Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 4 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NKiONßL-ZETCUNG XIII. JAHRGANG. WIEN, 17. FEBRUAR 1911. Nr. 4. Der Massen auf zug jüdischer Schenker in Wien. An dem Tage, da der reichste Jude von Oesterreich unter der Teilnahme der höchsten Kreise zu Grabe ^getragen wurde und den Staat samt Land und Gemeinde als lachende Erben vieler Millionen hinterließ, sind 1700 jüdische Schenker aus Galizien auf die Straßen von Wien gezogen, um das Gewissen der öffentlichen Meinung wachzurufen und -an das Rechtsgefühl der Zentralbehörden zu appellieren. Der Tod Rothschilds hat sie kalt gelassen. Was war er ihnen, was war er dem Judentum? Ein Wohltäter, der seinen Glaubensgenossen Almosen hinwarf, aber seinem Volke fremd blieb, ein Millionär, der sich von Fall zu Fall für die Bedürfnisse der Wiener israelitischen Kultusgemeinde interessieren ließ, aber sich für zu erhaben hielt, um selbst in deren Mitte zu treten. Wie anders sind sie doch die jüdischen Multi- -Millionäre in anderen Metropolen: Jacob Schiff in New-York, Baron Edmund Rothschild in Paris, Lord Nathaniel Rothschild in London, James Simon in Berlin; wie anders waren sie, die unserem Volke leider durch den Tod entrissenen Baron Hirsch, Baron Günzburg, Lord Swaythling (Montagu). Sie sind oder waren unsere Freunde, unsere Berater, unsere Führer. Es ist ein Fluch der österreichischen Juden, daß die Millionäre, die den Antisemitismus heraufbeschworen haben, sich hinter die Kampflinie zurückziehen und die jüdischen Massen ihrem Schicksale überlassen. Das ist eine österreichische Spezialität. Und die Schenker, die als Opfer eines sozialen Pogroms gefallen sind, haben dies am eigenen Leibe verspürt. Die offizielle Judenschaft in Wien hat sich um sie nicht bekümmert; sie wurden ganz ihrem Schicksale überlassen. So schaut die jüdische Barm- _ herzigkeit und das jüdische Herz der „maßgebenden" jüdischen Kreise in Wien aus. Die 1700 Schenker, die aus den verschiedensten Gegenden Galiziens und der Bukowina, aus den östlichsten Dörfern, Marktflecken und Städtchen nach Wien gekommen sind, haben dennoch diese jüdische Pflichtvergessenheit nicht zu spüren bekommen. Sie haben hier gute Menschen gefunden, die für ihre Unterkunft um die späte Mitternacht sorgten, die ihnen Speise und Trank zur Verfügung stellten, als sie von den Strapazen