einer schönen Enveloppe ruhende, künstlerisch ausgestattete Adresse, in welcher der Verehrung und Sympathie sowie dem Danke für die dem Verbände; stets' gewährte künst^- lerische Unterstützung warmer Ausdruck gegeben wird. Vizepräsident Steiner hob in seiner wirkungsvollen Ansprache hervor, dass begnadetes Künstlertum und Seelenadel den Jubilar hoch über das Niveau gewöhnlichen Strebens emporheben und er wünschte ihm, er möge immer volle Befriedigung in seinem gottgeweihten Berufe finden. Der 0 e s t e r r e i c h i s c h - u n g a r i s c h e K a n - t o r e n v e r ein überreichte durch eine unter Führung des 1."Vizepräsidenten Oberkantor J. Bauer erschienene Deputation eine künstlerisch ausgeführte Adresse, in welcher die Verehrung und neidlose Bewunderung der. gesamten Kollegenschaft warmen Ausdruck findet. Oberkantor Bauer feierte in seiner Ansprache den Jubilar besonders als den treuen Kollegen, an dessen Opferwillikgeit niemals vergeblich appelliert wird und der für den Stand mit ganzem Herzen empfindet. Von den sonstigen Korporationen, die Abordnungen entsandten, seien erwähnt: Der Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer, alter Männer israelitischer Konfession, vertreten durch Obmann Herrn Schwarz und Vorstandsmitglied Herrn K a p 1 a n, die mit einer Adresse erschienen; der Verein Tomach Ewjonim zur Unterstützung armer, zugereister Juden entsandte eine Deputation von 6 Personen unter Führung des Obmannes Herrn Weiss. Glückwunschschreiben sandten u. a. Korporationen: der Zionistische Zentralverein mit der Mitteilung, der Ausschuss habe beschlossen, dem Jubilar aus dem gegebenen Anlasse eine Oelbaumspende im heiligen Lande auf seinen Namen zu widmen, als sichtbare Anerkennung der Verdienste eines gesinnungstreuen, wahren Juden; ferner der Zionistische .Distriktsverein für Innerösterreich; der Akademische Verein spanischer Juden in Wien „Esperanza"; das Kaiserin- Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. In all diesen Zuschriften kam der Dank für die stets hilfsbereite und