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Neue Nationalzeitung · 1911-01-16 · Heft 2 (16.1.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 2 (16.1.1911)
Date
1911-01-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Die Aufgaben der bevorstehenden Juden-Enquete in bemberg. Wie wir zuerst mitzuteilen in der Lage waren, findet die Enquete des galizischen Landesausschusses betreffend die Verelendung des jüdischen Proletariates in Galizien am 23. d. M. in Lemberg statt. Die geladenen Experten werden die Aufgabe haben, auf Grund der ihnen zur Verfügung gestellten statistischen Materialien Dr. Gruinskis, den ihnen gleichzeitig zukommenden Fragebogen, den wir unten seinem ganzen Inhalte nach abdrucken, zu beantworten. Die Antworten der Experten werden fein säuberlich protokolliert, nach Ablauf einiger Zeit als Buch herausgegeben und damit wird die ganze Angelegenheit ihr Ende erreicht haben. Allerdings hat der galizische Landtag in seiner Resolution vom 10. März 1907 dem Landesausschusse aufgetragen, nicht bloß die Gründe der Proletarisiemmg der jüdischen Massen zu untersuchen und darüber in der nächsten Landtagssession Bericht zu erstatten, sondern der Landesausschuß hat gleichzeitig den Auftrag erhalten, „im Einvernehmen mit der k. k. Regierung dem Landtage die geeigneten Vorschläge zu unterbreiten, welche geeignet wären, die Erwerbsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung zu heben und der durch die Not getroffenen Bevölkerung rasche Hilfe zu bringen". Diese Resolution wird in zwei Monaten vier Jahre alt und der Landesausschuß geht erst jetzt daran, im Wege einer Enquete die Ursachen der Verelendung zu erheben. Da kann man sich nun denken, wie viele Jahre der Landesausschuß dazu benötigen wird, um die geeigneten konkreten Vorschläge zur Abhilfe auszuarbeiten, darüber mit der Regierung ein Einvernehmen zu pflegen und sie schließlich im Landtage auf die Tagesordnung zu stellen. Angesichts dieser Zustände wird die allgemeine Anschauung bekräftigt, die dahin geht, daß der Landmarschall Graf Badeni die Enquete sehr unwillig einberuft, aber dies schließlich nur unter dem Drucke der Hausjuden tut, weil diese Herren angesichts der immer näher heranrückenden Reichsratswahlen um ihre Mandate sehr besorgt sind. Die Experten. Den Motiven, von denen sich der Statthalter leiten ließ, entspricht auch die ganze Art der Zusammensetzung der Expertise. Wenn man Gelegenheit hat, mit dem Landmarschall Grafen Badeni zu sprechen, dann ist man erstaunt, in welch demokratischer Weise Graf Badeni den Landesausschuß in den Vordergrund schiebt; in Wirklichkeit aber macht er in entscheidenden Momenten alles allein, ohne sich um den Landesausschuß zu kümmern. So war es auch mit der Enquete. Dr. Gruinski hat seine statistischen Materialien — die übrigens dem Kenner der einschlägigen Literatur sehr wenig Neues sagen — schon vor vielen Monaten ausgearbeitet; Graf Badeni hielt aber dieselben unter seinem Schlüssel versperrt, damit sie niemandem vor Einberufung der Enquete in die Hände kommen. Die Experten hat sich Graf Badeni selbst bestellt, ohne daß irgend ein Mitglied des Landesausschusses darauf einen Einfluß ausüben könnte. Um die ganze Sache rasch abzutun, hat Graf Badeni daher alles in allem 39 Experten ernannt, und zwar 26 Juden und 13 Christen. Unter den Juden finden wir selbstverständlich in erster Linie jene vier jüdischen Landtagsabgeordneten, Dr. Kolischer, Dr. Löwenstein, Rittet und S a r e, die sich bisher im galizischen Landtage stets feige verkrochen haben, wenn es sich um eine jüdische Angelegenheit handelte, und die beispielsweise in der letzten Landtagssession nicht einen Funken von Erbarmen für die brotlos gemachten Tausende jüdischer Schenker aufgebracht haben, um ein Wort des Protestes im Landtage auszurufen; wir finden die Blüten der galizischen Kahalwirtsehaft: Schmelke von H o r o w i t z, Präsident der Lemberger Handelskammer, und Doktor Schaff, Präsident des Lemberger Kahals, den Präsidenten des Drohobyczer Kahals Jakob Feuerstein, den Leibagitator Nathan L ö w e n s t e i n s, und sonstige andere Herren, die allerdings Bürgermeisterstellen oder sonstige öffentliche Aemter bekleiden, aber sie gerade nur dadurch erreichten, daß sie stets sorgfältig jedes j ü d i s c h e Interesse v e rleugneten. Es sind auch zwei Herren aus Wien geladen: Dr. Low y, Sekretär des „Hilfsvereines für Galizien" und D. R o t1 e r, Vertreter der J. C. A. für Galizien. Sie sind gewiß höchst anständige Menschen; was sie sagen werden, kann man am besten aus den Resultaten beurteilen, die bisher die J. C. A. und der Hilfsverein in Galizien erzielt haben. Unter den 26 jüdischen Experten haben wir vier Männer, von denen anzunehmen ist, daß sie genug unabhängig sind, um nicht allgemeine Phrasen zum Besten zu geben, sondern das ganze antisemitische Regime, wie es jetzt in Galizien auf politischem und wirtschaftlichen Gebiete herrscht, in seiner ganzen Nacktheit zu entlarven. Es sind dies die Reichsratsabgeordneten Dr. Diamant, Dr. Groß und Stand sowie der Landtagsabgeordnete Dr. Ignaz Landau. Diese Herren, die auf Grund ihrer parlamentarischen Stellung berufen wurden, haben die Pflicht, offen und unerschrocken die Ueberzeugung der jüdischen öffentlichen Meinung zum Ausdruck zu bringen. Sie sind es ihren Wählern schuldig, von denen sie auf Grund ihres jüdisch-oppositionellen Programmes gewählt worden sind. Der Wert der Enquete wird ja in nichts anderem bestehen, als darin, daß das schreckliche Gespenst der Judennot, die in Galizien herrscht, endlich auch den Machthabern des Landes und jenen oberen zehntausend galizischen Juden, die auf Kosten und unter Verrat der jüdischen Volksmassen Adelsprädikate und Orden zu erhalten suchen, an den Leib rückt. Und da wird es notwendig sein, daß sich Männer in der Enquete finden, die den Mut haben, das rechte Wort zur rechten Zeit zu sprechen, die nicht bloß theoretische Pläne entwerfen, sondern auch einen System Wechsel der Landesregierung gegenüber den Juden fordern werden, ohne den die ganze Enquete nur eine Komödie bleiben wird. Es wird Pflicht der Experten sein, auf die Schäden der Sonntagsruhe hinzuweisen und deren Beseitigung für die Juden zu verlangen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Klerikalen darüber ein Wutgeheul erheben werden; es muß schon in der Enquete die Pflicht der Regierung festgelegt werden, zu einer jüdischen Hilfsaktion und insbesondere zu einer raschen Notstandsaktion für die Schenker größere Summen zur Verfügung zu stellen, nachdem sie zur U n t e r-

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