Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1911)
- Date
- 1911-01-16
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr; 2 vorgezeigtes Bargeld 44,849.025 Kronen bezeichnen müssen. Diesem Hauptstrom, der den Vereinigten Staaten von Nordamerika zufließt, müssen noch viele nach anderen Gegenden führende Nebenströme beigegeben werden, damit wir einen Begriff von dem enormen Wanderungsbudget des jüdischen Volkes gewinnen. Zur erschöpfenden ökonomischen Wertung der jüdischen Emigration kommt aber noch ein weiterer bedeutender Umstand hinzu. Den Geldströmen aus dem alten Heimatlande entsprechen Gegenströme aus dem neuen Heimatlande, die den Geldüberweisungen der Eingewanderten an ihre Verwandten in der alten Heimat ihre Entstehung verdanken. Daß dieser rück- DIE JÜDISCHE Die Einwanderung von Juden in die Vereinigten Staaten im Jahre 1908/09. Der Annual Report of the Commissioner-General of Immigration for the Fiskal Year Ended Juni 30, 1909, bringt folgende Angaben über die Einwanderang der Juden im Fiskaljahr 1908/09. Die Gesamtzahl der fremden Einwanderer überhaupt betrug 751.786. Da im Jahre 1907/08 im ganzen 782.870 zuwanderten, fand eine Abnahme der Einwanderung von 31.084 statt. An Juden wanderten ein 57.551, also annähernd halb soviel wie im Vorjahre (103.387J. Es sind in diesem Jahre zum erstenmal die Einwanderer unterschieden in Immigrant aliens und Nonimmigrant aliens. Letztere sind zwar auch Fremde, die aber nicht in die Gruppe der Auswanderer eingereiht werden. Die Gesamtzahl derselben belief sich auf 192.449, bei den Juden auf 3188. Verlassen haben die Vereinigten Staaten 225.802 Emigrant aliens und 174.590 Nonemigrant aliens, insgesamt 400.392. Darunter waren 6105 jüdische Emigrant aliens und 3929 jüdische Nonemigrant aliens, zusammen 10.034 Jaden. Es verblieben also im Lande 50.705 Juden. Ueber die Struktur der Einwanderungsbevölkerung erfahren wir folgendes: 1. Geschlecht. Von den 57.551 jüdischen Einwanderern waren 31.057 männlich und 26.494 weiblich, es trafen also auf 1000 männliche 853 weibliche Personen gegen 837 im Jahre 1908. wärtige Strom nicht als quantite negligeable zu betrachten ist, beweist die im vorigen Kapitel gebrachte Ziffer, beweisen die von diesen Ueberweisungen zu Wohlstand und Blüte gelangten Immigrantenbanken. Faßt man nun diese eminent ökonomisch© Natur der Emigration ins Auge, so wird man wohl kaum daran zweifeln dürfen, daß sich dieselbe für eine rationelle, zum Wohle der Emigranten geleitete Sozialpolitik verwerten lasse. Der Nutzbarmachung des von der jüdischen Emigration eingeleiteten und genährten Geldstromes für die jüdische Gesamtheit soll nun die projektierte jüdische Emigrantenbank dienen. Ihre Funktionen sollen im nächsten Kapitel beschrieben werden. B e r t o 1 d i. EniQKflTION. 2. Altersaufbau. Es werden drei Altersklassen unterschieden: Unter 14 Jahre, 14 bis 44 Jahre, 45 Jahre und darüber. In der ersten befanden sich 15.210 Personen, in der zweiten 38.465, in der dritten 3876. Prozentualiter verteilen sich die Einwanderer auf die drei Altersklassen wie folgt: Unter 14 Jahre 26 4%, 14 bis 44 Jahre 66-8%, 45 Jahre und darüber 16-8%. Vergleicht man diese Zahlen mit jenen des Vorjahrs — unter 14 Jahre 15-70%, 14 bis 44 Jahre 77'60y2%i über 45 Jahre 6-70%—, so ergibt sieh ein wesentlicher Unterschied. Der Anteil der unter 14 Jahre alten Personen ist in dem Berichtsjahre bedeutend stärker. Daraus geht hervor, daß im Jahre 1909 eine viel erheblichere Familieneinwanderung staltgefunden hat wie im Jahre 1908. 3. Vorbildung. Es werden unter diesem Gesichtspunkt zwei Gruppen unterschieden. Eine Gruppe von Leuten, die zwar lesen, aber nicht schreiben können. Eine zweite Gruppe von Analphabeten. In die erste Gruppe entfielen 112 Männer und 49 Frauen, in die zweite 4832 Männer und 7369 Frauen. Der Prozentsatz der Analphabeten bei den Juden betrug 28*8 (30'0% i. V.). 4. Was die finanzielle Lage der zugewanderten Juden anlangt, so brachten 3008 50 Dollar und darüber, 21.118 weniger als 50 Dollar mit. Die Gesamtsumme der mitgebrachten Dollars betrug 754.223. Es trafen auf den Kopf eines Juden 13*1 Dollar, etwas mehr wie im Vorjahr (12 Dollar). Dies ist um so beachtenswerter, weil wir bereits oben erwähnten, daß gerade in diesem Jahre der Anteil der Kinder, das heißt der wirtschaftlich Unselbständigen stärker als im Vorjahre war, mithin die Zahl der Geldträger bedeutend geringer war. Aus eben diesem Grunde hätte man erwarten sollen, daß ein viel höherer Prozentsatz als im Vorjahre (61%) das Reisegeld von Verwandten oder dritten Personen erhielten. Doch war dem nicht so. Es betrug die Zahl der Personen, welche die Reisekosten nicht selbst bezahlten 34.702, das heißt 50 3% der gesamten Einwanderer. Zu Verwandten gingen 53.973, das heißt 93%. 5. Beruf. Die amtliche Statistik unterscheidet vier Gruppen. I. Freie Berufe. Diesen gehörten 456 Personen, das heißt 0-70% an. 2. Gewerblich vorgebildete Berufe: 18.219, das heißt 31 6%. 3. Verschiedene Berufe: 9761, das heißt 16-9%. 4. Beruflose: 29.115, das heißt 50:8%. Der ungewöhnlich hohe Anteil der Beruflosen (i. V. 45,22°/0) erklärt sich durch die starke Vertretung der Kinder unter 14 Jahren. Die beiden Kategorien: „Gewerblich Vorgebildete" und „Verschiedene Berufe" wollen wir etwas spezialisieren und wie im Vorjahre folgende Berufe herausgreifen: Bäcker 481, Tischler 1459, Kleidermacher 1367, Handlungsgehilfen 1082, Maler