Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 7 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2425679-2425829-2425837--1991-2428389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seiter 10 „Neue National-Zeitung" Nr. -7 wird. Ueberdies werden in allen Stadien Ostgaliziens mit absoluter oder relativer jüdischer Majorität Kandidaten aufgestellt werden. In Stariislau soll Dr. Brande, derzeit Prediger in Lodz, der im Jahre 1907 nur infolge eines schändlichen Busarenstückchens gefallen ist, indem ihm die Wahlkommission 143 Stimmzetteln, auf denen sein Vorname Markus als „ Marcus" geschrieben war, annulierte, neuerlich kandidieren. Im Judenviertel von Lemberg, wo die Zionisten im Jahre L907 in der Stichwahl für den Sozialdemokraten Dr. Diamand und gegen Schmelke von Horowitz entschieden, wird diesmal Dr. Diamand auch in der Stichwahl bekämpft werden. Von den Assimilanten werden sich Gall (Tarnopol), Dr. v. Löwen stein (Drohobycz), Dr. Gold (Zloczöw); und Dr. Groß (Krakau) um ihre bisherigen Mandate bewerben. Mit Ausnahmen Gold sind alle bedroht. Gall bat kein Geld mehr, Löwenstein ist im Wahlbezirke höchst unbeliebt. Dr. Groß wird seinen Bezirk gegen einen Kahal- Kandidaten und den gewesenen Sozialdemokraten Doktor Drobner zu verteidigen haben. Er hofft, seine Wahlchancen durch die Ankündigung des Eintritts in den Polenklub zu verbessern, den er durch zwanzig Jahre rücksichtslos bekämpft hat. Dr. Kollischer verläßt Kolomea und bewirbt sich um Brody. Kolomea gedenken die Allpolen zu erorbern und dort den Bürgermeister K1 e n s k i aufzustellen. Im Judenviertel von Lemberg dürfte gegen Dr. Diamand der Präsident der Advokatenkammer Dr. Aschkenase auftreten. PPRReSPCNöeNZSN Der Synagogenbau am Rudolfs platz. (Tempel oder Amtshaus?) Wien. Wie wir erfahren, hat der Kultusvorstand mit 20 gegen 2 Stimmen den Beschluß gefaßt, mit der Kommune wegen Ankaufes eines Teiles des Rudolfsplatzes zum Bau einer Synagoge in Verhandlungen zu treten, resp. auf Grund bereits gepflogener Unterhandlungen den Kauf perfekt zu machen. Daß eine solche Transaktion, bei der es sich um 2 Millionen Kronen handelt — soviel soll der neue Tempel kosten — unter Ausschluß der Oeffentlichkeit beschlossen, ja vor der Oefifentlichkeit geheim gehalten wird, ist ganz bezeichnend für die Art, wie die Wiener Judengemeinde verwaltet wird. Bezeichnend ist aber auch das Zustandekommen dieses Beschlusses. Seit Jahren wird im Vorstande und in den weitesten Kreisen der Wiener Judenschaft das Bedürfnis nach einem würdigen repräsentativen jüdischen A m t s h a u s e, als Ersatz der baufälligen Baracken in der Seitenstettengasse, empfunden. Finanz-Referent Herr Frank betont dies jedesmal in seiner Budgetrede. Aber Dr. Stern will kein Amtshaus. Er ist auf die alten Tage sehr fromm geworden und zieht eine neue Synagoge vor; notabene keinen Tempel für das Volk, wo jeder arme Jude freien Eintritt an den hohen Feiertagen hätte, sondern einen Prachtbau für 2 Millionen, in dem er es dann nach Art der Lueger-Apotheose heißen würde: Erbaut unter dem Präsidium usw. Nun kann die Kultusgemeinde einen Teil des Rudolfsplatzes für einen Bau haben, denn die Kommune benötigt das Amtsgebäude inder Seitenstettengasse Nr. 2 dringend für Regulierungsprojekte und will als Tausch hiefür der Kultusgemeinde einen Baugrund bis circa 1500 Quadratmeter am Rudolfsplatz