Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1911-04-21 · Heft 8 (21.4.1911) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 8 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2425679-2425829-2425838--2004-2428403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 8 es steht fest, daß für die deutsch-jüdische Kataster- Mißgeburt die letzte Stunde geschlagen hat. Wie immer die jetzigen Wahlen für die deutschen Minoritätskandidaten ausfallen werden; sie werden keine Lust haben, noch einen Kampf durchzumachen, in dem sie nach dreimaligem Wahlgange ihre nationalen Mandate verlieren können. Wie ich erfahre, hat bereits Professor Skedl bei der Regierung entsprechende Schritte eingeleitet, um die Scheidung der beiden Wahlehegatten aus gegenseitiger Abneigung durchzusetzen. Die Regierung ist auqh im Prinzip damit einverstanden. Es hat sich auch schon ein Modus gefunden, damit der jüdische Kataster nicht jüdisch zu heißen braucht. Er wird heißen: Wahlkataster der Anderen .... Aehnlich wie im Großgrundbesitze. Es ist rührend, wie sich die Regierung für uns schämt. . Das Wahlresultat wird von allen Parteien durch starke Agitation und große Wählerversammlungen vorbereitet. Eine sehr interessante Wählerversammlung hat im „Jüdischen Volkshaus" am 10. d. M. stattgefunden. Es sprach in derselben Dr. S. R. L a n d a u. Der . Wiener Gast wurde vom Vorsitzenden Dr. Straucher mit folgenden Worten begrüßt: „Ich stelle Ihnen vor einen unserer besten Juden, einen Mann, der stets in hervorragender Weise für vimsere politischen und wirtschaftlichen Interessen einigetreten ist und erst jüngst als Präsident des „Verbandes der östlichen Juden" geradezu in glänzender Weise den Empfang des Demonstrationszuges der .Schenker nach Wien arrangiert hat: Herr Dr. Landau aus Wien hat das Wort." Es ist begreiflich, daß nach diesen einleitenden Worten dem Gaste ein enthusiastischer Empfang zuteil wurde. Dr. Landau hielt eine längere Ansprache, in -der er die schwierige politische Lage der Juden und die Verdienste des Dr. Straucher im Parlamente eingehend schilderte. Dabei streifte Redner auch seine eigenen langjährigen Beziehungen zu Dr. Straucher. Die mehr als tausendköpfige Versammlung zollte dem Redner wiederholt stürmischen Beifall. Nachdem Dr. Landau zu Ende war, sprach ihm Dr. Straucher den Dank aus und bemerkte: „Ich benütze gerne die Gelegenheit, um hier zu erklären, daß alles, was Dr. Landau über unsere gemeinsame Arbeit Ihnen erzählt hat, richtig ist, daß mir Dr. Landau seit 14 Jahren nicht nur als ein selbstloser Freund und Mitarbeiter, sondern auch als ein treuer Berater zur Seite stand." Diese Versammlung gehörte zu den interessantesten Episoden unserer. Wahlbewegung und bildete lange Zeit den Gegenstand des Stadtgespräches. HPRR£SPCND5NZ£N Oesterreich-Ungarn. Jubiläums-Festfeier des Nächstenliebe-Vereines. Prag. Der „Nächstenliebe-Verein für verschämte sraelitische Hausarme in Prag" begeht anläßlich der siebzigjährigen Wiederkehr des Tages, an welchem seine Gründung stattfand, eine Jubiläums-Festfeier. Dieselbe wird eingeleitet durch einen Feslgottesdienst, welcher Sonntag den 23. April im israelitischen Tempel, Geistgasse, stattfindet, wobei der Jlahfcmer und Prediger der Tempelgemeinde, Herr Dr. Schwarz, die Festpredigt abhalten wird. Nachmittags 4 Uhr findet im großen Sitzungssaale des Altstädter Rathauses, in welchem bisher