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Neue Nationalzeitung · 1911-02-17 · Heft 4 (17.2.1911) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 4 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 „Neue National-Zeitung" Seite 7 die Abgeordneten Dr. Straucher und Stand in die Privatwohnung des Dr. Stern, um ihn zu bitten, einen angemessenen Betrag aus dem Legate des Barons Rothschild — nicht etwa aus seinem eigenen Gelde — dem Komite für die Verpflegskosten der brotlosen Schenker anzuweisen. Dr. Stern saß im bequemen Fauteuil, am warmen Kamin. Er hörte den Abgeordneten zu und dann meinte er: „Das ist eine politische iSache, dafür kann ich nichts hergeben." Für den Obmann des Polenklubs ist die Deputation eine konfessionelle Sache; für den Kultuspräsidenten aber ist sie eine „politische" Sache. 1700 jüdische Familiener ha lter kommen nach Wien, um hier noch den letzten Rettungsanker zu erfassen, bevor sie verhungern — für den Wiener Kultuspräsidenten ist das eine politische Sache. Mögen sie auf den Straßen übernachten, verhungern oder erfrieren — der Kultuspräsident von Wien, der Millionär Dr. Stern bleibt hart wie ein Stein: im bequemen Fauteuil, am warmen Kamin. Wenn dieser Mann für die Wiener Judengemeinde keine Schande ist, dann gibt es überhaupt kein Schamgefühl! Herr Dr. Stern hat allerdings einen würdigen Genossen : Moses Gartenberg. Einst hieß er bloß Mojsche Gartenberg und war Milchausträger. Aber seitdem er sich Moses nennt und mit seinen durch geglückte Petroleumspekulationen erworbenen Millionen nach Wien übersiedelt ist, will er von Galizien nichts mehr wissen. Zwei Vorstandsmitgliedern des Hilfskomitees, die bei ihm wegen einer Spende vorsprachen, erwiderte der Parvenü: „For solche Sachen geb' ich ka Geld." . . . Als Miiglied der Wiener Gemeinde folgt auch er offenbar dem Vorbilde seines Präsidenten. * Die polizeilichen Massnahmen. Es sei hier anerkannt, daß die Polizeidirektion, speziell die Herren Polizeipräsident Brzesowsky, Regierungsrat G a y e r und Oberkommissär Dr. N owak (Staatspolizei) den Wünschen des Komitees bereitwillig entgegenkamen. Sie haben allerdings unter Berufung auf die Tagung des Abgeordnetenhauses einen förmlichen Straßenaufzug nicht gestattet, allein es wurde der Deputation die Möglichkeit geboten, in Massen über die Ringstraße zu ziehen und eine Tafel voranzutragen. Im Laufe des ganzen Tages hatte die Polizei gar keinen Anlaß einzuschreiten. Die Hallung der Doputationsmitglieder war musterhaft diszipliniert. * Die Schenkerdeputation beim Ministerpräsidenten. Budapest, den 15. Februar. Heute nachmittags empfing Ministerpräsident Freiherr von Bienerth die von den Abgeordneten Dr. Mahler, Stand und Dr. Straucher geführte sechsgliedrige Deputation der galizischen Schenker. Die Abgeordneten stellten die Notlage der brotlos gewordenen Schenker dar und wiesen darauf hin, daß hier einzugreifen vor allem eine Pflicht der Menschlichkeit wäre. Der Ministerpräsident sprach eingehend mit jedem einzelnen Mitglied der Abordnung und ließ sich genau informieren. In längerer Rede führte er dann aus, daß er mit allem Eifer bestrebt sein werde, die vorkommenden Härten zu mildern und wenn es natürlich