überlassen. Dr. Stern trat nun vor das Vertreter-Kollegium mit seinem Plan. Er fiel durch; die Vertreter wollen von einen neuen Tempel nichts wissen. Dr. Stern gibt nicht nach. Er meldet ein Minoritätsvotum an und5 geht damit ins Plenum; Allgemein hieß es; daß er auch hier damit durchfällt. Es ist bekannt, daß Oberrabbiner Dr. Güdemann gegen einenneuen Tempel ist und die zahlreichen Bethausvereine der angrenzenden Bezirke sind dagegen. Dr. Stern kennt aoer seine Pappenheimer. Sein Antrag wurde mit 20 gegen; 2 Stimmen angenommen. Warum ziehen denn die Vertreter daraus nicht die Konsequenzen? Es fehlt nur noch das kleine Geld. Der Baugrund am Rudolfsplatz ist wohl zu haben, aber nicht ganz umsonst. Er ist größer als die Bauarea des niederzureißenden Amtshauses und die Differenz an Umfang muß bezahlt werden. Dazu kommen die Kosten der Bauführung. Alles in Allem ca. 2 Millionen! Wer wird das zahlen? Die Gemeinde nicht, denn sie hat nichts. Dr. Stern ist zwar Millionär, aber für die Gemeinde hat er nur — Ideen. Nach seinem Plane sollen die anderen Millionäre zahlen. Ob die es auch gerne tun werden — das werden wir bald sehen. Deutsches Reich. Verein für Statistik der Juden. Berlin. Der Ve r ei n für-Statistik der Juden hielt am 26. Februar seine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Dem vom Vorsitzenden des Vereines erstatteten Tätigkeitsbericht entnehmen wir folgendes: Die vom Bureau für Statistik der Juden herausgegebene „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" hat auch in dem jetzt vollendeten 6. Jahrgang das gehalten, was sie früher versprochen hat und ihren guten Ruf immer mehr befestigt. Sombart hat die Zeitschrift in seinem soeben erschienenen großen Werk „Die Juden und das Wirtschaftsleben" vielfach benutzt und rühmt sie als „gut geleitel". Im übrigen war das Bureau im abgelaufenen Jahr fast ausschließlich durch die Bearbeitung eines monumentalen Werks in Anspruch genommen, welches soeben vollendet ist und demnächst im Verlage von Franz Siebenroth in Berlin erscheinen wird. Es ist nämlich ein Tabellenwerk, welches alles amtliche statistische Material für sämtliche Länder der Erde enthält, so weit es sich auf die Statistik der einzelnen Konfessionen bezieht. Zunächst sind der Bevölkerungsstand und die Bevölkerungsbewegung von Dr. oec. publ. J Sega 11 bearbeitet. Und zwar sind alle drei Hauptkonfessionen berücksichtigt, so daß das Werk nicht nur für die Statistik der Juden in Betracht kommt, sondern als ein Standard w o r k der Konfessionsstatistik überhaupt bezeichnet werden darf. Auf dieses Werk hat sich, wie gesagt, die gesamte Tätigkeit des Bureaus im veiflossenen Jahr konzentrieren müssen, so daß daneben wenig Zeit für andere Arbeiten blieb. Es erscheint ferner in kürzester Zeit im Verlage des Bureaus für Statistik der Juden eine Spezialarbeit von Dr. Anselm Hillmann über das jüdische Genossenschaftswesen in Rußland. Ferner geht das Bureau nunmehr daran, zwei größere Untersuchungen in Angriff zu nehmen und zwar über die Lage der Juden in Deutschland und ferner über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Berlin. Die letztere Arbeit soll in erschöpfender Weise das Material der neuen Volkszählung, und zwar auch dasjenige, welches in den amtlichen Publikationen nicht veröffentlicht wird, enthalten, und in gleicher Weise wissenschaftlichen wie praktischen Zwecken