stets die Generalversammlungen stattfanden, eine Festsitzung, zugleich die 70. ordentliche Generalversammlung statt. Vor der Erledigung des festgesetzten Programmes wird der Direktor des Vereines, Herr JUDr. Lud. Bendiener, die Festrede halten. Zu dieser Festsitzung haben sowohl die dem Vereine angehörenden Damen wie auch von Vereinsmitgiiedern eingeführte Gäste Zutritt. Die aus Anhiß des 70jährigen Bestandes des Vereines erscheinende Jubiläums-Festausgabe gelangt hiebei zur Verteilung. Aus dem uns vorliegenden, 112 Seiten umfassenden Bericht entnehmen wir ein übersichtliches Bild von der 70jährigen Tätigkeit sowie von der großzügigen Wirksamkeit des Vereines. Jährlich wurden bar 30.000 bis 35.000 K in den letzten 20 Jahren an Unterstützungen verausgabt. In dem Zeiträume von 70 Jahren wurden der Wohltätigkeit K 1,172.05468 bar zugeführt und anläßlich der Ueberschwemmung im Jahre 1890 außerdem, an 292 notleidende Familien Kleidungsstücke, Bett- und Hauswäsche 2000 Stück Effekten verabreicht. Der Vermögensstand, der bei dem 50jährigen Jubiläum sich auf ö. W. fl. 124.921-50 belief, beziffert sich bei seinem 70jährigen Jubiläum auf K 475.950-32, welche nur in Fondswidmungen bestehen. Ein Verzeichnis der Vorstandsmitglieder während der 70jährigen Periode umfaßt die stattliche Anzahl von 88 Vorstehern, worunter der jetzige Direktor und Leiter des Vereines Herr JUDr. Ludwig Bendiener bereits vor 45 Jahren und der derzeitige Kassier des Vereines Herr Moritz A u s t e r 1 i t z bereits vor 43 Jahren in den Vorstand gewählt wurden. GEMEi»öE=üN& V5R5kNSN«CRRiCRteH;. Wien. Der akademische Verein „Jüdische Kultur". Die Charg nwahlen für das laufende Sommer-Semester des Studienjahres 1910/11 ergaben folgendes Resultat: cand. ing Leon Haber, Präses; cand. ing. Julius Engler, Vizepräses : cand. ing. Josef Klinger, Schriftführer. Wien. Der Verein „Tomech Ewj onim" zur unentgeltlichen Ansspeisnng und Ünterstützung armer Israeliten in W ien veranstaltete am 26. März eine Wöhltätigkeits-Akademie im Festsaale des österr. Ingenieur- und Archikten-Vereines, welche einen glänzenden Verlauf nahm und war der Erfolg der besonderen Tätigkeit des Jugendkomitees zuzuschreiben. Gleichzeitig sieht sich der Verein veranlaßt, seinen Mitgliedern und Gönnern den wärmsten Dank auszusprechen mit der Bitte, den Verein in seinen weiteren Bestrebungen zu unterstützen. Wien. (Brudermahl der Chewra-Kadischa) Am 23. April d. J. findet im Sofiensaale das Brudermahl der Wiener Chewra-Kadischa statt. Diese von Zeit zu Zeit sich wiederholende Veranstaltung der ältesten jüdischen Vereinigung Wiens zählt zu den solennsten gesellschaftlichen Ereignissen der Wiener Judenschaft. Sie ist ein schöner Ausdruck des traditionellen Gedankens der Bruderschaft in der Ausübung frommer und wohltätiger Werke. Das letzte Brudermahl, das im Jahie 1906 stattfand, lebt noch in angenehmer Erinnerung aller Teilnehmer, und es ist begreiflich, daß auch heuer die Zahl der Anmeldungen schon eine recht große ist. Wien. Samstag den 22. d M., halb 8 Uhr abends, berichtet Maxim Anin über „Die IV. K o n f e r e n z d er Zionistisch-sozialistischen Arbeiter- Partei; Eintritt frei. Lokal: Cafe Dohan, II. Untere Augartenstraße 26 (Souterrain \ Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Sonn t a g, den 23. April, 10 Uhr vormittags, unternimmt der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.