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Neue Nationalzeitung · 1911-05-05 · Heft 9 (5.5.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 9 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 ,Neue National-Zeitung" Seite 5 Vereines bestimmt und ging abends im Hotel Zuckermann vor sich. Die hiesigen Zionisten, ein sehr kleines Häuflein zumeist jugendlicher Realschüler, verlangten Hilfe aus Lemberg und es wurde ein Herr Frostig herdirigiert. Wie es sich herausstellte, hatte er die Aufgabe, die Versammlungen des Doktor Landau zu stören, respektive die Proklamierung seiner Kandidatur zu verhindern. Er begann seine Mission damit, daß er Doktor Landau persönlich aufsuchte und ihm den Vorschlag machte, auf die Aufstellung seiner Kandidatur in den heutigen Versammlungen zu verzichten. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Die Folge war, daß Herr Frostig acht bis zehn Realschüler zur Ablegung ihrer Mittelschul-Uniform veranlaßte, sie mit Stöcken bewaffnete und dann in das Bethaus als seine Büttel mitführte, wo er das Podium besetzte. Die friedlichen Bürger, die sich bereits ungemein zahlreich versammelt hatten, wichen trotz den Belästigungen der mißbrauchten Knaben nicht aus dem Saale. Man hörte laute Entrüstungsrufe über diesen Terrorismus und Bemerkungen, die für die Zionisten keineswegs schmeichelhaft waren. Zur angesagten Zeit erschien Dr. S. R. Landau, welcher in einer anderhalbstündigen Rede, die ich nächstens nachtragen werde, unter großem Beifalle seine Kandidatenrede; hielt. Die Knaben wagten es nicht, diese Rede zu unterbrechen, sonst wäre es ihnen sehr schlecht ergangen. Der Spektakel ging erst los, als Herr Moses H o r o w i t z das Wort ergriff, und er erinnerte daran, daß auch die Kandidatur des Dr. Birnbaum anfangs von Lemberg aus bekämpft wurde, daß Dr. Landaus Kandidatur wärmstens von Dr. Straucherunterstütztwird und daß die Störer gar keine Wähler, sondern Buben sind, die noch die Schulbank drücken und hier zur Sprengung einer Versammlung mißbraucht werden. Da traten die Stöcke in Funktion und wenn Herr Horowitz nicht von einigen Freunden beschützt worden wäre, so wäre es ihm schlecht ergangen; er hätte am eigenen Leibe zu spüren bekommen, wie die Lemberger zionistische Parteileitung die Rt ,3- und Versammlungsfreiheit zu schützen weiß. Infolge des entstandenen Tumultes haben die meisten Anwesenden das Bethaus verlassen; die Versammlung war gesprengt. Herr Frostig zog mit seiner Armee ab. Die Nachricht von dem Schicksale dieser Versammlung hat in der Stadt eine ungeheure Aufregung hervorgerufen. Speziell in Handwerkerkreisen wurde darauf hingewiesen, daß man sich einen derartigen Terrorismus nicht gefallen lassen dürfe, zumal die Zionisten in Sniatyn an den Fingern aufgezählt werden können. Ueber Initiative des Herrn Max Adler, Obmannes des Handwerker - Unterstützungs - Vereines, wurde daher für abends ins Hotel Zuckermann eine zweite Wählerversammlung einberufen, frei zugänglich für alle Wähler. Hier entwickelte Dr. Landau seine Ansichten über die Mittelstandspolitik und besprach eingehend unter großem Beifalle die Nachteile der Sonntagsruhe für den jüdischen Handelsstand. Na(ch ihm sprach Schriftsteller Dr. Sinnreich, welcher in einer glänzenden Rede auf die bisherige Tätigkeit des Kandidaten im Dienste der galizischen Juden hinwies und seine Entrüstung über den gewaltsamen Versuch eines Lemberger Abgesandten ausdrückte, der Wählerschaft dieses Bezirkes einen ganz unbekannten Mann aufzudrängen. Dr. Sinnreich stellte darauf folgenden Antrag: „Die heutige Wählerversammlung des Handwerker-Unterstützungs-Vereines fordert das Lemberger zionistische Zentralwahlkomitee auf, die Kandidatur des Dr. Landau im Interesse der Eintracht zu unterstützen, da wir unter jeder Bedingung entschlossen sind, an dieser Kandidatur f e stzuhalten." Nachdem noch Herr Moses Horowitz diesen Antrag unterstützt hatte, wurde er einstimmig angenommen. Schließlich sei noch folgendes bemerkt: Das Lemberger „Tagblatt", welches sich über den Charakter und die Konsequenzen der Sniatyner Vorgänge wohl im klaren ist, versucht in einem von Entstellungen strotzenden Berichte die Verantwortung für die Sprengung auf Dr. Landau zu schieben, weil er angeblich den jungen Leuten mit der Strafanzeige gedroht hat. Dem gegenüber sei festgestellt, daß diese Behauptung ganz erfunden ist. Dr. Landau hat vielmehr, wiewohl ihm nahegelegt wurde, die Strafanzeige wegen Verletzung des § 15 zu erstatten, dies abgelehnt. Die Trabanten des Herrn „Spezial-Bevollmächtigten aus Lemberg" — wie er sich nannte—sind bereits mit dem festen Entschlüsse gekommen, die Versammlung zu sprengen. Es ist übrigens nicht einzusehen, warum und wofür Dr. Landau mit einer Strafanzeige drohen sollte, wenn sich die Burschen ruhig verhalten hätten. Die beiden Versammlungen und ihr Verlauf haben der Kandidatur Dr. Landaus einen sehr großen Vorsprung verschafft. Das eingesetzte Wahlkomitee ist bereits an der Arbeit. Eine interessante Korrespondenz. Brie! des Dr. S. R. Landau an Herrn Moriz Frühling, Militär-Schriftsteller, derzeit in Wien. Sniatyn, den 30. April. Sehr geehrter Herr Frühling! Heute nachmittags hat ein Herr Frostig aus Lemberg, indem er sich als Spezialgesandten und Generalbevollmächtigten des Zionistischen Zentralkomitees in Lemberg und des Herrn Adolf Stand ausgab, mehrere Schuljungen, die als zionistische Streiter mit ihm bei der zur Anhörung meiner Kandidatenrede einberufenen Wählerversammlung erschienen sind, zur Sprengung haranguiert, und schließlich unter Mißbrauch der mit Stöcken bewaffneten Realschüler die Proklamierung meiner Kandidatur gewaltsam verhindert. Ich teile gerade Ihnen obigen Vorgang mit, weil Sie es waren, der mir durch Monate von der Friedfertigkeit des Herrn Adolf Stand erzählten und mich zu einem innigeren Takte mit den Lemberger Herren zu bewegen suchten. Ich denke, daß auch Sie vielleicht Ihre Meinung über die „Anständigkeit" der Lemberger Herren revidieren werden. Hochachtend und mit Gruß Dr. S. R. Landau.

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