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Neue Nationalzeitung · 1911-02-03 · Heft 3 (3.2.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 3 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung' Nr. 3 als Führer einer Deputation der Bukowinaer Schenker, anschließen wird. Die näheren Modalitäten der Ankunft, des Zuges zum Parlament und der Abreise werden noch festgestellt werden. Der Aktion des „Verbandes der östlichen Juden", der zuerst die Initiative zum Empfange der Deputation ergriffen hat, haben sich bereits in lobenswerter Weise der , Verein der Brodyer", „Verein der Kolomeer" und der „Verein der Tarnower" angeschlossen. * Die Czernowitzer „Volkswehr" veröffentlicht nachstehenden Aufruf: „An die jüdischen Schenker in der Bukowina! Das große Elend jener Schanker, welche nicht so glücklich waren, eine Gast- und Schankkonzession zu erlangen, fordert die Durchführung einer großen Hilfsaktion. Ist schon die wirtschaftliche Notlage der Mehrzahl der jüdischen Schenker überaus traurig, so droht euch und eueren Familien jetzt die gänzliche Verarmung und Verelendung, da euch euer bisheriger Erwerb und die Existenzmöglichkeit benommen wird. In dieser schweren Not muß und soll bei der Staatsregierung Hilfe gesucht werden. Zu diesem Zwecke begibt sich eine Massendeputation jüdischer Schenker aus Galizien von beil auf ig dreitausend am 11. d. M. nach Lemberg und von da mittelst Separatzuges nach Wien, woselbst eine Abordnung derselben von den Abgeordneten Stand, Dr. Straucher und Breiter dem Ministerpräsidenten und den anderen Ressortministern werden vorgeführt werden. Es ist nun notwendig, daß auch eine angemessene Anzahl von jüdischen Schenkern aus der Bukowina sich dieser Deputation anschließen. Wohl hat bereits Abgeordneter Dr. Straucher die jüdischen Kultusgemeinden und jüdisch-nationalen Vereine der Bukowina eingeladen, von dieser Aktion in ihren Bezirken die Interessenten zu verständigen und zur Teilnahme an der Deputation aufzufordern. Da jedoch die Sache eine große Publizität erfordert, richten wir über Veranlassung der „jüdischnationalen Parteileitung" in der Bukowina an euch in euerem eigenen Interesse das dringende Ersuchen, sich gleich eueren Berufs- und Leidensgenossen in Galizien an dieser Deputation nach Wien zahlreich zu beteiligen. Jeder Teilnehmer wolle ehebaldigst seine Beteiligung dem Abgeordneten Dr. Straucher nach Gzernowitz unter genauer Angabe der Adresse anzeigen. Für Fahrpreisermäßigungen von Lemberg nach Wien und retour (bloß 23 K) ist gesorgt; jeder Teilnehmer wolle schleunigst sich bei Abgeordneten Dr. Straucher melden, der eine Anzahl von diesbezüglichen Legitimationen erhalten wird." * Der Verfasser des obigen Aufrufes überschätzt unbedingt die Zahl der Deputationsmitglieder. Eine so große Anzahl nach Wien zu führen, ist durchaus nicht empfehlenswert und könnte sehr leicht zu unliebsamen Zwischenfällen bezüglich der Bequartierung und Verpflegung führen. * Zum Empfange der judischen Schenker. Dem „Verbände der östlichen Juden in Wien" sind zu obigem Zwecke nachstehende weitere Spenden zugekommen: „Verein der Tarnower" durch den Obmann Dr. Max Jacobs o h n 50 K. — Oberlandesgeriehtsrat Dr. B. Barber in Wien 20 K. — Saul Deutscher, Bankier in Baden 20 K. — Doktor Arnold Hildes heimer in Wien 20 K. — Jakob Straßberg, Obmann des Bethaus-Vereines im X. Bezirke in Wien 20 K. — Arnold Gastfreund, Bankier in Krakau 10 K. — Sammlung des Herrn Heinrich Fruchthändler in Hruschau (Mähren) 47 K. — Jakob R o s n e r in Hruschau 2 K. Zusammen 189 K. Hierzu die bereits ausgewiesenen 140 K, ergibt sich ein Gesamtbetrag von 329 K. * Eine Gerichts-Entscheidung gegen die Baron Hirsch-Stiftung. Wien, den 3. Februar. Das hiesige Oberlandesgericht hat heute über die Klage des entlassenen Lehrers R. wider die Baron Hirschsche Schulstiftung für Galizien eine sehr wichtige prinzipielle Entscheidung gefällt. R. wurde nämlich von der Disziplinar-Kommission der Stiftung entlassen. Er klagte hierauf beim hiesigen Landesgericht auf Ungiltigerklärung des Entlassung. Die Klage wurde jedoch abgewiesen. Der dagegen vom Kläger ergriffenen Berufung wurde jedoch heute vom Oberlandesgericht stattgegeben und der Rechtsstreit an die erste Instanz behufs Prüfung der Entlassungsgründe abgetreten. Das Oberlandesgericht ging dabei von der Ansicht aus, daß der Disziplinar-Kommission das souveräne Recht zur Entlassung nicht zustehe. Der Lehrer habe vielmehr das Recht, daß die Entlassungsgründe vom zuständigen Richter geprüft werden. Nach Ausfertigung des schriftlichen Urteils werden wir auf dasselbe zurückkommen. Die Rechtskraft desselben ist jedoch noch von der Entscheidung des Obersten Geistes, an welches die Stiftung die Revision ergreifen wird, abhängig. * Dr. Tobias Aschkenase — Präsident der Advokaten kammer. Lemberg, den 22. Jänner (Orig.-Korr.). Die gestern stattgehabte Wahl des Präsidenten der hiesigen Advokatenkammer hat den Polen eine sehr unangenehme Ueberraschung gebracht. Sie rechneten bestimmt auf die Wahl des bisherigen Vizepräsidenten Dr. Pomiankovski und siehe da! Die geschlossene zionistisch-sozialdemokratisch-ruthenische Majorität hat den jüdischen Advokaten Dr. Aschkenase zum Präsidenten gewählt. Es ist der erste Fall, daß ein Jude an die Spitze der hiesigen Kammer gelangte, wiewohl die Juden im Kammersprengel die Majorität haben.. Allein angesichts der allpolnischen Provokationen war es sehr klug, daß die Juden endlich aus ihrem Machtverhältnisse die richtigen Konsequenzen zogen. Dr. Aschkenase ist zwar kein Nationaljude, aber sein Assimilantentum hat sich in letzter Zeit sehr abgeschwächt und da er sich in letzter Zeit wiederholt in jüdischen Angelegenheiten exponiert hat, ist er in der polnischen Presse bereits als „Zionist" verschrieen. Infolge der Wahl Dr. Aschkenases haben sowohl die beiden Vizepräsidenten als auch die meisten Ausschußmitglieder ihre Mandate niedergelegt. * Statistisches zur Schenkerfrage. Lemberg, den 1. Februar. (Orig.-Korr.) Die Angriffe der jüdischen Presse gegen Statthalter Bobrzynski haben wenigstens einen Erfolg. Bobrzynski beginnt sich zu verteidigen. Er hat dies durch seinen Referenten in der Enquete getan; jetzt versucht er im Amtsblatte das

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