Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 ,Neue National-Zeittang" Sehe 5 Dr. Gross schimpft... Der „unabhängige" Abgeordnete des Krakauer Judenviertels ist mit seiner Extrawurst-Politik in eine merkwürdige Gesellschaft hineingeraten: in die Gesellschaft Stapinski's, des „Deutschen Volksblattes" u. dgl. Die Arrangeure der Wiener Massendeputation haben bewiesen, daß sie nicht nur ohne die Hausjuden, sondern auch ohne den Herrn Dr. Groß fertig wurden und nachdem nun alles ganz glatt und in Ordnung vor sich gegangen ist, kann Herr Dr. Groß es nicht verschmerzen, daß er nicht dabei war. Und nun beginnt er in seinem Blatte über die Deputation zu raisonieren, den Arrangeuren Demagogie vorzuwerfen — ein Ausdruck, der sich im Munde des Demagogen von Kazmierz sehr merkwürdig ausnimmt. Sehr treffend wird die merkwürdige Rolle des Herrn Dr. Groß in dem „Monitor" von Breiter charakterisiert. „Abg. Breiter", lesen wir, „hat Herrn Dr. Groß persönlich zur Teilnahme eingeladen, und doch hat er sich von derselben zurückgezogen, ohne eine klare Antwort auf die Einladung zu geben. Wenn es ihn also jetzt schmerzt, daß die jüdischen Abgeordneten die Deputation geführt haben, so trägt er allein die Schuld daran. Herr Dr. Groß findet auszustellen, daß aus der Angelegenheit eine politische Affäre gemacht wurde. Leider ist die Konzessionsverleihung, die wirklich nur eine ökonomische Angelegenheit ist, von allem Anfang und lange vor der Deputation zu einer politischen Affäre gestempelt worden. Das hat niemand ändern können, auch Herr Dr. Groß nicht. Dr. Groß faselt von Demagogie und seine sozialistischen Freunde greifen das Wort sofort auf! Ja, es ist doch merkwürdig, daß diese Herren von Demagogie und Demagogen sprechen, während sie selbst auf diesem Gebiet die größten Meister sind. Ihr hättet ja selbst sehr gerne diese Demonstration veranstaltet, wenn ihr es nur könntet! Dann wäre es gewiß keine Demagogie. Es ist traurig, wenn diese Leute in ihrer Unfähigkeit es gar nicht begreifen, daß sie durch ihre Kritik der Deputation nur die Geschäfte des Statthalters Bobrzynski besorgen." * Ein Dankschreiben. Unsere Redaktion hat nachstehende Zuschrift erhalten : Löbliche Redaktion! Das unterzeichnete Komitee der entrechteten Schenker des G o r 1 i c e r Bezirkes erlaubt sich, um Aufnahme folgender Zeilen ergebenst zu ersuchen. Wir sind nicht imstande, allen denjenigen Vereinen und Persönlichkeiten, die uns armen Verfolgten, Entrechteten und brotlos Gebliebenen während der Massendeputation in Wien mit Rat und Tat Beistand leisteten und uns in unserer trostlosen Lage Trost und Hoffnung spendeten, unseren Daak darzubringen. Spe/iell sprechen wir auf diesem Wege unseren innigsten und ergebensten Dank aus den hochherzigen H» rren Abgeordneten Breiter, Dr. Mahler, Stand und Dr. S t r a u c h e r, den Herren Dr. S. R. L a n d a u, Dr. Z i p s e r, Dr. P e i p e r und Dr. Ehrlich sowie den anderen Versammlungsrednern, Komiteemitgliedem, Universitätshörern etc. etc. Für Veröffentlichung dieser Zeilen ergebenst dankend, zeichnet hochachtungsvoll ergebenst Das Schenkerkomitee. NB. Wir wären auch sehr zum Dank verpflichtet, wenn die löbliche Redaktion auch unserer nachstehenden Anmerkung Raum verleihen würde. Als Beispiel des himmelschreienden Unrechtes, das uns im Gorlicer Bezirk seitens der maßgebenden. Faktoren zugefügt wurde, dienen folgende Fakten : a) In der Stadt Gorlice existierten mit Ende 1910 37 Propinationsschenken. Der Gemeinderat hat auf Anfrage der Bezirkshauptmannschaft in zweimaligem, einstimmigem Votum beschlossen, daß sowohl die bisherige Zahl der Schenker als auch dieselben Schenker für die Zukunft zu erhalten sind. Die Statthalterei hat für Gorlice kaum 15 Schenken bestimmt. Erteilt wurden aber 7 Schankrechte, 1 Bierschankrecht und 1 Verschleißrecht an ganz neue, b is h er i n d iese m B e r u f e gar nicht tätig gewesene, meistens gut situierte Bewerber. Unter diesen Bewerbern fanden sich 1 Fabrikant und Realitätenbesitzer, 1 Realitätenbesitzer, Schweinehändler, Selcherei- und Spezereiwarenhandlungs-Inhaber, die Frau eines Steuerableilungs- Unterbeamten und Realitätenbesitzerin, ferner ein kinderloser Fabriksaufseher und Realilätenbesitzer. Unter diesen Konzessionären sind zwei vorhanden, die auch jetzt nicht einmal das Schankrecht selbst ausüben, sondern es für fettes Geld an gewesene Schenker verpachten. b) Im nahegelegenen Glinik maryampolski wurde dem bisherigen Schenker, der zirka 70 Jahre alt ist und selbst zirka 50 Jahre nach seinem Vater und Großvater das. Schankrecht ausübte und hievon außer seiner Familie noch zwei kranke, großjährige Söhne sowie Waisen von zwei verstorbenen Kindern zu erhalten hatte und für den sich auch sowohl die Gemeinde als auch die Schenkerkorporation aussprach, die Konzession verweigert und an dessen Stelle an eine bisher in einem anderen Bezirke wohnende, hier ganz unbekannte Person in einem unentsprechenden Lokale erteilt. c) Im benachbarten Siary existierten bis nun zwei Schenker, nämlich eine Witwe und ein sehr schwer kranker, inzwischen verstorbener Mann — beide reich mit Kindern versehen. Statt ihrer erhielten aber die Konzession ein reicher Bauer, der, nebenbei bemerkt, Mitglied des Bezirksrates ist und nun das Gewerbe nicht selbst ausübt, sondern es der armen entrechteten Witwe für gutes Geld verpachtete. Diese drei Beispiele zeigen zur Geniige, wie hier mit der Erteilung und Verweigerung der Schankkonzessionen vorgegangen wurde. Unsere P.T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration.