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Neue Nationalzeitung · 1911-02-03 · Heft 3 (3.2.1911) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 3 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 3 einigen nichtssagenden Phrasen darüber hinweggegangen. Dr. Kolischer verlangte, daß der Landesausschuß bei der Regierung die Erlassung eines Emigrationsgesetzes urgiere, wiewohl er im Parlamente selbst diesen Wunsch mit größerer Energie Ausdruck verleihen könnte. * Das Resultat der Enquete hat die öffentliche Meinung weder überrascht noch enttäuscht. Man kennt die verschiedenen Herren, die hier zum Fenster hinausgesprochen haben, viel zu gut, um sich durch ihre Reden täuschen zu lassen. Es wird uns jedoch im Interesse der armen jüdischen Volksmassen freuen, wenn die nunmehr mit Aplomb augekündigte „Selbsthilfe" wirklich den Beginn einer neuen Ära bedeuten sollte. Die Postulate der Enquete. I. Es ist den Juden der Zutritt zum gesamten öffentlichen Dienst, nicht bloß zu den öffentlichen Aemtern zu eröffnen u. zw. zu allen Kategorien der Dienerstellungen, bei den Landes-, Bezirks- und den Gemeindeämtern, sowie bei allen andern öffentlichen Organisationen. IL Der Schulzwang ist bei den Juden zur Durchführung zu bringen und es sind jene Bedingungen zu schaffen, welche diese Durchführung ermöglichen würden. (Befreiung vom Samstagbesuch der Schule, eine entsprechende Anzahl jüdischer Volkschullehrer, die Ueberwachung des jüdischen Religionsunterrichtes u. s. w.) ffl. Es wären für die jüdische Jugend Spielschulen und Krippen zu eröffnen, sowie zu subventionieren. IV. Es wäre den Juden die Benützung sämtlicher dem öffentlichen Wohle dienenden Institutionen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, insbesonders aller Kredit-, Agrar-, Landwirtschafts-, Kooperativ-, Handwerks- und Humanilätsorganisationen, somit auch der Handwerksschulen und der Arbeitsvermittlungsbureaux. Die Juden wären dahin zu beeinflussen, daß sie diese Organisationen auch in Anspruch nehmen. V. Die Juden wären zur Gründung von Produktivgenossenschaften anzuleiten und wären die Genossenschaften durch Kreditgewährung und Beistellung von Kraftmotoren zu fördern. VI. Die jüdischen Handwerker müssen durch entsprechende finanzielle Unterstützung in die Lage versetzt werden, hygienisch eingerichtete Werkstätten zu errichten. VII. Die Hausindustrie und die Heimarbeit wären unter den Juden zu fördern. Vffl. Es sind unter den Juden Handelsorganisationen zu schaffen und zu unterstützen. IX. Die Juden sind durch eine intensive Propaganda zur physischen Arbeit respektive zur Lohnarbeit heranzuziehen, wodurch der unnatürliche Zuzug der ländlichen Bevölkerung in die Städte aufgehalten werden könnte. X. Es sind zahlreiche Gewerbeschulen, insbesonders niedrigerer Kategorie, zu errichten, unter Bedachtnahme darauf, daß bezüglich des Sitzes dieser Schulen und ihrer Bedingungen den Juden der Besuch derselben erleichtert werde. XI. Zur Durchführung der sub I bis X angeführten Zwecke wäre eine Organisation der jüdischen Selbsthilfe zu errichten und dieselbe ausgiebig zu subventionieren. t)r. 34irsch-j4ildesheimer über den zweiten Zionistenkongress. (Aus meiner Briefmappe.) II. Ich bringe hiemit einen Brief zur Veröffentlichung, den ich unmittelbar vor dem zweiten Zionistenkongresse erhalten haben. Ich schließe damit vorläufig die Publikation ab. Berlin, den 19. August 1898. Sehr verehrter, lieber Freund! Nehmen Sie herzlichsten Dank für Uebersendung der dieswöchentlichen Beiträge, die, wie Sie sehen, noch rechtzeitig in meinen Besitz gelangt sind. Da ich den Badebrief in einer anderen Rubrik diese Woche nicht mehr hätte veröffentlichen können, habe ich mir erlaubt, eine Korrespondenz daraus zu machen, wozu ich Ihrer Zustimmung gewiß sein dürfte. Ich bin seit Montag wieder in Berlin. Länger duldeten mich meine Pflichten nicht fern von Berlin, und an weitere Reisepläne, mit denen ich mich getragen habe, ist nicht zu denken. Ich muß für die wenigen Tage des Fernsems schon jetzt büßen: operibus consumor. Zudem werde ich wohl in acht Tagen im Dienste unseres Rabbiner-Seminars verreisen müsen und erst kurz vor Rosch Haschana noch zurückkehren. Ich teile Ihnen das mit, um die Bitte daran zu knüpfen, mich recht fleißig und recht ergiebig mit Beiträgen zu bedenken und so mir die Abwesenheit und meinem Vertreter die Arbeit zu erleichtern. Sie rüsten sich nach Basel zu reisen. Wie ich aus der „Welt" ersah, haben Sie ein Mandat erhalten. Ich habe ein längeres Schweigen für schwere Pflichtversäumnis gehalten und, wie Sie sehen, eine Artikelserie über den Kongreß begonnen, um in letzter Stunde wenigstens einige desiderata zum Ausdruck zu bringen. Ich stehe nicht an, Ihnen, wertetr Freund, zu sagen, daß es mir harte Selbstüberwindung gekostet hat, bis ich mir die Mäßigung abgerungen habe, die aus dem Artikel spricht, und daß es mir noch härter ankommt, dasjenige zu verschweigen, was ich eigentlich zu sagen das Bedürfnis empfände. Vor einigen Wochen schrieb ich Ihnen bereits, daß ich die immer klarer zutage tretende Feindschaftder Wiener Herren gegen die Kolonisation als eine Kriegserklärung betrachte und den offenen Kampf nicht scheuen werde. Ich kann dabei der Bundesgenossenschaft aller vernünftigen Zionisten gewiß sein,und wir wollen sehen, wer der Stärkere ist: Herr S. oder der große Kreis derer, die seit Jahrzehnten mit voller Hingebung und vielleicht auch einigen Verdiensten für die Kolonisation arbeiten. Die Artikel der „Presse" sollen die letzte Warnung sein, bleibt sie unbeachtet, dann wäre jede fernere Zurückhaltung

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