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Neue Nationalzeitung · 1911-03-17 · Heft 6 (17.3.1911) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 6 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue Nätional-Zeitung' Nr. 6 Schnee eine Höhe von einem halben Meter. Viele Bäume wurden entwurzelt, auch stürzte unter der Last der Schneemassen ein baufälliges Haus ein und begrub zwei junge Moslemin unter seinen Trümmern. Der Straßenverkehr stockte vollständig und die meisten Läden waren geschlossen. Die Telegraphenverbindung war mehrere Tage lang unterbrochen, selbst die Bahnlinien von Jaffa nach Jerusalem sowie von Beirut nach Aleppo und Damaskus mußten den Verkehr einstellen. An der Strecke von Damaskus nach Haifa stürzte ein gewaltiger Felsblock auf einen Zug und zertrümmerte die Lokomotive und einen Güterwagen. Drei Beamte wurden schwer verletzt. Es fehlte nicht viel, daß der von 400 Menschen besetzte Zug die 20 Meter steile Böschung hinuntergestürzt wäre. Ueberaus groß sind die Verwüstungen, die das Unwetter in den Orangengärten Jaffas und der jüdischen Kolonien angerichtet hat. Infolge des Sturmes fielen unzählige Früchte ab und gingen zugrunde. In Pethach-Tikwah haben die Mandelpflanzungen glücklicherweise nicht gelitten, dagegen wurden die Orangengärten sehr hart mitgenommen. Man beziffert den Schaden in Pethach-Tikwah allein auf 50.000 Frcs. In den Bojaren von Jaffa und Umgebung soll sich der Schaden insgesamt auf 400.000—500.000 Frcs. belaufen. Es herrscht hier gegenwartig eine unbeschreibliche Not, so daß ein Eingreifen der ausländischen Wohltätigkeit dringendes Bedürfnis ist. Hunderte von Familien sind infolge der großen Teuerung brotlos. GEMEiNU5=UN& VÄRGkNSNÄlftRitMW Wien. (I. Wiener Jüdischer Turnverein.) Samstag den 25. d. M. findet in den Sofiensälen das diesjährige Schauturnen mit anschließendem Tanzkränzchen statt Karten sowie Logen sind am Turnplatze, IX. Liechtensteinstrafie 20, sowie im Cafe Maria Theresia, I. Maria Theresienstraße 10, jederzeit erhältlich. Beginn präzise 9 Uhr abends. Wien (Verein „Aehwah-Jüdische Brüder", rituelle Volksspeisehalle. Wien, II. Herminengasse 8.) Dieser Verein veranstaltet Samstag, den 18. d. M., im Saale des Hotel Guth, Wien, II, Stefanif Strasse 14, ein P u r i m f e s t, verbunden mit Vorträgen und Tanzkränzchen, dessen Reinerträgnis zur Ausspeisung armer Glaubensbrüder verwendet wird. Eintrittskarten im Vorverkaufe ä K 1.20 im Vereinslokale erhältlich. Wien. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim, Wien, IX, Türkenstraße 17.) Gesuche um Aufnahme in die diesjährigen Kolonien sind an jedem Mittwoch, Donnerstag und Freitag in der Zeit von 4—6 Uhr nachmittags durch Vater. Mutter oder Vormund persönlich unter Mitbringung d?s Kindts, im Vereinsbureau, IX, Tü-kenstraße 17, vorzubringen Mitnahme eines Armutszeugnisses erwünscht. Wien. (Oberkantor Don Fuchs.) Am 8. April d. J. werdea es zehn Jahre, daß Oberontor Don Fuchs i.i <!en Di'nst der Kultusgameinde getreten ist. Aus diesem Anlasse hat sich ein Komitee gebildet, das eine Jubiläumsfeier zu veranstalten sich anschickt Dem Komitee gehören Persönlichkeiten aus allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft-an. Wien. (Protest Versammlung der Hausierer.) Der „Erste österr. ltechtsschutzverein für Hausierer'' in Wien beruft, behufs Stellungnahme zu dem am 10. Februar 1. J. im Abgeordnetenhause beschlossenen Hausiergetetze, welches dem allgemeinen Hausierverbote gleichkommt, für Montag den 20. März I. J., um 7 Uhr abends, in Müllers Saal „zum goldenen Widder", II, Taborstraße 36, eine allgemeine Hausiererversammlung ein und ladet alle Hausierer, Fabrikanten, Kaufleute und Professionisten, welche durch dieses Gesetz mitgetroffen sind, zur massenhaften Teilnahme an dieser Versammlung höflichst ein. Tagesordnung : Das neue Hausiergesetz. Referent Herr S. A. Freund. Mehrere Herren Keichsratsabgeordnete werden in dieser Versammlung erscheinen und das Wort ergreifen. Wien (Jüdischer Schul verein für den 9. Bezirk, Seegasse 16.) Zweiter Elternabend am 20. 