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Neue Nationalzeitung · 1911-02-17 · Heft 4 (17.2.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 4 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 „Neue National-Zeitung" Seite 5 schulen und Handwerkerschulen gar nicht aufgenommen, die Genossenschaften machen ihnen die größten Schwierigkeiten, Staat und Land unterstützen reichlich die Kolka rolnicze, welche euch Landjuden ausgehungert haben — und da will der Obmann des Poienklubs in Wien der öffentlichen Meinung einreden, es gebe in Gaiizien keinen Antisemitismus! Dem muß entgegengetreten werden und es muß gesagt werden: Es ist alles Heuchelei, was Dr. Lazarski gesprochen hat. Die Rede des Herrn Dr. Lazarski war nur eine politische Agitationsrede. Sie war eine Provokation der jüdischen Bevölkerung. Nach dieser Rede des Dr. Lazarski steht es fest, daß von dieser Seite gar nichts zu erwarten ist. Sowohl Bobrzynski als als auch der Polenklub haben ein Interesse daran, antisemitischen Strömungen zu schmeicheln. Es war sonach ein großes Verdienst des Hi rrn Abgeordneten Breiter, daß er den Entschluß gefaßt hat, Sie hieher nach Wien zu bringen und ebenso ein Verdienst des Herren Abgeordneten Dr. Straucher, daß er die Bukowinaer Schenker für denselben Zweck organisiert hat. Wir erwarten nun die Entscheidung der Ministerien, der Zentralbehörden. Wir wollen sehen, ob sie das Vorgehen des erzklerikalen Bobrzynski billigen werden, ob es im Staate Österreich möglich ist, Tausende Familien, die loyale Staatsbürger sind, von Staats wegen aufs Pflaster zu werfen. Ich beantrage daher folgende Resolution: ,Die am 14. Februar 1911 veranstaltete Versammlung der broth s' n jüdischen Schenker aus Gaiizien erwartet zuversichtlich, daß die Zentralbehörden in Anbetracht der furchtbaren Notlage und der zu einer Katastrophe führenden Entziehung ihres bisherigen Erwerbes den vielen Tausenden der galizischen Schenker durch Schaffung von gerechten Uebergangsbestimmungenim Sinne des überreichten Memorandums die Möglichkeit bieten werden, sich auch weiterhin eine ehrliche, menschenwürdige Existenz zu schaffen.' Am Schlüsse der Versammlung werde ich die Resolution zur Abstimmung bringen." Nach dieser, mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede ergriff Abg. Dr. Straucher das Wort: Rede des Abg. Dr. Straucher. „ Stammesbrüder! Dr. Landau ist ein böser Kritiker; er will nicht anerkennen die Verdienste des Dr. Löwenstein und Dr. Kolischer. Baron Moysa hat zwei Konzessionen bekommen. Haben also Löwenstein und K o 1 is c h e r nicht gearbeitet? Aber sie waren nicht bemüht, Euch Schenkern zu helfen, die spät in die Nacht arbeiten, denen man das Brot genommen hat. Brüder, fahret ruhig nach Hiuse, Doktor Löwenstein ist indenAdelstanderhoben worden, was brauchet Ihr mehr? Dr. Kolischer, der keine andere Sorge hat, als die Eisenbahnen zu sanieren und für die Finanzpolitik des Polenklubs zu sorgen, bleibt der Nationalökonom des Polenklubs. Was stört sie Euer Los, Euer Unglück, Euere Brotlosigkeit? ... Wo waren sie im entscheidenden Moment! Stellet Euch vor, wenn heute bei der ganzen Aktion alle jüdischen Abgeordneten gearbeitet hätten, Löwenstein und Kolischer, wenn nach außen hin die Einmütigkeit geherrscht hätte, welcher Erfolg wäre da'. Da halte Dr. Landau nicht so reden dürfen und