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Neue Nationalzeitung · 1911-03-03 · Heft 5 (3.3.1911) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 5 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 „Neue National-Zeittmg" Seite 7 daß man sieh momentan ohne Einwanderung begehen kann. ,Der Mohr hat seine Pflicht getan — der Mohr kann gehen.' Die Einwanderung hat Amerika alles gegeben, was es nur benötigte, nun darf die Immigration erstickt werden. Das ist die Philosophie, das die Moral, die Lehre zur neuen Erlösung Amerikas und es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Lehre ein Stück Wirklichkeit werden wiid." * Die Hölle auF Ellis Island. Die strengsten Gesetze gegen die Einwanderung sind noch ein Kinderspiel gegenüber der grausamen Behandlung, welche auf Ellis Island, der Eintrittsstation nach Newyork, den armen Einwanderern zu teil wird. Allerdings bemüht sich der allgewaltige Einwanderungs-Kommissär Williams die Zustände zu beschönigen. Darum verdient es besonders hervorgehoben zu werden, daß der Newyorker Richter Holt diese Wirtschaft gehörig stigmatisiert. Er tat dies in zwei Fällen. So hat er am 2. Februar in dem Habeas Corpus-Verfahren zugunsten des Eingewanderten Arthur Bosny und seiner Frau an dem Vorgehen der Einwanderungs-Inspektoren scharfe Kritik geübt und es für rechtswidrig erklärt, daß die Inspektoren zugleich als Untersuchungsrichter und als Richter fungieren. Auch hat er die zweifelhaften Mittel, denen sie sich zu Erreichung ihrer Zwecke — Ausschließung von Ausländern — bedienen, aufs Entschiedenste verworfen. In einem zweiten Falle — der Anna Rafalowitsch — brandmarkt Richter Holt das Vorgehen der streberischen Einwanderungsbeamten mit folgenden Worten: „Ich habe die zahlreichen, die Akten . dieses Falles bildenden Papiere eingehend durchgesehen, mit dem üblichen Resultate. Der Sekretär des Departements für Handel und Arbeit hat den ernsten Versuch gemacht, die Wahrheit zu erfahren und Gerechtigkeit walten zu lassen. Die Inspektoren, welche den Fall in Händen halten, bekunden durch die Bank ein verwerfliches Bemühen, die Frau auf alle Fälle zu überführen. Die zahlreichen Fragen im ersten Verhör der Frau durch den Buffaloer Inspektor, mit denen er ihr Fallen stellte, um sie zu Zugeständnissen zu bewegen und in denen er Tatsachen voraussetzt, die durchaus unerwiesen sind, die aber, wenn sie erwiesen wären, die Schuld der Frau dartun würden; die unwahrscheinlichen Angaben in dem Berichte des Newyorker Inspektors über die Zugeständnisse des früheren Anwaltes der Frau, Ryan, die Ryan jedoch in einer beschworenen Aussage absolut in Abrede stellt; die wiederholten Behauptungen der beiden Inspektoren, daß die das Moskowitzsche Restaurant, in dem die Frau als Köchin angestellt war, frequentierenden Leute von schlechtem Rufe seien, Behauptungen, die, selbst wenn sie wahr wären, mit der Frage, ob die Frau sich später des ihr zur Last gelegten Vergehens schuldig gemacht hat, durchaus nichts zu tun haben, und vieles andere in der Arbeit der Inspektoren deutet darauf hin, daß sie in dem Falle keine unparteiische Untersuchung vorgenommen haben. * Staatssekretär Nagel und die „Ito". Wir erhalten vom Norddeutschen Telegraphen- und Correspondenz-Bureau für Schiffahrt und Kolonisation in Berlin folgende Mitteilung: „Nach einer uns soeben zugegangenen Nachricht hat der nordamerikanisehe Staatssekrelär für Handel und Gewerbe, Dr. Nagel, sich durchaus für die von der jüdischen