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Neue Nationalzeitung · 1911-04-07 · Heft 7 (7.4.1911) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 7 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Wunder, daß die Allianz dabei vom löblichen Bestreben beseelt ist, uns das Gruseln zu lehren? Daß dies ihr nicht gelingen will, ist nicht ihre Schuld. Denn dies Gruseln haben wir, und mit uns der Präsident der Stiftung, längst verlernt, wenn es auch freilich noch in der rückständigen Phantasie eines von einem Spaßvogel hypnotisierten Allianzvorstandes lebt. Die ganze Sache sieht sich merkwürdig genug an und illustriert trefflich die durchaus materialistische Richtung, welche unsere modernen humanitären Institutionen eingeschlagen. Der Präsident der Hirsch-Stiftung klagt seit Jahren in jedem Jahresberichte über die traurige Notwendigkeit, Schulen auflassen zu müssen. Als Präsident der Stiftung zerdrückt er eine Träne in den Augen über den Untergang völlig ausgebauter Schulen; als Präsident der Allianz aber zieht er zur selben Zeit in den fröhlichen Kampf gegen — Windmühlen: um das Lebende aufs Tote zu legen. Warum eilt er nicht lieber mit dem Gelde der Allianz, den sinkenden Schulen der Stiftung zu Hilfe, die nur deshalb dem Untergange geweiht sind, weil die Mittel zu ihrer Erhaltung fehlen? Warum? Warum? Soll es vielleicht eine Entschuldigung sein, daß auch die ICA, die anderswo ohne jeden Erfolg das Geld mit vollen Händen ausstreut, dem Untergange so vieler herrlicher Schulen, die vielleicht zu den segensreichsten Schöpfungen des Baron Hirsch gehören, mit verschränkten Armen zusieht, ohne mit einer Wimper zu zucken? Wir sind es gewohnt, daß die humanitären Vereine in Wien, mögen sie noch so verwandten Zielen zustreben, in ihren Wegen fremd auseinandergehen, sich sogar gegenseitig Konkurrenz machen, anstatt viribus unitis das gemeinsame Werk zu fördern. Wir waren vor einigen Jahren in einer Generalversammlung der Allianz Zeugen einer recht unerquicklichen Szene, die sich zwischen der Allianz und der Union coram publico abspielte, wo ein redseliges Mitglied der ersteren in erregter Weise gegen die letztere den Vorwurf in die Versammlung schleuderte, daß sie (die Union) der Allianz ins Gehege laufe . . . Nun möchten wir keineswegs der Allianz zumuten wollen, daß sie ihre kleinen und kleinlichen Eiferer zum Schweigen bringe, sie verweisend auf das selbstlose Beispiel, das in ähnlichem Falle unser große Lehrer Moses gegeben, der, als sein Jünger Josua ihm in großer Entrüstung berichtete, daß Leute vom Schlage eines Eldad und eines Medad, im Lager zu weissagen sich herausnehmen, diesem zurief: „Willst du etwa für mich eifern? Laß sie nur immer gewähren! Daß doch das gesamte Volk aus lauter Propheten bestünde; daß doch der Geist Gottes über alle ausgegossen wäre!" Aber das dürfen wir wohl von ihr verlangen, daß sie die primitivsten Regeln der Dankbarkeit beobachte und der Hirsch-Stiftung, die ihr einst die Last der Schulen so entgegenkommend abgenommen, in ihrer Not zu Hilfe eile, um blühende Schulen vor dem Untergange zu retten, anstatt sich an altersschwachen, längst verlebten Experimenten zu verbluten! Möge doch der Präsident der Hirsch-Stiftung den Präsidenten der Allianz auf den Weg führen, den allein einzuschlagen nicht nur Pflicht, sondern auch Räson ist! Denn schon schüttelt man in Galizien recht bedenklich die Köpfe über die puerilen, mit Romantik geschwängerten Schilderungen der