Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 „Neue National-Zeitung" Seite 9 stocken und alle Bauern würden in schwere Abhängigkeit von den Großgrundbesitzern geraten. In ausführlicher warmer Rede trat der jüdi che Abgeordnete N i s s e 1 o w i t s c h für die Annahme des Entwurfs ein. Schließlich wurde der Gesetzentwurf mit 208 gegen 138 Stimmen einer Kommission (der Kommission für die Fragen über die persönliche Unantastbarkeit ) überwiesen und für die Ausarbeitung des Entwurfs die Frist von einem Monat bestimmt. GEMEINUS=unö V5R£iN*NfclftRilWW Wien. (Wiener Spar- und Kredit - Gesellschaft.) Die X. ordentliche Generalversammlung findet Mittwoch den 8. Mä-z 1911, 7 Uhr abends, im Festsaale dps Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, IV. Schwarzenbe>gplatz 16, statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bi anzvorlage für das Jahr 1910. 2 Bericht und Antrag des Aufsichtsrates. 3. Verlesung des staatlichen Revisionsberichtes. 4. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 5. Ergänzungrswahl in die Di'ektion und den Aufsichtsrat. 6. Anträge und Inte'pellationen der Mitglieder. Wien. Der zionistische Mädchenverein „Moriah" veranstaltet am Ponnerstas den 9. März 1911 in den Sälen des Hotel .Continental", II., Taborstraße. eine Maskenredoute. Die Musik besorgt die Kapelle des k. u. k. Infanterieregimentes Nr. 99 Tanzarrangement Herr Prof. Low. Der Gruppeneinzi'g erfolgt präzise 10 Uhr. Einz-lkanen K 3.— (für Studenten K 1.50), Familienkarten (ä 3 Personen) K 8.— sind erhältlich im Vereinslokal, IX., Türkenstraße 9. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag den 9. März 1911, präzise halb 8 Uhr ahends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines. I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Prof. Ludwig Stein aus Berlin statt. Thema: „Die n onistische Bewegung der Gegenwart und das Judentum". Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Arbeiterverein zur Förderung jüdischer Literatur und Wissenschaft.) Sonntag den 5. März, 2 Uhr nachmittags, wird im Cafe Dohan, Untere Ausartenstraße 26, Herr Maxim Anin einen Vortrag halten: „Otto Weiningar über das Judentum". Eintritt 10 H. Wien. (Verein der „Kolomeer und Umgebung" in Wien.) Sonntag den 12. d. M. veranstaltet der Verein im Prachtsaale des Hotels „Bayerischer Hof" eine große Wohltätigkeits- Akademie mit anschließendem Ball. Vom reichhaltigen Programm der Akademie set nur erwähnt, daß die Operette „Herr und Frau Biedermayer" von Ziehrer zur Aufführung gelangt und daß Herr Waldemar vom Carltheater mitwirken wird. Karten im Vorverkauf ä 2 K sind bei allen Komiteemitgliedern und im Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, erhältlich. Das Reinerträgnis fällt ausschließlich wohltätigen Zwecken zu. %J5 gilsk weß«iiM Neue Ausweisungen der Juden in Russland. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhält folgendes Telegramm: Petersburg, den 23. Februar 1911. Aus dem Gouvernement Tschernigoff kommen Nachrichten über massenweise Ausweisungen von Juden. Aus dem Kreise Surasch dieses Gouvernements werden allein 219 Familien von der Ausweisung betroffen. Diese völlig gesetzlosen Ausweisungen vollziehen sich zudem unter sehr grausamen Begleitumständen. Um die jüdischen Familien zur schleunigen Abreise zu zwingen, werden bei 30 Grad Kälte die Türen und die Fenster ihrer Wohnungen von der Polizei geöffnet, so daß die Ausgewiesenen schwer zu leiden haben. Der Gouverneur von Tschernigoff befahl, alle gesetzlichen Beschwerden der Juden gegen die Ausweisungen ohne Prüfung abzuweisen. Rabbi Schalom Mordechai Schwadron in Brzezany ist am 15. v. M. im Alter von 77 Jahren