Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 7 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 „Neue National-Zeitung" Seite 9 bereits mehrere Gemeinden unserer Einladung entsprochen. Demnächst wollen wir mit einem weiteren Aufruf an die große Oeffentlichkeit hervortreten, die hoffentlich unsere Leistungen würdigen wird. (Lebhafter Beifall.) Es folgte der Kassenbericht, erstattet vom Kassier Isidor B e l f und der Bericht der Revisoren, erstattet von Herrn Adolf Knopf. Hierauf folgte eine eingehende Debatte, an die sich die Herren Dr. Jacobson, Apotheker Ahl, Dickstein, Frühling u. a. betei'igten. Herr Dickstein beantragte, den Rechenschafts- und Kassabericht zur Kenntnis zu nehmen und dem Vorstande, insbesondere dem Piäsidenten Dr. Landau für seine besonderen Bemühungen den Dank auszusprechen. Der Antrag wurde angenommen. Die darauf folgenden Neuwahlen ergaben die Wahl der Herren Hermann Dickstein, Fritz Gold färb, Schriftführer und Ehren-Mitglied des Vereines zur Unterstützung der Kleingewerbetreibenden und Friedrieh Krüh, Obmann des Vereines der Kolomeer in den Vorstand an Stelle dreier ausgeschiedener Mitglieder. Zu Revisoren wurden Herr Moriz Frühling und Herr Adolf Knopf gewählt. Nachdem noch bezüglich des Jahresbeitrages und des Inkassos Beschlüsse gefaßt wurden, war die Tagesordnung erschöpft und die Versammlung wurde geschlossen. * * * Die Adresse des Vereines ist bis 12. Mai 1911 I. Zelinkagasse 11, nach dem 12. Mai I. Oppolzergasse 4. Das Schnlgebäude des „Bezalel" in Jerusalem. (Im Vordergründe im Burnus steht Direktor Schatz.) WAHLBEWEGUNG. Die Parlamentsauflösung wurde mit Rücksicht auf den kurzen Wahltermin von einer raschen Wahlbewegung abgelöst. Alle Parteien rüsten, nominieren ihre Kandidaten und ziehen in den Wahlkampf. Von den jüdischen Abgeordneten werden in Wien Hofrat Kuranda am Franz-Josefs-Kai und Dr. 0 f n e r in der Leopoldstadt I neuerlich kandidieren. Die Chancen des Hofrates Kuranda sind sehr günstig. Wenn wir auch sein zu Beginn der parlamentarischen Tätigkeit so stürmisch an den Tag gelegtes Deutschtum durchaus nicht gutheißen konnten, so müssen wir dennoch anerkennen, daß er als wirtschaftliche Kapazität ein berufener Vertreter der Handels- City ist. Im Laufe seiner vierjährigen parlamentarischen Tätigkeit ist Hofrat Kuranda dem Judentum näher gekommen und hat sich langsam für dessen Interessen erwärmt. Das Gleiche kann man jedoch von Dr. Ofner nicht behaupten. Für ihn existiert neben dem Deutschtum nur noch die — Sozialdemokratie. Ob jedoch die Gegenkandidatur Doktor Mittlers dem Dr. Ofner gefährlich werden wird, das hängt davon ab, welchen Kandidaten die Sozialdemokraten aufstellen werden. Wird es, wie vormals, nur ein Strohmann sein, dann hat Dr. Ofner allein Chancen, in die Stichwahl zu gelangen. Jedenfalls aber ist es Pflicht der Zionisten, in der Leopoldstadt einen Kandidaten aufzustellen, das sind sie dem jüdischnationalen Programm schuldig. * * * In G a 1 i z i e n steht ein heftiger Kampf aller Parteien gegen die jüdisch-nationalen Kandidaten bevor. Zum Glücke sind sie selbst unter sich nicht einig. Die Allpolen werden diesmal die schützende Hand des Grafen Potocki vermissen und werden sowohl gegen die Fortschrittlichen als auch gegen die Stapinski-Partei zu kämpfen haben. Die Sozialdemokraten haben an Anhang eingebüßt und die jüdischen Wähler enttäuscht. Die Ruthenen, denen 32 Mandate garantiert sind, werden ihre 30 Mandate behalten und bemüht sein, durch Aufstellung eigener Minoritäts-Kandidaten die Mandate_ Doktor Gabeis und Dr. Mahlers zu erobern. Die zionistische Partei wird am 9. April ihre Kandidaten nominieren. Es verlautet, daß Adolf Stand nicht mehr in Brody, sondern in einem anderen Bezirk kandidieren