auch ausgeschlossen wäre, daß alle nun brotlos Gewordenen berücksichtigt würden, werde er doch danach trachten, daß zumindest die alten und zu einem anderen Erwerb unfähigen Leute in erster Linie bei Neuerteilung von Konzessionen berücksichtigt werden. Bezüglich der Schaffung von Uebergangsbestimmungen konnte naturgemäß der Ministerpräsident keinerlei Zusage machen, doch gewann die Deputation den Eindruck, daß seitens des Ministerpräsidenten der Frage aufrichtiges, persönliches Wohlwollen und größte Aufmerksamkeit zugewendet werden wird. Nachdem die Teilnehmer der Deputation, welcher der Ministerpräsident mit der größten Liebenswürdigkeit entgegengekommen war, sich entfernt hatten, nahm Freiherr v. Bienerth die Gelegenheit wahr, sich in eingehender Weise mit den Abgeordneten über die zu ergreifenden Maßnahmen zu besprechen. Er erklärte, er warde sich mit dem Handelsminister Dr. Weiskirchner und dem Statthalter von Galizien nachdrücklich über die Sache auseinandersetzen. Die Deputation reiste abends wieder in die Heimat zurück. * Zum Empfange der jüdischen Schenker. Dem „Verbände der östlichen Juden" sind zu obigem Zwecke nachstehende weitere Spenden zugekommen: Sammlung des Vorstandes des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien durch den Präsidenten Saul Klausner Kronen 40.—, N. N., kais. Rat (mit dem Wunsche anonym zu bleiben) 30.—, Apotheker Rudof A h 1 in Wien (2. Spende) 20.—, Dawid K o 1 i e b in Wien 10.—, Wilhelm Beck & Söhne, ik. k. Hoflieferanten in Wien, 10.—, Alexander Landau in Wien 10.—, Berh. Wachtel in Wien 10.—, Spar- und Kreditverein in Stryj 10.—, Sammlung Hermann Dickstein in Wien 11.—. (Abr. Grünspann 1.—, Hermann Jorysz 1.—, Nathan Zeisel 1.—, Samuel Sternberg 2.—, Hermann Dickstein 2.—, H. Gassner t.—, Leon Lilien 1.—, Max Gleich 1.—, Sigfried Kintisch 1. —), J. Willner 4.—, Sammlung Adolf Pinkusfeld in Prag 10.— (Don Kleinberger 2.—, Adolf Pinkusfeld 5.—, Balbine Pinkusfeld 3.—), Sammlung J. Kraus in Pitomaca 7.—, (J. Kraus' Sohn 4.—, H. Böhm 1.—. Schlesinger Mor. 2. —), Sammlung des Rabbiner Dr. Brettholz in Triest 48.— (Dr. Brettholz 10.—, Hermann Krebs 10.—, Jakob Beutel 10.—, Is. Nadel 10.—, Giula Jolles 5.—, Adolf Birnbaum 2.—, Armin Goldberger 1.—). Sammlung Julius Chachamowic, Realschüler in Sarajevo, 24.— (Schreibmaschinen-Spezialhaus Hatschek 5.—. Auguste Holländer 3. —, Jüdischer Landesverein „Achdus" 5.—, P. Zirndorf 5.—, Josef Steckhammer 2.—, S. Chachamowic 2.—, Ch. Weitzner 2.—), Sammlung Salomon T a s k i e r in Biala 4.— (Karl Singer in Lipnik 1.—, Moritz Weissberger in Alzen 1.—> Salomon Taskier 2.—), Sammlung Salo Braff 11.20, Rabb. Dr. H. E. Kaufmann in Virovitica 4.—, Sammlung Friedr. Krüh, Präsident der „Kolomeaer" in Wien 27.—. — Zusammen Kronen 290.20. — Hierzu die bereits ausgewiesenen K. 329.—. ergibt sich ein Gesamtbetrag von Kronen 619.20. * Allen edlen Spendern, die uns in die Lage versetzt haben, die Gäste unterzubringen und zu bewirten, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Es war ein Akt echt jüdischer Barmherzigkeit, der damit ermöglicht wurde. Das Hilfskomitee des „Verbandes der östlichen Juden".

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