1. M., präzise halb 8 Uhr abends, im Vereinslokale. Referent Herr Gemeinderabbiner Dr. D. F euch tw a ng. Gäste, auch Damen, willkommen. Kinder haben keinen Zutritt. Wien. (W ohltätigkeitsakademie.) Der humanitäre Verein zur Unterstützung armer, jüdischer Kurbedürftiger (Obmann Dr. Isidor Braun), II, Große Stadtgutgasse 7, veranstaltet am 18. März 1911 im Festsaale „Hotel Central, H., Taborstraße Nr. 8, eine Akademie, deren Reinerträgnis zur Unterstützung armer Kurbedürftiger dienen soll. %U5 AUEN WClttCiLCN Die Feuerbestattung. Der jüngst eingetretene Fall, daß ein orthodoxer Vorsteher der „Polnischen Schul'" in Wien seine Ueberführung nach Gotha behufs Feuerbestattung lelztwillig angeordnet hat, ist ein Beweis, wie weit verbreitet diese ganz unjüdische Einrichtung zu werden beginnt. Es dürften daher nachstehende Vorfälle auch bei uns sehr interessieren: Dieser Tage starb in Regensburg der jüdische Aktiengesellschaftsdireklor Nathan. Da er bestimmt hatte, verbrannt zu werden, verweigerte der Distriklsrabbiner die Aufbahrung der Leiche im jüdischen Leichenhause. Deshalb wurde nun der Rabbiner der Gegenstand eines heftigen Angriffes in der sozialdemokratischen Presse und man wirft ihm Unduldsamkeit vor. Dasselbe tat der Rabbiner in München, als der jüdische Kommerzienrat Lebrecht zur Feuerbestattung nach Ulm überführt wurde : die Ablehnung der Mitwirkung bei einer dem jüdischen Ritus widersprechenden Bestattungsart. Eine sehr interessante Entscheidung über die Frage, ob die Urnenbestattung auf dem jüdischen Friedhofe seitens der Kultusgemeinden abgelehnt werden kann, hat dieser Tage das Leipziger Reichsgerieht in dem Rechtsstreite zwischen der Deutsch -Israelitischen Gemeinde in Hamburg und einem ihrer Mitglieder gefällt. Das Reichsgericht erklärte, daß die Feuerbestattung und die Beisetzung von Aschenurnen auf einem jüdischen Friedhofe mit dem jüdischen Kultus nicht unvereinbar sei, daß weiters „weite Kreise der gläubigen Judenheit die Feuerbestattung als durchaus mit ihrer religiösen Ueberzeugung und mit ihren Religionssitten vereinbar halten" und daß „insbesondere sich niemand in seinem religiösen Bekenntnis gekränkt fühlen könne, neben den Aschenresten eines verbrannten Glaubensgenossen beerdigt zu sein." Das Ende einer hebräischen Lehrkanzel. Das Professorenkollegium der Pariser Universität hat beschlossen, die hebräische Lehrkanzel, die durch den Rücktritt des Professors Philippe B e r g e r vakant geworden ist, in eine Lehrkanzel für die Archäologie von Mittelasien umzugestalten. Die hebräische Kanzel ist nahezu 400 Jahre alt geworden, sie wurde im1 Jahre 1531 gegründet. Auf dieser Kanzel haben stets die bedeutendsten Hebräer und Kenner der Geschichte der Juden doziert, wie Münk, Renan etc. Ein jüdischer Volksschuldirektor — Antisemit! In der Plenarsitzung des Krakauer Kultusvorstandes interpellierte der Kultusrat Gedalje Langrock über das schmachvolle Treiben des jüdischen Religionslehrers Salomon-Spitzer, von dem es bekannt sei, daß er nicht nur Mitarbeiter, sondernauch materieller Förderer der polnischen antisemitischen Zeitung „Prawda" ist. Dieser famose Religionslehrer ist überdies Leiter einer jüdischen Schule in Krakau (am Kazmierz) und mit dem Verfassen jüdischer Religionsbücher und mit der Uebersetzung der hebräischen Gebete ins Polnische betraut. Daß sich das Präsidium der Krakauer Kultusgemeinde so was gefallen läßt, ist sehr merkwürdig. Soll da etwa neues Material für L e s s i n g und Geiger vorbereitet werden? ... Das Testament Lord Swaythlings ist jüngst eröffnet worden. Das Vermögen beträgt 23 Millionen. Mark. Von den Legaten fallen an Wohltätigkeilsiristitütioneh :

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