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Neue Nationalzeitung · 1911-05-05 · Heft 9 (5.5.1911) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 9 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 ,Neue National-Zeitung* Seite 3 Der 32. Wahlkreis. Dieser Bezirk umfasst die Städte B u c z a c zr S n i a t y n, Z a 1 e s z c z y k i, T1 u m a c z und drei Dorf gemeinde n. Seiion bei der Wahikreisointeilung hatten die Polen dafür gesorgt, in diesem Kreise die polnische Minorität zu schützen und zu dem Zwecke wurden den fünf Städten diese drei Dorfgemeinden angehängt, welch letztere eine grössere polnisch-häuerliche Bevölkerung haben. Der Bevölkerung nach hilden die Juden die Majorität, die nächst grössere Zahl nach ihnen haben die Euthenen und zuletzt die Polen, die in dem Kreise wohnenden deutschen Kolonisten werden den Polen zugezählt. Trotz der geringen polnischen Prozentzahl ist der Yertreter dieses Wahlkreises der konservative Baron M o y s a gewesen. Im Jahre 1907 kandidierten daselhst Dr. Nathan B ir n b anm (jüdisch-national), Dr. J ar o si e w icz (Ruthene) und der konservative Pole Moysa, Beim ersten Wahlgange erhielt keiner die absolute Majorität, es kam zur Stichwahl zwischen Moysa und Dr. Birnbaum. Die Schikanen in diesem Kreise übertrafen das russische System. In der Stichwahl unterstützten die Euthenen geschlossen den jüdischen Kandidaten. Unter dem Schutze von Gendarmen und Militär wurde der unglaublichste Wahlschwindel praktiziert, dennoch hatte Dr. Birnbaum bis auf Tlumaez die Majorität; dortselbst wurden für Moysa mehr Stimmen abgegeben als Wähler überhaupt existierten. Sämtliche ruthenische Wähler wurden zur Urne nicht zugelassen. Das Endresultat war: Stefan Moysa wurde der „gewählte" Vertreter des 32. Kreises. Dieser jüngste polnische Adelige wurde also nicht gewählt, sondern mit Hilfe „wahltechnischer" Schwindeleien zum Abgeordneten nominiert. So geschehen im Jahre 1907. Wie die Wahlen jetzt werden gemacht werden, lässt sich nicht voraussagen. Man hofft, der Statthalter Bobrzynski werde den Wahlapparat etwas gelinder funktionieren lassen, um das polnische Yerwaltungssystem vor der weitesten Oeffentlichkeit nicht so schändlich bloßzustellen. Hoch an der Zeit wäre es, wenn auch in (falizien endlich einmal die Wahlen den westösterreichisehen Provinzen zumindest ähnlich geleitet und durchgeführt werden; dies wäre auch im Interesse der Eintracht der in Cfalizien lebenden Nationen. Sollten die Wahlhyänen aberm ls triumphieren, dann möge sich dies der Terinkations-Aussehuss aufs eigene Kerbholz schreiben. Wären die Proteste nicht zur Zerstampfung bestimmt, sondern dem Gesetze gemäss behandelt und erledigt worden, dann wäre das Wahlschwindeln lahmgelegt worden! Bisnun sind im 32. Wahlkreise folgende Kandidaturen bekannt: die des Wiener Advokaten Dr. S. E. L a n d a u, des ruthenischen Sozialisten Eedakteur M e 1 e n; polnischoffizieller Kandidat dürfte trotz aller Gerüchte der bisherige Abgeordnete Baron M o y s a sein, wiewohl verlautet, class der Tarnopoler Advokat Dr. Landesberg an Stelle Morsas gestellt werden soll. Dieser neueste Hausjude soll, wie die Moschkos erzählen, das Kostenpräliminare für seine Wahl mit 150.000 K festgesetzt haben: ein sogenannter „Strohsackkandidat", ein galizischer, typischer Ausdruck für Mandatskäufer. Bei der jüdischen Bevölkerung hat die Kandidatur des Dr. Landau grossen Anklang gefunden, gerade weil er kein Parteizionist ist. Die Euthenen stehen der Kandidatur des Dr. Landau, der seit 20 Jahren in seinem öffentlichen Wirken und in seiner journalistischen Tätigkeit stets ruthenenfreundlich war, sehr sympatisch gegenüber. M. H. Die Reichsratskandidatur des Dr. S. R. Landau. Die Wählerversammlung in Zaleszczyki. Zaleszczyki, den 28. April. Nach vier Jahren hat in unserem Wahlkreise wieder das politische Leben begonnen. In unseren Städten hat sich das Wahlfieber eingestellt. Gestern fand nach langer Unterbrechung eine große Wählerversammlung im Bethause statt, bei der Herr Dr. S. R. Landau sich unseren Wählern als Kandidat vorstellen sollte. Die Versammlung war sehr gut besucht, da alles neugierig war, den hier ohnehin bestbekannten Herrn Dr. Landau zu hören und zu sehen. Der Verlauf der Versammlung war auch sehr ruhig und würdig. Nach der Wahl des Präsidiums ergriff das Wort der hiesige Bürger, Moses Horowitz, der die Gründe der Parlamentsauflösung streifte und den Kandidaten seinen Mitbürgern vorstellte. Dann ergriff das Wort Herr Dr. S. R. Landau, um in einer anderthalbstündigen Rede sein politisches Programm zu entwickeln. Es ist überflüssig zu bemerken, daß dieses Programm unsere volle Zustimmung fand. Denn die hiesige Bürgerschaft ist durchwegs jüdischnational und oppositionell gesinnt; das hat sie vor vier Jahren bewiesen. Seitdem hat sie sich nicht geändert; sie ist, geläutert durch die Geschehnisse der letzten Zeit, nur noch radikaler geworden. Dr. Landau begann seine Ausführungen mit dem Hinweise auf den antisemitischen Charakter des verflossenen Parlamentes. Seine beiden Präsidenten waren Antisemiten, und auch das Ministerium Bienerth hatte ausgesprochene antisemitische Parteimänner in seiner Mitte. Das sei das wichtigste Symptom der letzten Legislaturperiode und eine notwendige Folge der Zusammensetzung des Hauses selbst gewesen. Kein Wunder also, daß dieses Haus nahe daran war, die Resolution Schmidt im Plenum zu akzeptieren, daß die Hausier-Vorlage beschlossen wurde und die Entrechtung der Zehntausende Schenker ohne jed^ Remedur blieb. Redner beschäftigte sich sehr ausführlich mit der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Schenkerfrage, die er eine brennende Wunde am jüdischen Organismus und einen Schandfleck für die galizische B evödkerung nannite. Ebenifalls sehr lange verweilte Dr. Landau beim Polenklub und seinen Haiisjuden. Sein Hinweis, daß die pseudojüdischen Mitglieder des Polenklubs mit ihrem Judentum Geschäfte machen, daß einzelne ihr Mandat zu Privatgeschäften, die anderen zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten mißbrauchen, fand die lebhafte Zustimmung der Versammlung. Mit großer Entrüstung wurde die Konstatierung aufgenommen, daß Dr. Löwenstein als Lohn für die Preisgebung der Interessen derunglücklichenSchenker den Adel erhalten hat.

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