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Neue Nationalzeitung · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 1 Bezirkes entsprechend großen, der Würde seiner Bestimmung Ausdruck gebenden Bau für unsere Andachtsstätte zu errichten. Dem Redner sei es — als Obmann seit dem Jahre 1896 — gegönnt gewesen, dieses Projekt zur vollen Reife zu bringen. Der Obmann gedenkt sohin in wehmutsvollen Worten jener Männer, welche mit dazu beitrugen, den Verein in dem abgelaufenen Dezenium zu heben und zu stärken, denen es aber nicht mehr gegönnt war, den heutigen Tag zu erleben. Zur Berichterstattung über das abgelaufene Vereinsjahr übergehend, gedenkt der Obmann vor allem der Dahingeschiedenen dieses Jahres, der Herrn: Siegfried Fischer, Bernhard Kämpf, G. H. K a r p e 1, Leopold Preßburger und nicht an letzter Stelle des verschiedenen II. Kantor, Herrn Iudä Roman; er war ein Chasen vom alten Schlage in des Wortes bester Bedeutung — einfach und ungekünstelt, wie sich ihm die Gebete aus dem Herzen rangen, sind sie auch tief ins Herz gedrungen. Das letzte vergangene Jahr war reich an Ereignissen von größter Bedeutung für unser Vereinsleben. Die wichtigste der strittigen Fragen habe die Rabbinerangelegeheit betroffen, über velehe Herr Josef K oh n referieren werde. Redner weist ferner auf die erfreuliehe Entwicklung der Bibelschule hin, welche derzeit mehr als 260 Schüler zählt und eine noch weit größere Anzahl solcher haben könnte, wenn die nötigen Räumlichkeilen zur Verfügung stünden. Auch die Schaffung eines Unterrichtes für Mädchen sei an diesem Mangel geseheitert. Er erwähnt weiters, daß wie alljährlich, so auch heuer während der hohen Feiertage Gottesdienst-Filialen eingerichtet worden sind, welche durch die Bemühungen der hiemit betrauten Vorstandsmitglieder einen würdigen Gottesdienst boten. Zum Schlüsse spricht er allen jenen Herren, welche sich um die Institutionen des Vereines bemühten, den Dank für ihr Wirken aus. Anschließend an den Bericht des Obmannes referiert Herr Josef K o h n über die Rabbinerangelegenheit. Er gibt eine historische Darstellung der Phasen dieser Frage seit der Erbauung des Tempels in der Brigittenau bis zum heutigen Tage und gelangt zu dem Schlüsse, daß die heutigen Verhältnisse, wonach ein Rabbiner zwei volkreichen Bezirken dienen solle, trotz aller Anerkennung, welche dieser Funktionär verdiene, unhaltbare seien. Er legt der Generalversammlung im Auftrage des Vorstandes einen Resolutionsantrag vor, welcher nach Zustimmungserklärungen der Herrn Dr. Heinrich Schreiber und Michael Engel, wie folgt zur einhelligen Annahme gelangt: „Die Generalversammlung beharrt mit aller Entschiedenheit darauf, daß in unserem Gotteshause, ähnlich wie in den übrigen derartigen Gotteshäusern Wiens, endlich ein eigener und selbständiger Rabbiner bestellt werde." Über Antrag des Herrn Engel wird dem Vorstande einhellig das Absolutorium erteilt und der Dank sowie das besondere Vertrauen votiert. Weiters beschließt die Generalversammlung über Antrag des Herrn Obmannes einhellig per Akklamation die Ernennung des Vorstandsmitgliedes Herrn Josef Wünsch zum Ehrenmitgliede. Herr Max S m o 1 k a rügt es, daß die Kinder in den Schulen zum Mitsprechen von Gebeten verhalten werden, welche dem Glaubensbekenntnisse nicht entsprechen, sowie daß dieselben