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Neue Nationalzeitung · 1911-03-17 · Heft 6 (17.3.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 6 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue Nationäl-Zeituhg8 Nr. 6 der Konfession und der Gerechtigkeit gegenüber den Juden einzupflanzen. Als Antwort auf dieses Schreiben erhielt Rabbiner Lewner von Herrn Smirnow einen Brief, in welchem er ihm für die Uebersendung des Blattes, wie auch für den Brief dankt. Der junge Schah — schrieb Herr Smirnow — nehme vorläufig an der Führung der Staatsgeschäfte noch keinen aktiven Anteil, er werde jedoch im Geiste der weitestgehenden Toleranz gegen alle Völker ohne Ausnahme erzogen. Mit dem Brief sandle Herr Smirnow auch einen Aufsatz über die gegenwärtige Lage der Juden in Persien, in welchem er u a. schreibt: ,Die 85 000 Juden in Persien sind durchaus nicht schutzlos und genieß n alle Rechte der persischen Bürger. Im Medschilis haben die Juden einen Deputierten sitzen. Verleumdungen auf Juden kommen jetzt fast niemals vor und die Beziehungen zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung sind normale. (?) Die persischen Juden sprechen persisch, schreiben auch in derselben Sprache, nur bedienen sie sich hierbei der hebräischen Schriftzeichen. Im Jahre 1884 begannen englische Missionäre ihre „Arbeit" unter den persischen Juden. Sie errichteten mit großen Opfern Schulen für jüdische Kinder, gründeten unter dem Titel „Zeidiar" eine Jüdische Zeitung" in persicher Sprache. Die Anstrengungen und Geldopfer der Missionäre hatten jedoch unter den persischen Juden keinen nennenswerten Erfolg, denn die Zahl der Juden, die sich taufen ließen, ist bis jetzt eine verschwindend kleine. LITERATUR UND THEATER Die Schalom Asch-Vorlesung. Am 5. d. M. hielt Schalom Asch im Kursalon vor einem zahlreichen, ausschließlich jüdischen Publikum eine Vorlesung aus seinen Gedichten. Er wurde enthusiastisch begrüßt. Es war wirklich ein genußreicher Abend. Sehr charakteristisch für die Wiener Verhältnisse ist es jedoch, daß sich die jüdische „Gesellschaft" ganz fernhielt; das Gros des Publikums bildeten Studenten und östliche Juden. Herr Dr. Marek Scher lag las als Einleitung des Abends einen Essay über die künstlerische Persönlichkeit dieses begabtesten jüngeren Ghettodichters und über die Pachtung, die er repräsentiert. Herr Dr. Scherlag sprach zunächst über die früheren Gheltodichtungen, über Franzos und Kompert. Er schilderte dann die Entstehung und die besondere Färbung des Jargons, in dem man Anklänge aus rheinischen Landen, vermischt mit den Lauten des Ostens finde. Er schilderte endlich Schalom Asch, dessen Hauptwerke, die idyllischen „Bilder aus dem Ghetto" und „Das Städtchen", in das Deutsche übertragen wurden, als einen Dichter, der sich vor allem durch inniges Verwobensein mit der Natur und liebevolles Erfassen idyllischer Zustände auszeichne und darin deutschen Poeten und Malern, Stifter und Hans Thoma, verwandt erscheine. Hierauf trat der Dichter selbst, stürmisch begrüßt, an den Vorlesetiscb, eine schlanke, jugendliche Erscheinung von träumerisch-orientalischem Timbre. Er las eine Jargonbetrachtung voll metaphysischer, schwärmerischer Nachdenklichkeit, Fräulein Frieda H e 11 d o r f machte uns dann in sympathisch-schlichter Art mit einem bezeichnenden Abschnitt aus den „Ghettobildern" und dem „Städtchen" bekannt. Man lernte hieraus nicht ßloß den Lyriker Ascb, sondern auch einen Erzähler von starker Wucht und diskretem Humor zu schätzen. Die Wucht dieser eigenartigen, von tiefen, melancholischen Schatten umwehten Kunst verspürte man besonders in den beiden Erzählungen „Das Kind" und „Eine Mutter", die Hofschauspieler