Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1911-04-21 · Heft 8 (21.4.1911) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 8 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425679-2425829-2425838--2000-2428399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 „Neue National-Zeitung" Nr. 8 Wertpapieren, ist von den Juden geschaffen. Bis auf den heutigen Tag steht ihre Entwicklung unter jüdischem Einfluß, denn sie haben die Effektenspekulation, den Terminhandel, die Kreditwirtschaft, den Fondsverkehr und das Emissionsgeschäft ins Leben gerufen. Die Einwirkung des Juden hat sich auf das Handels-, Geld- und Kreditwesen nicht beschränkt, da ja in der modernen Volkswirtschaft „die Börsendisponenten der Banken immer mehr die Beherrscher des gesamten Wirtschaftslebens werden" (p. 130). In dem Maße nun, wie der Kommerzialisierungsprozesses auch die Industrie erfaßt, wächst auch der jüdische Anteil an der Güterproduktion und am Gütertransport. Das gesamte moderne Wirtschaftsleben steht zur vorkapitalistischen Epoche in solch' einem krassen Widerspruch, daß man wohl mit Recht von einer spezifischen, der feudal-handwerksmäßigen entgegengesetzten kapitalistischen, Wirtschaftsgeisinnung sprechen darf, die das gesamte moderne Leben durchdringt. Diese Gesinnung haben nun nach Sombart die Juden mit sich gebracht und sie den europäischen Nationen eingeimpft Die vorkapitalistische Wirtschaftsordnung basiert bekanntermaßen auf der weitgehendsten und detailliertesten Reglamentation der gesamten ökonomischen Tätigkeit, die in die engen Rahmen der ständischen Gliederung eingezwängt ist. Jede planmäßig-zielbewußte Ausbreitung des Kundenkreises etwa durch Geschäftsanzeige oder gar Reklame — ist velrpönt Aus dem Gesamtcharakter des eng umgrenzten Kundensystems und der jener Wirtschafts-* Verfassung eigentümlichen Freude am Werke, als solchen, ergibt sich das Grundprinzip dieser Epoche: die Herstellung guter Gebrauchsgüter gegen einen angemessenen gerechten Preis. Und in diese Welt „des geruhsamen Sichauslebens" ist nun die von einem entgegengesetzten Geiste getragene jüdisch-kapitalistische Wirtschaftsgesinnung revolutionierend eingedrungen. Eine Gesinnung, die vom Erwerbs zweck vollständig beherrscht wird, die die zunftmäßige Abgrenzung der wirtschaftlichen Betätigung schlechthin negieren mußte, die vielmehr auf „Kundenfang" („Aermelausreißgeschäfte"!), Reklame, Preisunterbietung, Herabminderung der Qualität der Produkte (Surrogat!) basiert Im Gegensatze zum vorkapitalistischen „Prinzipe der Nahrung" herrscht hier der Grundsatz: „Kleiner Nutzen — großer Umsatz!" „Der Aufschlag, der Profit wird aus der Dämmerung des Traditionalismus herausgeholt und zum Gegenstande höchstpersönlich - zweckmäßigster Gestaltung gemacht" (p. 176). Also dort — Traditionalismus, Nahrungsideal, ständische Gliederung, Stabilität; hier — ökonomischer Rationalismus, Erwerbsidee, Freihandel, freie Konkurrenz, Rastlosigkeit. III. Die Juden als Väter des modernen Kapitalismus. Wie ist dieses sonderbarste historische Schauspiel zu erklären! Wodurch ist die eminente Befähigung der Juden zum Kapitalismus begründet? Diese Befähigung beruht nach Sombart teils auf den o bjektiveai Umständen, in denen die Juden gelebt haben,teils auf ihrer $ u b j e k t i.v e n E i g n u n g. In Bezug auf die ersteren kommen hier als für die kapitalistische „Mission" der Juden von besonderer Wichtigkeit vier Momente in Betracht. Es sind: 1. die räumliche Verbreitung der Juden, wie über alle Länder so auch im Inneren der einzelnen Länder, was ihnen z. B. die Organisierung des so bedeutsamen Nachrichtenverkehrs ungemein erleichterte. 2. Ihre Fremdheit im psychologisch-sozialen Sinne, was für die Träger einer neuen Wirtschaftsgesinnung von größter Bedeutung sein mußte. 3. Ihr Halbbürgertum, das durch ihre Zurücksetzung im rechtlichen und öffentlichen Leben es bewirkte, daß sie ihre gesamte Tatkraft dem Wirtschaftsleben zuwandten. 4. Ihr Reichtum, dem Sombart die Entwicklung der Geldleihe, der eigentlichen Schöpferin des modernen Kapitalismus, zuschreibt. Aber mit diesen äußeren Faktoren ist der grundlegende Anteil der Juden am Ausbau des Kapitalismus noch lange nicht erklärt. Sie konnten höchstens den günstigen Boden für diesen Anteil bilden. So gelangt denn Sombart ferner zu einem höchst bedeutsamen Faktor des jüdischen Daseins, der zwar dem Einzelnen ebenfalls als „Objektives" gegenübertritt, der aber historisch subjektiv, und zwar im eigenartigen Wesen des jüdischen Volkes verankert ist — zur jüdischen Religion, der Sombart die allerstärkste Beeinflussung und Förderung des kapitalistischen „Lebenswerkes" der Juden beimäßt. Und nun konstruiert sich Sombart aus den an zahllosen Kontroversen und Widersprüchen so überreichen Quellen der jüdischen Religion einen Judaismus zurecht, der sich schließlich mit dem ideellen Gehalt des modernen Kapitalismus gänzlich deckt. Diese Aufgabe hat Sombart mit einer staunenswerten,' man möchte fast sagen, mit einer echt talmudistischen Zitier- und Kombinationskunst gelöst. Und zwar in einer so glänzenden Weise, daß, wenn er die Grundideen der jüdischen Religion herausschält, man sich von der Emfindung nicht befreien kann, er führe uns eigentlich nur das ideelle Gerippe des Kapitalismus vor Augen. Im Gegensatz zu allen anderen Religionssystemen sei der Judaismus eine mechanisch-kunstvoll gestaltete Verstandesreligion, jedem Mysterium abhold, alles Bildlich-Sinnliche verabscheuend. — Alles ist da rationalistisch — d. h. plan-, zweck- und rechnungsmäßig geordnet. Die Beziehungen zwischen den Juden und ihrem Gott sind in eingehendster Weise vertragsmäßig geregelt. Diese „Geschäftsmäßigkeit" des Judaismus geht so weit, daß Guttat und Sünde mit Hilfe einer sehr komplizierten Buchführung registriert werden. Einmal jährlich, am Versöhnungstage, findet die Abrechnung statt — ein förmliches Kontokorrent mit Gott! . . . Während des Gottesdienstes werden in den Synagogen die Guttaten und Aemter durch förmliche Auktionen an die Meistbietenden versteigert. — Ferner ist die Idee der „Vergeltung" für die Frömmigkeit der Erwerbsidee äußerst angepaßt, da sie das „Wohlergehen auf Erden" — also auch das materielle und den Gelderwerb — in sich einschließt ... Die rationalisierende Wirkung der jüdischen Religion — die Ausschaltung alles Tuns aus naturalem, instinktmäßigem Antriebe — erstreckt sich nach Sombart auf das gesamte Leben der Juden. Die Idee der Heiligkeit, der Naturgemäß, die Liebe, ja der Hunger, der Geschlechtsverkehr — alles wird ohne Erbarmen vom Rationalismus erfaßt und des un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.