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Neue Nationalzeitung · 1911-04-07 · Heft 7 (7.4.1911) · p. Seite 13

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 7 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 „Neue National-Zeitung" Seite 13 Auch zur Erklärung des Wortes „Liberer* (Seite 46, Anmerkung 1) möchte ich mein bescheiden Teil beitragen. Plängt nicht das Wort mit Liber, Buch, zusammen, das der Totengräber vor der Leichentragbahre einherschreitend in Händen hielt? Was die reisenden Chasanim anlangt, so möchte ich an den im mährischen Lande vor etwa 50 Jahren "durch seinen kaustischen Witz und seine Stimme ausgezeichneten Schemaja Chasen hier erinnern. Als 13 jähriger Jüngling entzückte bereits der spätere Wiener Kantor Goldstein, der wegen seiner kleinen Gestalt auf einen Fußschemmel sich stellen mußte, die Zuhörer in der alten Synagoge meiner. Heimatsgemeinde Kremsier. Die Maggidim," Baldarschanim, Wanderprediger bilden Pendants zu den Chasanim. Begeisterten diese durch ihre Stimmen, so entzückten jene durch das Salz des echt jüdischen Witzes. Beim Durchlesen dieser so belehrenden Broschüre wirft sich die Frage auf, ob nicht viele der den gegenwärtigen Juden anhaftenden Eigentümlichkeiten, ihre Vorliebe für Musik, Gesang, Schauspielkunst, das hebräische Salz ihrer Witzworte, Erbfeil ihrer Ahnen sei? — So wirkt denn diese Arbeit belehrend und anregend zugleich. + Dr. M. O. Neuwahl des Reichsrates. Zur bevorstehenden Reichsratsneuwahl dürfte das im Manzschen Verlage erschienene Buch „Die Vorschriften über Reichsvertretung und Reichsratswahl". Nach dem neuesten Stande der Gesetzgebung zusammengestellt von Hofrat Giegl (brosch. K i.—, kart. K 1.30), gute Dienste leisten. Das Bändchen enthält: „Das Grundgesetz über die Reichsvertretung. Das Gesetz über die Reichsratswahlordnung mit dem Anhange: Wahlbezirkseinteilung und endlich Schutz der Wahl und Versammlungsfreiheit." Ein alphabetisches und chronologisches Register erleichtern den Gebrauch des Buches. * Dr. Micha* Ringel: SpoJeczenstwo polskie wobec syonizmu. (Die Polen und der Zionismus.) Lemberg 1910. Selbstverlag. (Polnisch). Die publizistische Propaganda der zionis'ischen Idee in Galizien hat im letzten Jahrzehnt bedeutend nachgelassen. In den neunziger Jahren war es anders. Das im Jahre 1892 proklamierte „Programm der jüdischen Jugend", das in seinen Grundzügen Keime zum heutigen jüdisch-nationalen Programm enthielt, hat eine lebhafte, Preßfehde entfacht und eine ganze Literatur in polnischer Sprache hervorgerufen Im Jahre 1S93 erschien die Broschüre von Dr. Salz: „Wie sollen sich die Beziehungen der Juden zu den Polen gestalten?•'. Im selben Jahre eine flammende Erwiderung von Sigmund Bromberg auf die Broschüre Feldmanns „Die Assimilanlen, Zionisten und Polen". Drei Jahre später hat Salomon Schiller in seiner geistvollen Schrift „Die nationale Existenz der Juden" streng wissenschaftlich die nationale Idee begründet. Nach dem ersten Kongreß in Basel hat Dr. S. R. Landau in der. vom Grafen Stanislaus Tarnowski und Julian Klaczko redigierten Revue „Przeglad Polski" die polnische öffentliche Meinung mit der zionistischen Bewegung vertraut zu machen versucht. Darauf folgt eine literarische Leere. An Stelle gediegener publizistischer Diskussion und des Aufbaues eines wissenschaftlichen Arsenals für das neue Gebäude der nationalen Idee und Kultur tritt seichte Zeitungspolemik. Umso angenehmer berührt uns nunmehr die Schrift Ringels. Er sagt nicht viel Neues und es wäre gewiß kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil seiner Arbeit, wenn er die Literatur, aus der er geschöpft und die ihn angeregt hat, auch zum Nutzen und Frommen der Leser angeführt hätte. Aber die Schrift ist bebr instruktiv, sie liest sich trotz ihres historischen Unterbaues sehr leicht und es gelingt ihr, was sich der Verfasser zur Aufgabe gemacht hat: Der Nachweis, daß die polnischen Führer und die polnische Presse unter dem Denkmantel des Kampfes gegen den „gefährlichen Zionismus" nur