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Neue Nationalzeitung · 1911-03-03 · Heft 5 (3.3.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 5 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 Die Klagemauer in Jerusalem. In einem Artikel, den die Warschauer „Hazefirah" aus der Feder eines ihrer Jerusalemer Mitarbeiter veröffentlicht, wird der höchst unwürdige Zustand, in dem sich die Klagemauer (Köthel Maarabhi) in Jerusalem befindet, lebhaft beklagt. Der Zugang zu dieser geheiligten Stätte führt durch äußerst schmutzige, von Arabern niedrigsten Standes bewohnte Gäßcben. Die Anwohner verhöhnen und belästigen die Juden, die an der Klagemauer um die Wiederaufrichtung Zions beten, in der gemeinsten, unflätigsten Weise. Der Artikelschreiber führt aus, es sei beschämend für die Judenheit der Diaspora, daß bis heute nicht das Geringste versucht worden ist, um diesem schmachvollen Zustand ein Ende zu machen. Er fordert die jüdischen Wohlfahrlsgesellschaften und Palästinaorganisationen wie überhaupt sämtliche wohlhabenden und einflußreichen jüdischen Kreise Europas und Amerikas auf, eine großangelegte Aktion einzuleiten, um mit Erlaubnis der zuständigen Behörden die Häuser und Plätze in der Umgebung der Klagemauer anzukaufen, den gesamten schmutzigen und verwahrlosten Gebäudekomplex niederzureißen und an dessen Stelle einen großen, freien, gutgepflasterten Platz zu schaffen, welcher der Würde und Heiligkeit des Ortes angemessen wäre. Eine Millionenspende für ein jüdisches Krankenhaus in St» Petersburg. Ein jüdischer Multimillionär hat der jüdischen Gemeinde eine halbe Million Rubel für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in St, Petersburg gespendet. Die Frau im Judentum. In seinem Vortrag, dem letzten des diesjährigen vom Prager Verein „Frauenfortschritt" veranstalteten Zyklus, beschäftigte sich Privatdozent Dr. Isidor Pollak mit der Stellung der Frau im biblischen und nachbiblischen Judentum. Um seinen Ausführungen eine breite, wissenschaftliche Grundlage zu geben, griff er auf die älteste Schöpfungslegende der Juden zurück (die nicht im ersten, sondern im zweiten Kapitel der Genesis enthalten ist) und bewies aus ihr, daß die jüdische Religion im Gegensatz etwa zu der griechischen keine geschlechtliche Auffassung der Schöpfung kennt. Aus dem Satz, daß der Mann Vater und Mutter verlassen und der Frau anhangen solle, geht hervor, daß es in den Urzeiten des Judentums ein Matriach at gegeben habe. Der Vortragende teilte die jüdische Geschichte in ihre wichtigsten Periodea ein und besprach, dieser Einteilung folgend, die jeweilige Stellung der Frau innerhalb der Volksgemeinschaft. Der Dekalog im zweiten Buche Moses spricht der Frau die Eigenberecbtigung ab, schützt sie jedoch durch die Fami ie. Die Ehe ist vom Kult losgelöst und wird als bürgerlicher Akt betrachtet. Das Konnubium mit Frauen anderer Völker war nicht verboten; hatte doch z. B. Moses eine Fremde heimgefürt. Bezeichnend für die Wertschätzung der Frau ist die Rolle, die sie als Prophetin spielt Ohne die gottbegeisterte Deborah weigerte sich Barak, ins Feld zu ziehen. In einem kleinen, aber interessanten Exkurs sprach sich der Redner über die Stellung der jüdischen Propheten aus. Sie waren die eigentliche Stütze der theokratischen Verfassung als die Verkörperung der göttlichen Aufsicht über die Könige. So wenig aber waren sie die Stütze von Thron und Altar, daß sie vielmehr fast alle in Opposition zum Herrscher und der offiziellen Priesterschaft standen. Selbst der Lieblingskönig der Juden, David, muß sich, als er die Schandtat an Uria begangen hat, die Zurechtweisung* des Propheten gefallen lassen. In späterer Zeit ändert sich auch die Stellung der Frau. Im Deuteronomium, das im Jahre 621 unter Hiskias Regierung aufgefunden und dem Kanon der Gesetzessammlung einverleibt wurde, ist die Fassung des zehnten Gebotes revidiert. Früher wurde an dieser Stelle die Frau als zu der Habe gehörig betrachtet, nach der sich der Blick des Nächsten nicht gierig richten darf, jetzt wird sie an erster Stelle und ganz besonders genannt. Redner skizzierte dann den Gang der jüdischen Geschichte von der ersten Tempelzerstörung und dem babylonischen Exil bis zur Rückkehr im Jahre 444 und der Gesetzgebung Esras. Der Ehe wird jetzt eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet; in der Erkenntnis, daß ein kleines, ringsum von Feinden umgebenes Volk sich nur durch Sittenreinheit behaupten könne, -wird auf die Prostitution die Todesstrafe gesetzt und die Ehe mit Heidinnen untersagt. Eine bedeutsame Rolle spielt die Frau beim Aufstand der Makkabäer; um die Ehre ihrer Schwester ru rächen, greifen die Söhne des Matathias zum Schwert. Besonders machte der Vortragende auf die in diesen späteren Zeiten entstandene Spruchsammlung aufmerksam, in welcher der Frau als Gattin und Hausmutter Lobsprüche gespendet werden, wie sie im griechischen »oder römischen Literaturbereich undenkbar wären und die in einem wohltuenden Gegensatz stehen zu dem Passus einer pseudodemostheniociien Rede, in welcher von den Frauen in zynischem Ton gesprochen wird. Nach einer Besprechung der im Talmud sich findenden Belegstellen warf der Redner einen Blick, auf die spätere Zeit des Judentums, das innerhalb eines mustergiltigeri Familienlebens die Würde der Frauen immer hochgehalten habe. Todesnachricht. Am 20. d. M. ist in Wien Frau Jeanette Herzl, die Mutter Dr. Theodor Herzls, im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie wurde am Döblinger Friedhof an der Seite ihres Mannes und ihres Sohnes bestattet. Hinter den Enkelkindern der Verewigten, Hans und Tru de Herzl, die dem Leichenwagen folgten, schritten die in Wien anwesenden Mitglieder des Aktionskomitees. In dem Trauergefolge befanden sich auch zahlreiche Schriftsteller und Journalisten. Die Verblichene hatte letztwillig verfügt, ddß keine Traueireden gehalten werden sollten. Auf dem Friedhot sprach infolgedessen bloß Rabbiner Dr. Feuchtwang. bisfe der Ausgetretenen. Vom 15. bis 28. Februar 1911. (Nr. 61—90). Albrecht Hugo, Student, geb. 8. Mai 1887, Wien, XIX. Silberg. 1. Baumann Ida, Volksschultehrerin, geb. 25. April 1845, XIX. Gymnasiumstraße 60a. Blomky Siegfried, Handlungsgehilfe, geb. 9. Mai 1887, Wien, IX. Salzergasse 23. Breitenfeld Josef, Privat-Beamter, geb. 21. Oktober 1883 in Kamenicek, Böhmen, VIII. Piaristengasse 49. Dornhelm Alexander Friedrich, geb. 6 Oktober 1889 in Lugos, VIII. Skodagasse 23. Ehrenstein Alfred, Ingenieur, geb. 31. Mai 1871 in Rohrau, IX. Aiserbachstraße b5 Ehrenstein Anna geb. Blitz, Maschintnoberkommissärsgattin, geb. 24 Juli 1884 in Proßnilz, IX. Alserbacbsiraße 35. Flesch Maximilian, Privatier, geb. 7. Mai 1839 in Ntu-Rausnitz, Mähren, XIII. Stadt. Versorgung Lainz. Klein Peschin, Näherin, geb. 24. Juli 1881, Wien, XVIII. Edelhofergasse 6. Kurz Johanna, Mascbinstickerin, geb. 21. Dezember 1873 in Rajka, Westfalen, II. Vorgartenstraße 132. Landau Josefine, geb. 30. April 1886 in Banjaluka, III. Stanis- Jausgasse 4. Löffner Leopold, Bahnbediensleter, geb. 7. Juli 1886, Wien, II. Ruepp^asse 38. Popper Ernst, Kaufmann, geb. 10. Juni 1882, Wien, II. Taborstraße IIa. Singer Hildegarde, Gescbättsleiterin, geb. 25. September 1874, Wien, IX. Hahngaese 22. Schwarz Johanna, Privat, geb. 23. Jänner 1884 in Lewa, Ungarn, VI. MariahilteiStrasse 113. Wellisch Sofie, Privat. 13. Juli 1884 in Lackenbach, IX. Pflugg. 6. Windner Dr. Leopold, prakt. Arzt, geb. 10. Oktober 1877, Wien, VIII Strozzigasse 1. Weil Emilie, Privat, ledig, geb. 4. März 1878 in Brandeis an der Elbe, XIII Schönbrunnerstraße 290. Ujhazi Ludwig, Kaufmann, ledig, geb. 19. März 1888 in Budapest, I. Anna£asse 1. Sborowitz Max, ledig, geb. 21. März 1884 in Proßnitz, XVL Helltrasse 4 Luzker Rudolf, ledig, geb. 25. Juni 1855, XVI. Stillfriedplatz 3. Hajek Gustav, Schuhmachergehilfe, ledig, geb. 15. Mai 1886, XX. Brigittalände 42. Lustig Otto, geb. 17. November 1886 in Paris. Rosenzweig |ulie, Kassierin, ledig, geb. 1. Dezamber 1886. in Teplitz, XX. Salzacbstraße 21. Holländer Irene, ledig, geb. 20. September 1880 in Kaschau, III. Marxergasse 15. Nagel Friedrich Fritz, Architekt, ledig, geb. 19. Juni 1885, IX Widerhofergasse 8. Nagel Olga, Private, ledig, geb. 8. Oktober 1888, IX. Nußdorferstraße 4. " Dr. Grünwald Hermann Friedrich, Arzt, ledig, geb. 29. Jänner 1880, IX. Porzellangasse 31a. Fürst Edith, Künstlerin, ledig, geb. 23. Februar 1890, II. Asperngasse. Hotel de l'Europe. Löbl Viktor, Techniker, ledig, geb. 9. November 1885 in Saaz. (Böhmen), IV. Mostgasse 14.

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