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Neue Nationalzeitung · 1911-02-17 · Heft 4 (17.2.1911) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 4 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Neue National-Zeitung" Nr. 4 der Reise zermorscht und zerbrochen ankamen, die ihnen ein Wort des Trostes und der Hoffnung entboten. Der „Verband der östlichen Juden*, der hier seine Feuerprobe bestanden hat, die zionistische Studentenschaft, die Speisenhallen der „Einheit" und der „Achwah? haben mit den bescheidenen Mitteln, die ihnen zu Gebote standen, Bedeutendes geleistet; ihnen ist der imposante äußere Erfolg dieser grandiosen Massendeputation zu verdanken. Daß die Deputation auch einen praktischen Erfolg haben wird, daran ist nicht zu zweifeln. Das verbürgt die Enunziation des kaiserlichen Kabinettsdirektors, das steht nach dem sympathischen Empfange der Deputation beim Ministerpräsidenten zu erwarten. Die unfreundliche Haltung des Polenklubs und die gewundene Erklärung des Handelsministers haben niemanden überrascht und sie sind gleichgiltig, wenn der Ministerpräsident den festen Willen hat, im Interesse des österreichischen Staatsgedankens und der Menschlichkeit den Opfern des Bobrzynski'schen Autonomiewahnes -zu ihrem Erwerbe zu helfen. Baron Bienerth hat wiedeiholt bewiesen, daß ihn die Launen des herrschsüchtigen Polenklubs nicht einschüchtern, wenn das öffentliche oder Staatswohl in Betracht kommt. Es wäre gewiß eine Illusion zu glauben, daß alle ehemaligen Schenker Konzessionen erhalten werden. Allein wenn wenigstens der würdigste Teil von ihnen, die Greise, Arbeitsunfähigen und Witwen, die bisher den Schenkerberuf ausgeübt haben, Berücksichtigung finden, dann hat der Appell an den Kaiser und an die Minister reiche Früchte getragen. Diesen Erfolg erwarten wir unbedingt. Deshalb muß auch das große Verdienst, welches sich Abg. Ernst Breiter durch seine Initiative zur Deputation und durch das mühsame Arrangement derselben erworben hat, voll anerkannt werden. Die Mitglieder des Jüdischen Klubs haben voll und ganz ihre Pflicht erfüllt. Ueber jene Abgeordneten „Ihrer Konfession" — wie der Obmann des Polenklubs sie nannte — die zu Hause geblieben sind, sowohl die Hausjuden, als die Sozialdemokraten und den „Unabhängigen", von Krakau, überlassen wir das Urteil der jüdischen Öffentlichkeit. Sie haben durch ihre Abwesenheit bei dieser großartigen jüdischen Protest-Manifestation bewiesen, daß sie entbehrlich sind. Auch diese Erkenntnis gehört mit zu den Erfolgen der jüdischen Massendeputation. Dr. S. R. Landau. * Die Ankunft am Nordbahnhof. Schon um 10 Uhr nachts herrschte am Montag vor dem Nordbahnhof ein sehr lebhaftes Treiben. In den umliegenden Cafes versammelten sich die Mitglieder des Hilfskomitees, die jüdisch-nationale Studentenschaft, Verwandte und Bekannte der eintreffenden Schenker, sowie zahlreiche Freunde der guten Sache. Es wurden noch die letzten Vorbereitungen zum Empfange getroffen. Es hieß, daß die zwei Separatzüge um 12 Uhr 8 Minuten, respektive 1 Uhr 14 Minuten eintreffen, werden. Bald kamen jedoch Nachrichten, daß die Züge unierwegs Verspätungen erlitten haben, bis es feststand, daS sie ungefähr mit einer Stunde Verspätung ankommen. Inzwischen hatten sich am Perron die Abg. Dr. M a h 1 e r und Stand, Dr. S. R. Landau als Obmann des Hilfskomitees, Dr. Zipser, Doktor. Weisengrün, die quartiermachenden Studenten und zahlreiche Journalisten