Aufsätze über die Feste anderer Konfessionen machen müssen und erbittet ein diesbezügüches Vorgehen. Der Obmann erwidert, daß dies wohl keine Angelegenheit des Vereines sei, daß er aber diese Beschwerde an den Herrn Landes-Schulrat Dr. K o h n leiten werde. Die Wahlen ergeben: die Wiederwahl der Herrn Adolf Feuer, Josef K o h n, Dr. Jakob Roth und Heinrich W e i n e r in den Vorstand, sowie die Neuwahl der Herren Bernhard Beck, Heinrich Hag er und Josef Faltitschek als Vertrauensmänner. * Bezalel-Ausstellungen. Brünn. Das hiesige zionistische Distriktskomitee veranstaltet in verschiedenen Städten Mährens und Schlesiens eine Reihe von Bezalelausstellungen mit reichhaltig zusammengestelltem Sortiment von Erzeugnissen der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem. Die erste dieser Wanderausstellungen fand in der Zeit vom 3.—11. Dezember 1910 in Troppau statt. Die Eröffnungsfeier fand am Abend des 3. Dezember statt. Der starke Besuch aus allen Kreisen der Troppauer Bevölkerung bewies, welches Verständnis den Schöpfungen der Schule allseits entgegengebracht wird. Unter den Besuchern und Käufern war auch die mchtjüdische Bevölkerung zahlreich vertreten. Auch der Landespräsident von Schlesien, Max Graf Coudenhouve, und der Bürgermeister von Troppau, Walter K u d 1 i c h, statteten der Ausstellung längere Besuche ab und sprachen sich sehr lobend über die Leistungen der Kunstgewerbeschule aus. Dem „Bezalel" wurden während der Ausstellungswoche zahlreiche neue Mitglieder zugeführt. Mitte Dezember fand die Ausstellung in Mäh r.-O s t r a u in den Sälen des städtischen Museums statt. In B i e 1 i t z war die Ausstellung vom 24. Dezember 1910 bis 2. Jänner 1911 zu sehen. In Teschen findet sie vom 5.—10. Jänner statt, in Olraütz vom 16.—22. Jänner, in Proßn i t z vom 24.—31. Jänner, in B r ü n n vom 5.—12. Februar und in I g 1 a u vom 18.—25. Februar. Das Ausstellungssortiment umfaßt sämtliche Erzeugnisse des „Bezalel", darunter nicht weniger als 76 T e p p i c h e, eine Unmenge reizender Silberfiligranarbeiten, Schmucksachen für Herren und Damen, rituelle Gebrauchsgegenstände, Kupfertabletts und Wandteller, mit Silber platiniert, inkustrierte Schüsseln und Holzrahmen, Kassettenrahmen, Basreliefs aus Zedern- und Ebenholz, Originalzeichnungen von ersten Künstlern, künstlerische Reproduktionen und viele hervorragende Schülerarbeiten. Nach den ganz außerordentlichen Erfolgen zu schließen, welche die Ausstellung in Troppau erzielte, wo die meisten Objekte drei- und vierfach verkauft wurden, steht auch in den andern Städten zu erwarten, daß durch den Verkauf dem Betriebsfonds des „Bezalel" ein namhafter Betrag zugeführt wird. Deutsches Reich. Die Auflösung der deutschen Konferenzgemeinschaft der Pariser „Alliance". Berlin. Mitte Dezember. (Orig. Korr.) Wie ich Ihnen vor einiger Zeit mitgeteilt habe, wurden seitens einiger in der hiesigen Konferenzgemeinschaft der Pariser „Alliance" maßgebender Herren Versuche unternommen, sich von Paris loszulösen und ähnlich wie in Wien und in London auf eigene Füße zu stellen. Diese Bestrehungen, deren Hauptwortführer der inzwischen verstorbene Generalsekretär Klausner war, führten zu einer latenten Krise, deren erste Konsequenzen der Präsident, Geheimrat Gold-

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