Wohlfahrtsvereinigung, insbesondere von dem „Hilfsverein der deutschen Juden" sowie von der russischen „Ito" unternommenen planmäßigen Ueberleilung jüdischer Auswanderer nach Arbeiter und Handwerker bedürftigen Staaten des Südens, vornehmlich Texas, ausgesprochen, wobei die Regierung der Vereinigten Staaten die Arbeit obiger Vereine als zweckmäßig und patriotisch bezeichnete." * Die Einwanderungsfrage im englischen Parlament. Die Frage der Aliens kam dieser Tage im Parlament zur Sprache. Mr. Churchill, der Minister des Innern, wurde von den Konservativen angegriffen, die ihm vorwarfen, daß er den Aliens Act nicht vorschriftsmäßig durchführe. Mr. Churchill wies jedoch die Angriffe zurück und führte den Nachweis, daß im Laufe des Jahres 1910 kaum 4000 Immigranten sich in England niedergelassen haben. Er versprach jedoch neue Maßregeln gegen die Einwanderung ausländischer Verbrecher zu treffen. Welcher Natur diese Maßregeln sein werden, ist einstweilen unbekannt. Die Prüfung der Einwanderer wird jetzt wieder sehr streng gehandhabt. ♦ Die polnische Einigrations-Gesellschaft in Krakau. Die in unserer vorletzten Nummer anläßlich der Besprechung der Lemberger Enquete und ihrer Außerachtlassung der jüdischen Emigration angeführten Daten betreffs der Polnischen Emigrations-Gesellschaft in Krakau haben den Direktor dieser Gesellschaft, Herrn Okolowicz, veranlaßt, uns mit Brief vom 24. v. M. um Aufnahme einer Richtigstellung zu ersuchen. Herr Direktor Okolowicz gibt an, daß die Gesellschaft vom galizischen Landesausschusse bloß eine Jahre s-Subvention von 6000 K und von der Zentralregierung zur Errichtung einer Emigrantenhalle bloß 10.000 K als Subvention erhalten hat; auch stehe sie nicht unter dem Protektorate des Landesausschusses. Zum Schlüsse meint Herr Okolowicz, daß die Halle allen Emigranten ohne Unterschied der Konfession und Nationalität offen stehe. Leider vermissen wir in dem uns gleichzeitig zugesandten Jahresberichte jeden Ausweis, ob die mannigfachen Wohlfahrtseinrichtungen der Gesellschaft auch von jüdischen Auswanderern in Anspruch genommen wurden. Das ist nicht geschehen. Die jüdische Emigration verträgt keine Vermischung mit der polnischen oder ruthenischen. * Rituelle Verpflegung auf den Schiifen des Oesterreichischen Lloyd. Einen von den jüdischen Palästinareisenden bisher sehr unangenehm empfundenen Mangel hat die Direktion des Oesterreichischen Lloyd in entgegenkommender Weise abgestellt, indem von nun an auf den Schiffen der Eillinie Triest-Alexandrien sowie der Syrienlinie (Triest-Jaffa) rituelle Konserven geführt werden, die unter Aufsicht des Rabbinates der israelitischen Religionsgemeinschaft in F r a n k f u r t a. M. bereitet sind. Jüdischen Reisenden I. und II. Klasse, welche auf rituelle Verkösfigung reflektieren, werden diese Konserven auf Wunsch anstatt der üblichen Schiffskost verabreicht. Die Inanspruchnahme ritueller Verköstigung ist rechtzeitig, d. i. spätestens bei Belegung der Plätze, anzumelden. Eine internationale Enquete über die Auswanderungsfrage. Die traurigen Vorgänge in London, an denen, wie die Untersuchung alimählich feststellt, Juden aktiv nicht teilgenommen haben, baben in der gesamten englischen Presse wieder ein Echo gefunden, das besonders für die Juden der östlichen Staaten Europas von großer Bedeutung werden kann. Die meisten Blätter verlangen die weitestgehende Verschärfung des ohnehin schon stark prohibitiven Fremden-

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