Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 9 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Antwort des Herrn Moriz Frühling.' Wien, am 2. Mai 1911. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich bekenne mich zum Empfange Ihres geehrten Schreibens aus Sniatyn vom 30. v. M. und gestehe ein, daß er mir nicht ganz verständlich ist. Es ist ja bedauerlich, daß mehrere unreife Burschen Ihre Versammlung sprengten, es ist aber zumindest noch nicht ausgemacht, daß Herr Adolf Stand dies gutheißt. Aber auch für den Fall, daß Herr Stand sich zu Ihrer Kandidatur in offenen Gegensatz stellen sollte, träfe mich Ihr Vorwurf — Ihr Brief ist ja ein solcher, wenn auch nicht offen ausgesprochener — unverdient. Ich gebe zu, daß ich Sie Monate hindurch von der Friedfertigkeit des Herrn Stand Ihnen gegenüber versicherte, ebenso wie ich umgekehrt so oft ich letzteren zu sprechen Gelegenheit hatte, ihm betonen zu müssen glaubte, daß Sie kein Gegner sind. Ich nehme für mich das Recht in Anspruch, zu behaupten, daß ich hiefür am allerwenigsten einen Vorwurf verdiene! Ihnen seit fast vier Jahren nahestehend, Herrn Stand seit nahezu 15 Jahren genau kennend und wissend, daß sowohl Sie als auch er — wenn auch jeder auf seine Weise — eure Kräfte nur in den Dienst der jüdischen Sache stellet, war es nur begreiflich, daß ich die etwaigen Mißverständnisse zu beseitigen bestrebt war. Der Friede — wenn ich den Zustand der letzten Wochen so bezeichnen kann -— kam zustande. Ich erinnere mich ganz genau, wie Sie es mir ehrlich eingestanden haben, daß Sie zufrieden sind, endlich einmal die Streitaxt begraben zu können, wobei Sie ausdrücklichst betonten, daß dies mein ausschließliches Verdienst sei. Ich erinnere mich aber auch bezüglich des Herrn Stand ganz genau, wie er mir im Februar d. J. wiederholt seine Anerkennung für die Vermittlung der Versöhnung zwischen Ihnen und ihm lebhaft ausdrückte, wie er in fast über schwänglichen Worten Ihr publizistisches Talent, bei aller Divergenz der Parteirichtung, Ihr ehrliches, gutes Judentum pries; wie freudig er es begrüßen zu wollen erklärte, wenn auch Sie einmal ins Parlament einziehen könnten, wo Sie ein schätzenswerter Mi,tj arbeiten wären und daß, wie mir Herr Stand erklärte — ich betone es nachdrücklichst, ohne Rücksicht darauf, ob es etwa jemandens politische Kreise stört — daß Sie bei den nächsten Parlamentswahlen — damals hatte man von der baldigen Auflösung des Hauses keine Ahnung — die Unterstützung seiner Partei gewiß finden werden. Dies alles spricht dafür, daß Sie sich noch täuschen können. Noch ist es nicht erwiesen, daß Herr Stand, dessen Ehrenhaftigkeit auch seine politischen Gegner anerkennen, auch wirklich hinter dem bedauerlichen Arrangement des Herrn Frostig steht. Meine Wenigkeit war stets davon überzeugt, daß Herr Stand — wie er sich jetzt zu Ihrer Kandidatur verhält, weiß ich allerdings nicht — auf absolute Reinlichkeit auch in der Politik hält. Genehmigen Sie, geehrter Herr Doktor, den Ausdruck vorzüglichster Hochachtung Ihres sonst ganz unpolitischen Moritz Frühling. Ein Brief an Di*. S. *R. Landau. Lemberg, 2. Mai 1911. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich habe nicht die Ehre und das Vergnügen, Sie, geehrter Herr Doktor, persönlich zu kennen. Aber aus Ihrer öffentlichen Tätigkeit, die ich aufmerksam verfolge, weiß ich, daß Sie unerschrocken und konsequent sind und keiner Aufmunterungen im Kampfe bedürfen. Ich bin daher dessen sicher, daß Sie, sehr geehrter Herr Doktor, trotz der Intriguen der Leute um das Lemberger Zionistische Zentral-Komitee Ihre Kandidatur aufrechthalten werden. Wenn ich trotzdem diese Zeilen an Sie, sehr geehrter Herr Doktor, richte, so geschieht es in der Erwägung, daß Sie wissen mögen, daß in Galizien viel Ihnen Gleichgesinnter da sind. In Galizien, ja sogar in den zionistischen Reihen sind viele der Meinung, daß nicht jede öffentliche jüdische Tätigkeit vom Zionistischen Zentral-Komitee erst gesegnet werden müsse. Viele sehen zwischen dem Schwüre Dr. Mahlers „im eschkuchachu jeruscholajem tischkech jemine" und seinem Ausrufe im Parlamente: „Hier sind wir und hier bleiben wir", wenn schon keine Heuchelei, aber eine Dissonanz. Ich bin auch der Meinung, daß Leute, die den Schwerpunkt ihrer nationaljüdischen Tätigkeit nicht nach Palästina verlegt haben, im österreichischen Volkshause die Interessen der Judenheit wirksamer und aufrichtiger vertreten können. Bedürfte es denn der Mobilisierung der jüdischen Massen nur deshalb auch, daß nur eine Personaläfrd.erung eintreten s oll 1, daß anstatt Dr.Byk undDr.Rappaport,Stand und Dr. Zipper für die ganze galizische Judenheit denken und sie kommandieren sollen?! Und ist es ni ch t eini ge r m aß en komisch, daß diese Herrfen, di.e selbst zurHerrschaftnochnichtgelangtsi n d, Herrscherposen annehmen? Jedenfalls wäre es im Interesse der nationalen Sache angezeigt, daß Ihre Kandidatur, sehr geehrter Herr Doktor, vom Zionistischen Zentral-Komitee bestätigt und unterstützt werde, denn nichts ist unerwünschter als ein Brüderkampf. Sollte es aber nicht zum Frieden kommen, dann wird es Ihnen gewiß an Soldaten zum Kampfe nicht fehlen. Ich erachte es jetzt noch für verfrüht, aber anfangs Juni werde ich in Ihren Wahlbezirk hinunterkommen und Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, meine bescheidenen agitatorischen Kräfte zur Verfügung stellen. Ich verbleibe -Ihr hochachtungsvoll ergebener N. L.