auch wir hätten andere Worte gehört. Abg. Dr. Lazarski und ein anderer Politiker meinten, wir übertreiben; d-nn die Aufhebung der Prophiation kam gar nicht um ermutet und die großen Massen der Juden hätten Gelegenheit gehabt, eine andere Beschäftigung zu ergreifen. Ja, meine Freunde, um auf die alb n Tilge etwas anderes anzugreifen, muß man die Mittel dazu haben. Abg Dr. Löwenstein hat für sich gesorgt, die Enquete mußte verschoben werden, weil Dr. Löwenstein in Berlin ein großes Geldgeschäft machen mußte. Im März 1907 ging Dr. Löwenshin in die Synagoge von Drohobycz und hat dort einen Eid geleistet. Ist er seitdem dort gesehen worden? (Rufe: Nein!) Was tat Dr. Löwenstein im Jahre 1907 im Parlament? Er ist lo.-gezogen gegen die Jüdisch-Nationalen, gegen den Jüdischen Klub. Warum schickt man Kolischer, Löwenstein nicht in christliche Bezirke, wenn in Gaiizien kein Antisemitismus herrscht? Wenn wir vereinigt im Parlamente wären, welchen Erfolg könnten wir für Euch erzielen; unser Herz ist warm, wir fühlen für Euch. Im Dezember vorigen Jahres als ich im Parlament das Schenkerelend in Gaiizien vertrat, standen diese Abgeordneten in den Kouloirs und schauten bloß durch die Glasscheiben herein. In Saybusch darf kein Jude wohnen und Abgeordneter Dr. Lazarski bestreitet, daß in Gaiizien Antisemitismus herrs«htl Wir kamen hieher und glaubten, daß die Zentralregierung von d»n Landessteilen informiert ist. Heute hatten wir Audienzen bei Dr. W e i s k i r c h n e r und Z a 1 e s k i. Wir haben uns gar kein Blatt vor den Mund genommen; wir haben den Ministem genau und unzweifelhaft ai>gedeutet, wo das Uebel, wo die Korruption ist, wie die Juden, die das Gewerbe persönlich betreiben, leer ausgehen und nun gezwungen sind, diese Konzessionen von den reichen Leuten zu verlangen; diesen müssen sie jetzt den schweren Pachtschilling zahlen; aus ihren Fingern spritzt das Blut, das ist erpreßtes Geld. Der Herr Handelsminister hat viel gesprochen und schön gesprochen und sagte, er wird sich berichten lassen von den Landesstellen. Ich habe ihm den Rat gegeben, er möge sich von den Landesstellen auch bekannt geben lassen, die Rubrik »Beruf* der neuen Konzessionäre. Die Herren Kollegen vom Polenklub haben Gelegenheit gehabt, einzugreifen. Wo sind sie? (Rufe: Pfui den jüdischen Verrätern!) Wir haben noch den schweren Weg zum Ministerpräsidenten nach Budapest, wir werden ihm Euere Beschwerden vorbringen. Eines aber hoffe und erwarte ich: In dieser schweren Zeit wird aufgehen die wahre jüdische Einigkeit." (Stürmischer Applaus.) Die Rede Dr. Strauchers mit ihrem warmen, echt volkstümlichen Ton hat auf die Massenversammlung einen sehr großen Eindruck gemacht. Rede des Abg. Dr. Mahler. Der folgende Redner, Abg. Dr. M a h 1 e r, schilderte den freundlichen Empfang der Deputation in der kaiserlichen Kabinettskanzlei; dann sagte er: »Wir wollen das Recht auf Leben, das mit uns geboren ist, und hoffen, dieses Recht in Oesterreich erlangen zu können. Denn unser Vaterland ist noch ein Rechtsstaat und an seiner Spitze sehen wir einen Hort der Gerechtigkeit und Güte, und wir Juden wissen, daß der Kaiser die armen jüdischen Schenker nicht vergessen wird. Wir verlangen bloß unser Recht, aber keine Vorrechte. Man kann es ruhig sagen: Wenn irgend einem anderen

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