dortigen Zustände, noch mehr aber über das sonderbare Vorgehen der Allianz, welche Schulen mit frisch pulsierendem Leben begraben läßt, um an deren Statt Institutionen zu galvanisieren, die unwiderruflich dem Tode verfallen sind. S. S. t)ie bandtagswahlen in der Bukowina. G z e r n o w i t z, Ende März. Anläßlich der bevorstehenden Land tags wählen versendet die Jüdische Nationalpartei nachsiehenden von Dr. Benno Straucher und vom Präsidenten der Handelskammer, Wilhelm T i 11 i n g e r, gefertigten Aufruf: Stammesgenossen! Jüdische Landtagswähler! Der geschichtlich bedeutsame Moment, da Ihr aus Anlaß der bevorstehenden Landtagswahlen zum ersten Male als Juden an die Wahlurne tretet, ist herangenaht. Schon in einigen Tagen schreitet Ihr zur Wahlurne! Erweiset Euch würdig dieses großen, für Euer politisches Leb.n so folgenreichen Ereignisses! Bannet die Zwietracht aus Euren Reihen, weiset die Frevler und Friedensstörer zurück, die unter Euch Hader gestiftet haben! Wendet Euch von Ihnen ab, die bisher weder für Euch, noch für das jüdische Volk gewirkt oder etwas geleistet haben, die aber einen Brand im jüdischen Volke der Bukowina angezündet und unsere Jugend anstatt zu ernstem Studium anzueifern, seit Monaten zu politischen Agitatoren mißbrauchen, ja Kinder gogen die eigenen Eltern gehetzt und den heiligen Familienfrieden zerstört haben! Stehet wie ein Mann zur jüdischen Nationalpartei, welche seit Jahren für Euer Volkstum, Eure Rechtsgleichheit, Eure nationalen Rechte, Euren kulturellen Fortschritt, für Eure soziale und materielle Wohlfahrt hingebend kämpft. Wir wollen für Euch die nationale Autonomie erringen, auf das Ihr mit den anderen Volksstämmen gleichberechtigt und gleichwertig, auch gleichen Anteil an der autonomen und politischen Verwaltung des Landes erlangt. Ist der nationale Kataster für die einzelnen Volksstämme im Lande gesetzlich eingeführt, dann wollen wir auch den jüdischen Kataster erkämpfen. Wir wollen eine unseren Volksinteressen entsprechende Volksschule, in welcher neben modernem Wissen unseren Kindern auch j üdisches Wesen vermittelt werden soll. Wir wollen mit allen Volksstämmen des Landes, sofern sie unsere Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit anerkennen und respektieren, in Eintracht und im friedlichsten Einvernehmen leben und gemeinsam mit ihnen zum Wohle des Landes arbeiten. Wir wollen insbesondere die Industrialisierung des Landes wie die gewerbliche Tätigkeit wirksam fördern, zu diesem Zwecke die Gründung einer Industriebank unter Mitwirkung des Landes ermöglichen; für die Errichtung niederer Handels- und Gewerbeschulen auf dem flachen Lande, für die Abhaltung von periodisch wiederkehrenden sog. Meisterkursen eintreten, um auf diese Weise unseren Handels- und Gewerbestand zu heben; insbesondere auch die von unserer Partei initierte wirtschaftliche Sanierungsaklion verwirklichen, um der fortschreitenden ökonomischen Verelendung weiter Kreise unseres Volkes zu steuern. Wir wollen das Land für eine ausgiebige Jugendfürsorge, zur Schaffung von Anstalten für die Gesundheitspflege sowie zur endlichen Regelung des Armenwesens veranlassen. Die „jüdische Nationalpartei" der Bukowina ist eine freiheitliche, demokratische, nationale und soziale Partei und wird als solche ihre Pflicht erfüllen. Jüdische Wähler! Folget wie bisher der im Kampfe um Euer Recht bewährten „jüdischen Nationalpartet* und wählet

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