ihren atavistischen antisemitischen Instinkten freien Lauf lassen. Dr. Ringel schlußt seine Schrift mit einem warmen Appell an die Polen, den Juden „eine minimale Dosis Gerechtigkeit" zuteil werden zu lassen und sich jeder Einmischung in den innern Kampf zwischen den Assimüanten und den Juogjnden zu enthalten. Eitle Hoffnung! Wozu unserem armen Volke neue Enttäuschungen bereiten? . . . . Der politische Machtkitzel der Polen ist für solche Sentimentalitäten unzugänglich. Eingesendet. Goldene Klassiker-Bibliothek. Unter diesem Titel überrascht das Deutsche Verlagshaus Bong & Co., Berlin W. 57, uns mit einem Unternehmen, das auf dem deutschen Büchermarkte bisher nicht seinesgleichen hatte. Wer sich früher eine Hausbibliothek unserer großen Dichter und Schriftsteller anlegen wollte, der maßte wählen zwischen Ausgaben, deren hoher Preis eine Anschaffung in größerem Umfange den meisten unmöglich machte oder aher die ihre Wohlfeilheit mit minderwertigem Papier, engem Druck und unansehnlicher Ausstattung bezahlten. Die Goldene Klassiker-Bibliothek bietet zum erstenmale zu ganz geringem Preise eine Ausstattung, die in Bezug auf Einband, Pap er und Druck alle Anforderungen eines verwöhnten Geschmackes befriedigen muß. Keineswegs jedoch bildet die äußeie Ausstattung den einzigen oder wichtigsten Vorzug der Bibliothek. Vielmehr ist durch eine große Zahl erster Fachleute dafür gesorgt worden, daß jede einzelne Aufgabe dem gegenwärtigen Stande der literarhistorischen Wissenschaft entspricht. Ein ausführliches- Lebensbild, Einleitungen zu den einzelnen Werken sowie erklärende Anmerkungen sollen dem Leser das Verständnis erleichtern, wie auch dem Fachmanne wertvolles Material bieten. Alphabetische Verzeichnisse, Wort- und Sachregister erhöhen die Benutzbarkeit der Ausgabe. Zahlreiche ausgezeichnet wiedergegebene Portraits, Handschriftenproben und sonstige Abbildungen dienen gleichzeitig zum Schmuck und zur Belehrung. Alles in allem ist die Goldene Klassiker- Bibliothek ein beredter Beweis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit des heutigen deutschen Buchgewerbes. * * * Lotterie des jüdischen Vereines „Einheit*. Dem jüdischen Vereine „Einheit", der in Wien, IL, Malzgasse 12, eine allen hygienischen Anforderungen entsprechende große jüdische Volksspeisehalle erhält, wurde vom k. k. Finanzministerium die Veranstaltung einer Wohltätigkeits-Lotterie zugunsten der Volksspeisehaile bewilligt. Die Lotterie-Verwaltung des Vereines hat mit der Ausgabe der Lose zum Pieise von 1 K bereits begonnen. Laut dem Spielplane betsägt der Gesamtwert der Treffer 63.C00 K. davon 4 Haupttreffer zu 30.000 K, 5000 K, 2000 E und 1000 K, die auf Wunsch des Gewinners nach den üblichen Abzügen in barem Gelde ausgezahlt werden. Der Verein „Einheit" hat durch seine opferwillige Beteiligung an der Verköstigung der jüdischen Schenkerdeputation aus Galizien sehr viel an Popularität gewonnen, die ihm auch bei dem Absätze der „Einheit-Lose" zugute kommen wird. Die Vereinsleitnng hat auch bei der Textierung der Lose dem Namen des Vereines entsprochen, indem sie auf den Losen den Text auch in jüdischer Sprache drucken ließ. Das ist unseres Wisseus der erste Fall, daß Lose mit jüdischem Texte in Verkehr gesetzt werden. Da9 Bureau der Lotterie-Verwaltung des Vereines „Einheit", woselbst auch Lose zu haben sind, befindet sich Wien, L, Wollzeile 24. Personal-Nachriehten. FräuleinMyriam Salz, die Tochter des bekannten zionistischen Politikers Dr. Abraham Salz in Tarnow, hat sich am 2. d. M. mit Herrn Dr. Juda Zimmermann, Advokaten in Krakau, yermählt. DAvS» WIENERS); ETABLISSEMENT: MOBEE NERKLRI VI-MAßlAHILFER5: STßA6SE31'LIEFE£r: MODERNE DEISTER I-WAJJS6ER11HRTE WMJ^SE1NRICHT1JN6EN; , ÖBERI>SCHEN0BILLI6! \ ^jS^ •••*■■ " < Hochfeines natürliches Tafelwasser \t\ L 1 ~ Natürlicher n fiWn#Ä™ J ilwWlWllV Lirhion-Ouelle. von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberau zu haben, Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.

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