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Neue Nationalzeitung · 1911-04-21 · Heft 8 (21.4.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 8 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N5Ü5 WCiONAL-ZSOING LftNölSü XIII. JAHRGANG. WIEN, 21. APRIL 1911. Nr. 8. „Die Juden und das Wirtschaftsleben.4'*) Von Maxim Anin. I. Die theoretische Behandlung der Judenfrage scheint in der letzten Zeit immer mehr in ein neues Stadium zu treten. Die vorurteilsvoll-tendenziösen Darstellungen „der jüdischen Gefahr" von Seiten der Antisemiten und die nicht minder tendenziösen apologetischen und einlullenden Verherrlichungen „des jüdischen Genies" von seiten der Philosemiten und Assimilanten, alle diese Verzerrungen harren seit längerer Zeit einer gründlichen sachlich-wissenschaftlichen Prüfung und Säuberung. Der erste bedeutendere Versuch eines derartigen Läuterungswerkes auf sozial-wirtschaftlichem Gebiete liegt nun vor uns. S o m b a r t hat es sich zur Aufgabe gestellt, den bereits von Marx intuitiv erkannten und aufgestellten Zusammenhang zwischen Judentum und Kapitalismus in seine einzelnen Verästelungen zu verfolgen und aufzudecken. Daß gerade Sombart es war, der sich dieser bedeutsamen Aufgabe unterzogen hat, hat seine guten Gründe. Einer, der vielleicht am tiefsten von den Zeitgenossen das Wesen und den Mechanismus der modernen Wirtschaftsordnung erfaßt hat und der sich dabei von den äußerlich nivellierend wirkenden Tendenzen und der anscheinend kosmopolitischer Art dieser Wirtschaftsverfassung nicht gefangen nehmen ließ, war Sombart am ehesten befähigt, die ungeheure Bedeutung der subjektiven Eigenart des Wirtschaftsträgers, mit anderen Worten, des nationalen bezw. des R a s s e n momentes für die konkrete Ausgestaltung des sozialen Lebens zu erkennen und nachzuweisen. Sombart ist es daher auch gelungen, den Anteil der Juden am Auf- und Ausbau der modernen Volks- *) Von Werner Sombart. Leipzig 1911. Preis 9 Mark. Verlag- Dtmcker und Hnmblot, Wirtschaft am tiefsten und eingehendsten aufzudecken. IL „Kein moderner Kapitalismus, keine moderne Kultur ohne die Versprengung der Juden über die nörd- 1 ich)jen Länder des Erdballs . . ." Die Juden sind die Väter und Fahnenträger des modernen Kapitalismus. Wohin sie kamen, blühte bald der Warenhandel und das moderne Wirtschaftsleben kam in Aufschwung; während die von ihnen verlassenen Länder unausweichlich in wirtschaftlichen Verfall gerieten. Sie sind die Begründer des Welthandels. Sie haben die moderne Kolonialwirtschaft ins Leben gerufen. „Amerika ist in allen seinen Teilen ein Judenland." Als Urheber der modernen Finanzwirtschaft, nehmen die Juden am Aufbau des modernen Staates einen bedeutenden Anteil. Sie sind überall die Lieferanten und hervorragenden Finanzmänner (Hofjuden!) „Fürst und Jude" sind zwei untrennbare Erscheinungen in der Entwicklung des heutigen Staates. Die größte Rolle spielen die Juden in der allseitigen und durchgreifenden Kommerzialisierung oder „Verbörsianierung" des Wirtschaftslebens. Eine Reihe von Erwägungen, denen mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit zukommt, hat Sombart zur Folgerung geführt, daß die Schaffung, Ausgestaltung und Verwendung der Wertpapiere, dieser das gesamte Wirtschaftsleben revolutionierenden Form der Versachlichung von Kreditbeziehungen, wie der indossable Wechsel, die Aktie, die Banknote, die Partialobligationen, den Juden zugeschrieben werden muß. Auch waren sie es, die das europäische Verkehrsrecht ungemein beeinflußt haben. Die Börse, dieser Zentralmarkt für den Handel mit

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