verschieden. Rabbiner Schwadron galt in Galizien als die größte zeitgenössische Autorität auf talmudischem Gebiete. Während seiner 40iäbrigen rabbinischen Amtstätigkeit ergingen an ihn zahllose halachische Anfragen aus den verschiedensten Ländern, und seine Entscheidung wurde in den verwickeltsten Streitfragen der religiösen Praxis angerufen. Seine Responsen, die zum grossen Teile bereits veröffentlicht sind, füllen viele Bände und zählen zu den geschätztesten Sammlungen dieser Art. Hofrat Dr. Skedi, der Abgeordnete der jüdischen Majorität von Suczawa-Radautz-Sereth beginnt seinen verschämten Antisemitismus abzulegen. Als Klubgenosse der radikalen Antisemiten nimmt er auch keinen Anstoß, im „Deutschen Volksblatt8 von Vergani mitzuarbeiten. Mit Recht fragt ein Czernowitzer Blatt, was wohl die Kultuspräsidenten seines Wahlbezirkes dazu sagen? Die Organisation der jüdischen Farmerzöglinge in ISordainerika. Im Oktober 1908 gründeten zahlreiche Zöglinge der in den Vereinigten Staaten bestehenden jüdischen Ackerbauschulen einen Verein unter dem Namen „Ha-Ikkar Hazair be-Amerika" („Der junge Landwirt in Amerik a:t). Der Zweck dieses Vereines ist, einen Stab tüchtiger, gutgeschulter jüdischer Ackerbauer für die Niederlassung in Palästina heranzubilden. Die Mitglieder sollen sämtliche Zweige der Landwirtschaft in Amerika theoretisch und praktisch gründlich erlernen und sich nach einer Reihe von Jahren in Palästina ansiedeln. Der Verein geht von der Voraussetzung aus, daß die nach Palästina einwandernden landwirtschaftlichen Arbeiter von vornherein ein ausreichendes Maß landwirtschaftlicher Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen müssen, und daß beim Vorhandensein eines derart vorgebildeten Menschenmaterials die bisher in Palästina beobachteten bedenklichen Erscheinungen der Auswanderung usw. verschwinden werden. Die großartigen Erfolge der jüdischen Akerbauschulen in Nordamerika, die erst vor kurzem auf der Konferenz des Jüdischen Farmerbundes wieder öffentlich festgestellt worden sind, lehren uns, daß es durchaus nicht so schwierig ist, wie viele glauben, jüdische junge Leute zu tüchtigen Ackerbauern zu erziehen. Der Verein „Ha-Ikkar Hazair be-Amerika" hat in dieser Hinsicht selbst sehr günstige Erfahrungen gemacht und hält es im Interesse der jüdischen Palästinakolonisation für überaus wünschenswert, daß sich in Amerika wie in Europa gleichstrebende Jugendgruppen bilden. Der Sekretär des Vereines (Adresse: Mr. M. Levine, c/o. S. T. Haight Jr. Earlv i 11 e III.) ist zu Auskünften aller Art gern bereit. Ist der Vorwurf der Taufe eine Beleidigung? Der Redakteur einer ungarischen Provinzzeitung meldete von dem Beamten der jüdischen Gemeinde seiner Stadt, daß derselbe getauft sei und als getaufter Jude eine Anstellung bei einer jüdischen Gemeinde angenommen habe. Die erste Instanz verurteilte den Redakteur, weil dieser uicht beweisen konnte, daß der Privatkläger getauft sei, wegen Verleumdung zu 120 K Geldstrafe. Die Budapester königl. Tafel kassierte —■ wie „Ugyvidek Lavia'* mitteilt — dieser Tage das Urteil der ersten Instanz und sprach den Angeklagten frei. In der Begründung des Urteils heißt es: „Der Ueberlritt von einem Glaubensbekenntnisse zum anderen bildet das gesetzlich gewährleistete Recht eines jeden Bürgers, das sehr viele in Anspruch nehmen. Demnach ist der Uebertritt weder eine strafbare, noch eine solche Handlung, die die allgemeine Verachtung zur Folge haben würde. Selbst wenn dieser Uebertritt einen vermögensrechtlichen Nachteil verursacht hat, wie dies angeblich im vorliegenden Falle geschehen, bildet die Behauptung, daß der Betreffende getauft sei, noch nicht den Tatbestand der Verleumdung.