Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1911-04-07 · Heft 7 (7.4.1911) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 7 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2425679-2425829-2425837--1992-2428390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 7 „Neue National-Zeitung" Seite 11 I. Kaufmann: Der Zweifler (Oelgemälde). dienen. Die erforderlichen Vorarbeiten werden im städtischen Statistischen Amt in Berlin in nächster Zeit begonnen. Die Mittel hierzu sind in großzügiger Weise von der jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Höhe von 3000 Mark beigestellt worden. Schließlich wird zur Zeit eine wichtige Enquete über die Wohlfahrtseinrichtungen aller großen Gemeinden der Erde veranstaltet. Es wurde ferner beschlossen, für die besonderen Zwecke der Mayerhöffer-Stiftung, welche neben der Förderung der allgemeinen jüdischen Statistik hauptsächlich zur Evidenzhaltung derjenigen christlichen Familien dienen soll, welche jüdisches Blut besitzen, eine Arbeit herstellen zu lassen und sich mit einer geeigneten Kraft hiefür in Verbindung zu setzen. Neuerdings ist der Hilfsverein dazt übergegangen, die einheimischen, rein religiösen Schulen der orientalischen Juden (Talmud-Thora-Schulen genannt) unter strengster Beibehaltung ihres Charakters in der Richtung zu reformieren, daß moderne pädagogische Methoden eingeführt werden und der Lehrstoff durch Darbietung profanen Unterrichts erweitert wird. Einem der Haupterfordernisse für die Renaissance der dortigen Judenheit genügt der Hilfsverein jetzt durch Errichtung eines Rabbinerseminars in Jerusalem. Wissenschaftlich gebildete, in der orientalischen Heimat wurzelnde, mit Land und Leuten, Landessprache und Sitten vertraute Persönlichkeiten sollen auf diesem Seminar ausgebildet werden, die berufene religiöse Leiter und Berater innerhalb ihrer Gemeinde wie deren Vertreter den Behörden gegenüber sein können. Auf Anregung des Hilfsvereines der deutschen Juden ist ferner in Haifa ein Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina gegründet worden, das bereits im Bau begriffen ist und in den nächsten Jahren ins Leben treten wird. Auf diesem Institut werden Techniker und Handwerker ihre Ausbildung empfangen. Das Bild über die Tätigkeit des Hüfsvereines wurde ergänzt durch die Ausführungen des Generalsekretärs Herrn Dr. Bernhard Kahn auf dem Gebiete der Auswanderung. In den Jahren 1908 und 1909 war eine merkbare Abnahme der jüdischen Auswanderung eingetreten. Im Berichtsjahr aber hat sich hauptsächlich infolge der Bedrückung der Juden in Das von uns reproduzierte Bild „Der Zweifler" gehört zu den feinsten und markantesten Schöpfungen unseres großen Meisters. Es wurde mit der goldenen Staatsmedaille ausgezeichnet. Wie alljährlich hat Isidor Kaufmann auch in der diesjährigen Frühjahrsausstellung des Künstlerhauses drei Bilder ausgestellt, auf die wir in unserer nächsten Nummer zurückkommen werden. Wie es heißt, dürfte demnächst endlich die Kollektiv-Ausstellung aller Bilder Kaufmanns eröffnet werden, auf die die Kunstwelt und die zahlreichen Verehrer des Künstlers so lange warten. In Vorbereitung befindet sich eine Kunstmappe der Katfffmann'schen Bilder, über die wir noch eine nähere Anzeige bringen werden. Rußland die jüdische Emigration wieder bedeutend vermehrt. Sie betrug im Kalenderjahr 1910 93107 Personen allein nach den Vereinigten Staaten gegen 74643 im Jahre 1909; sie hat sich also um 25°/0 vermehrt. Die Gesamtauswanderung nach den Vereinigten Staaten, nach anderen überseeischen Gebieten und nach kontinentalen Ländern ist auf 120000 Juden zu veranschlagen. Die Hälfte von diesen mußte auf ihrer Wanderung den Weg durch Deutschland nehmen. Zur Fürsorge für die Scharen der Hilfs- und Schutzbedürftigen unter diesen Auswanderermassen hat der Hilfsverein an den Grenzorten, im Inneren Deutschlands und an den Hafenplätzen 36 Komitees und Bureaux errichtet. In mehr als 16000 Einzelfällen wurde die Hilfe der Vertrauensleute des Hilfsvereines angerufen, über 10000 Personen wurden befördert. Die Tätigkeit zu Gunsten der jüdischen Auswanderer erforderte einen Aufwand von über 225000 Mark, zu denen die ICA in Paris 125000 Mark beigesteuert bat. Auch der Rückwanderer mußte sich der Hilfsverein der Deutschen Juden annehmen, um so mehr, als durch eine neue preußische Ministerialverordnung für die Rückwanderung besondere Schwierigkeiten geschaffen worden sind, zu deren Bewältigung der Hilfsverein sein Möglichstes getan bat. Der neugegründeten Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge hat der Hilfsverein seine Unterstützung geliehen, an deren Arbeiten sich beteiligt und ihr einen größeren Beitrag zur Verfügung gestellt. Zum Sehluße erstattete Herr Bankdirektor Ernst Simon den Kassenbericht, aus dem hervorging, daß die Finanzlage des Vereines trotz der überaus großen Anforderungen, die in den letzten Jahren an den Verein gestellt worden sind, nicht ungünstig ist und daß der Verein im Jahre 1910 für seine Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten rund eine halbe Million aufzuwenden in der Lage gewesen ist. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Verwaltung in warmen Worten der Dank für die hingebende Tätigkeit ausgesprochen und die Versammlung trteilte einstimm g dem Vorstand Decharge.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.