Albert Heine zum Schluß mit außerordentlicher Prägnanz unter überaus lebhaftem Beifall vortrug. Zu verzeichnen wäre noch, daß fast alle Tagblätter dieser Vorlesung des Jargon-Dichters ausführliche Berichte widmeten. Zeitschrift en-'Rundschau. Das Jubiläum der hebräischen Tagespresse. In weiten Kreisen der russischen Judenheit und auch weit über die russische Grenze hinaus, wo immer das Interesse für die moderne hebräische Literatur rege ist, wurde am 31. Januar a. St. (13. Februar) ein bedeutsamer Gedenktag gefeiert. An diesem Tage waren nämlich 25 Jahre verflossen, seitdem die erste hebräische Tageszeitung erschienen ist. Bis dahin hatte es bloß hebräische Wochenblätter und Monatsschriften gegeben. Der Begründer des ersten hebräischen Tagblattes, des „Haio m", das drei Jahre lang, von 1886 bis 1889, in St. Petersburg erschien, war Dr. J. L. Kanto r, zur Zeit Kronrabbiner in Biga. Herr Dr. Kantor erhielt zahllose Glückwunschdepeschen und Begrüßungsschreiben aus allen Teilen des russischen Reichs von verschiedenen Körperschaften, literarischen Gesellschaften, Zeitungsredaktionen und Einzelpersonen. Die hebräischen und Jargonzeitungen veröffentlichten längere Jubiläumsartikel sowie Erinnerungen aus den „Kinderjahren" der hebräischen Tagespresse Die unmittelbaren Nachfolger des „Hajom" waren die Tagesblätter „Hameli z" und „H a z e f i r a h", von denen das letztgenannte nach mehrjähriger Unterbrechung wieder in Warschau erscheint. * Eine hebräische Jugendzeitschrift in Palästina. Vom Monat Nissan angefangen wird, vom palästinensischen Lebrerverbande und dem Vereine „Kohelet" herausgegeben, unter der Leitung des hebräischen Schriftstellers S. Ben-Zion (Guttmann) eine monatliche Jngendzeitschrift „Moledet" (Heimat) in Jaffa erscheinen. Dieselbe soll, wie wir dem Prospekte entnehmen, dem Mangel einer passenden hebräischen Literatur für die heranwachsende Jugend (etwa von 13 bis zu 17 Jahren) Abhilfe zu schaffen beginnen. Es sei dem ja noch recht allgemeinen Programm eine ebenso lebendige als für die Dauer bestimmte Verwirklichung gewünscht! Das Programm umfaßt: 1. Erzählungen und Bilder aus Gegenwart und Vergangenheit, Sage und Dichtung; 2. Aufsätze aas der Geschichte Israels und aller Völker, Kulturbilder, Biographien hervorragender Männer; 3. Aufsätze naturkundlichen, völkerkundlichen Inhaltes und aus dem Gesellsohaftsleben, Reiseschilderungen usw.; 4. Verschiedenes aus jüdischer Völkergeschichte, Wissenschaft und Wirklichkeit, Miszellen usw.; 5. Abbildungen aus der Welt der Kunst, Porträts berühmter Männer, Textillustrationen. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. Die Berufung des Dr. S. R. Landau zur Lemberger Enquete war, wie Landmarschall Graf Badeni selbst einem Freunde gegenüber versicherte, bereits beschlossen. Sie wurde jedoch nachträglich vom Abgeordneten Dr. Nathan v. Loewenstein hintertrieben. — Dr. Pr. in S. Die Sammlung von Gutachten über die Lage der Juden in Galizien ist von der J. C. A. lediglich „als Manuskript gedruckt" und daher im Buchhandel nicht erhältlich. Sie können sich aber die Lektüre ersparen; es steht nicht viel Neues darin. — Hauptmann L. Das Buch von Moriz Frühling ist bereits im Druck, und dürfte demnächst erscheinen. — A. K, Die Besprechung folgt in der nächsten Nummer. Unsere nächste Nummer erscheint in größerem Umfange als illustrierte Festnummer (Pessach-Nummer) am 7. April 1911. Wir haben bereits für dieselbe eine Reihe höchst aktueller Aufsätze namhafter Autoren erworben. Die unseren Abonnenten garantierte jährliche Anzahl von 26 Nummern erleidet durch diese Spezialnummer keine Aenderung. Die Redaktion.

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