eingefunden. Sehr lebhaft wurde die, Frage ventiliert, wie viele Personen eintreffen werden. Das letzte Telegramm, welches vom Abgeordneten Breiter an Dr. L a n d a u aus Krakau abgegangen war, lautete auf 1500 Teilnehmer. Man mußte aber damit rechnen, daß sich in den weiteren Stationen, Trzebinia, Ghrzanöw, Oswiecim noch mehr Personen anschließen werden. Um viertel 2 Uhr traf der erste Zug ein. Es entstiegen zuerst die Abg. Breiter und Dr. Straucher, die allerseits lebhaft begrüßt worden. Die erste Frage, die an Breiter gerichtet wurde, bezog sich auf die Zahl der Teilnehmer. 1700 war die Antwort. Allmählich leerten sich die Waggons. Man sah Greise, Frauen und jüngere Männer. Sie waren alle müde und abgehärmt von der 24stündigen Fahrt. Mit warmen Worten wurden sie von den Herren Stand, Dr. M a h 1 e r und Dr. S, R. Landau empfangen. Dann formte sieb der Zug und es begann der Abmarsch in die Nachtquartiere. Ein Teil wurde im IL Bezirke untergebracht,, ein anderer mittelst Stellwagen und elektrischen Sonderwagen in fernere Bezirke befördert. Ebenso erfolgte eine Stunde später der Empfang des zweiten Sonderzuges. Die Studenten leisteten hiebei vorzügliche Dienste. * Der Aufzug auf die Ringstrasse. Früh morgensbegann sich am Dienstag vor dem Lokal „zum goldenen Widder" der Zug aufzustellen. Um 10 Uhr erfolgte der Abmarsch. Ein ehrwürdiger alter Mann trug eine große Tafel voran mit der Aufschrift: „Brodlos gewordene Schenker aus Galizien". Ueber die Tabörstraße, die Marienbrücke und den Franz Josefs-Kai ging es dann in die Reitallee vor dem Neubau des Kriegsministeriums, wo der Zug Aufstellung nahm, da sich eine Deputation unter Führung der Abgeordneten Breiter, Mahler, Stand und Straueher laden Barbastift zum Handelsminister Dr. Weiskirchner begeben hat. * Beim Handeismmister Dr. Weiskirchner. Hier wurde die Deputation um 11 Uhr empfangen. In Begleitung, des Handelsministers war der galizische Landsmannminister R. v. Z a 1 e s k i erschienen. Auf die Ansprache der Abg. Stand und Straucher, welche auf die unverschuldete Notlage von tausenden Schenkerfamilien verwiesen und ein Memorandum überreichten, erwiderte der Handelsminister: Anknüpfend an die Ausführungen der Abgeordneten. Stand und Straucher, welche die Notlage derjenigen Schenker schilderten, die bisher eine gewerbliche Schankkonzession nicht erhalten hätten, bemerkte der Handelsminister zunächst, daß er im eigenen Namen sowie im. Namen seines Kollegen, des Ministers für Galizien, das Wort ergreife, und vor allem versichern müsse, daß bei ihnen die Ausführungen der beiden Sprecher das lebhafteste Interesseerregt hätten. Er glaube aber, daß die Kraft der Argumente genügen sollte und eine Unterstützung derselben durch massenhaftes Auftreten nicht notwendig gewesen wäre. Wenn einer der Herren Vorredner von der Urplötzlichkeit der neuen Verhältnisse gesprochen habe, so müsse er betonen, daß die heutigen Verhältnisse durch ein Gesetz geschaffen wurden, welches schon vor zirka 26 Jahren zustande gekommen sei, und daß daher genügend Zeit gewesen wäre," sich auf die neue wirtschaftliche Läge vorzubereiten. Selbstverständlich könnten Schankkonzessionen nicht in demselben unbeschränkten Maße verliehen werden, wie dies in Ansehung der Propinationsberechtigungen möglich gewesen sei, weil die Verleihung der Schank- und Verschleisskonzessionen nach ausdrücklicher Vorschrift des Gewerbe^-

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