Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 „Neue National-Zeitung" Seite 9 berger, und Herr Klausner zogen, indem sie ihre Demission gaben. Seitdem Geheimrat Timendorfer das Präsidium übernahm, schien alles ins alte Geleise zurückgekehrt zu sein. Allein die Herren in Paris waren mißtrauisch und fürchteten, daß die Separationsbewegung denn doch früher oder später zu einem Erfolg führen könnte. Sie beschlossen daher, den Zustand vom Jahre 1904 wieder herzustellen, resp. die Autonomie der deutschen Allianee-Mitglieder aufzuheben. In der Sitzung des Pariser Kuratoriums der Alliance vom 30. November wurden diesbezüglich die endgültigen Beschlüsse gefaßt, welche seitens des hiesigen Bureaus in einem Kommunique vom 12. d. M. der jüdischen Presse mitgeteilt wurden. Dieses Kommunique lautet: „Sehr geehrte Redaktion! Wie Ihren Lesern bekannt, fand am 30. November in Paris eine Sitzung des Zenlral-Komitees der Alliance Israelite Universelle statt, in der die Wünsche der Deutschen Konferenzgemeinschaft zur Beratung standen. Das Ergebnis der Beratungen war nachstehende Entschließung, die mit allen gegen die deutschen Stimmen gefaßt wurde: 1. Das Zentral-Komitee bestätigt, nachdem es die Darlegungen der Herren Justizrat B. Timendorfer, H. Gumperlz, Lucien Picard, Philipp Schiff, Th. Schlesinger, Machiels und See entgegengenommen, die in der Sitzung vom 20. April gefaßten, sämtlichen deutschen Mitgliedern des Zentral-Komitees durch Schreiben vom 2. Mai übermittelten Beschlüsse. Es beschließt ferner, die Organisation der Alliance in Deutschland wie sie im Jahre 1904 bestand, wieder herzustellen und beauftragt seinen Vorstand, die zur Ausführung — nach Recht und Billigkeit — obiger Beschlüsse erforderlichen Maßnahmen zu treffen. 2. Die in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentral- Komitees appellieren an ihre Herren Kollegen in Deutschland und bitten sie inständig, ihnen ihre wertvolle Mitwirkung angedeihen zu lassen. Der erste und der dritte Präsident der Deutschen Konferenzgemeinschaft, Herr Geheimrat Timendorfer- Berlin und Herr Lucien P i c a r d-Frankfurt a. M., haben hierauf ihre Aemter niedergelegt. Herr Justizrat Max Fuchs I-Berlin, der stellvertretende Vorsitzende, hat die provisorische Leitung übernommen. Auf den 20. d. M. ist eine außerordentliche Tagung nach Berlin einberufen worden, die Stellung zu den einschneidenden Pariser Beschlüssen nehmen soll. Die Unterzeichneten werden den Antrag stellen, die Verhandlungen in voller Oeffentlichkeit stattfinden zu lassen. In der Anlage fügen wir einen Bericht bei, den die deutschen Teilnehmer an der Pariser Sitzung ihren Kollegen von der Deutschen Konferenzgesellschaft erstattet haben. Man hat, wie Sie aus diesem Bericht ersehen, keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Pariser Mitglieder des C. C. auch nicht das geringste Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der deutschen Mitglieder zeigen wollten und überhaupt die Mitarbeit dieser deutschen Mitglieder als etwas neues, und unerwünschtes empfanden." Das Inhaltsverzeichnis des Jahres 1910 werden wir der nächsten Nummer beilegen. G5M5iNö5ünö V5ReiN&NfttöRilfiSW Wien. Wir erhalten folgenden Aufruf: Bitte! Viele hunderte israelitische Kinder in der Brigittenau sind der bittersten Not preisgegeben. Sie leiden Hunger und frieren. Wir bitten unsere Glaubensgenossen: Nehmet Euch dieser armen zarten Kinder an und helfet nach Eueren Kräften, damit die im Lokale XX. Kluckygasse Nr. 7 bereits begonnene Ausspeisung im notwendigen Umfange fortgeführt werden könne. Spenden nimmt entgegen: Das gefertigte Komitee für die Verköstigung israelitischer Kinder in der Brigittenau und di * Kassa der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock. Heinrich W e i n e r, Obmann des Vereines „Brüder", IX., Pramergasse 1. Dr. J. Samuely, Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde, I., Fischerstiege 6. Frau Dr. Emilie W e i 13, Präsidentin des Brigittenauer Frauen-Wohltätigkeits -Vereines, XX., Klosterneuburgerstraße 11. Wien. (J ü d i s c h - a k a d e m. J u r i s t e n v e r e i n ) Der Kurs für jüdisches Recht, den Herr Dr. Rubin leitet, wird Dienstag den 10. Jänner, von halb 5 bis halb H Uhr, im Lokale der , Lesehalle", IX., Porze langasse 11, beginnen. Wien (Fünfhaus). Montag den 2fi. Dezember, am zweiten Chanukkah-Abend, veranstaltete der Seehshauser jüd. Geselligkeits- und Sparverein ein großes Kinderbekleidungsfest in den geräumigen Sälen der Fünfhauser jüdischen Toynbea-Halle. Ein mehrhundertköptiges, distinguiertes Publikum füllte die Räume. Der Obmann des Vereines, Herr Selka, begrüßte die Anwesenden und warf einen Rückblick auf den noch sehr jungen Bestand und die doch so nennenswerten Leistungen des Vereines. Hierauf hielt Rabbiner Aron F ü r s t eine kurze, aber zündende Ansprache. Er wies ilarauf hin, daß es ein auszeichnender Grundzug jüdischer Vereinigungen sei, innerhalb des Rahmens ihrer mannigfaltigen Bestrebungen und Ziele stets doch auch der Wohltätigkeit ihr Feld zu sichern. Er sprach der rührigen Vereinsleitung seinen Dank aus und forderte zu regem Anschlüsse auf. Hierauf entzündete Herr Kantor S c h o r r die Ohanukkahlichter und sang in gewohnt meisterhafter Weise Haneraus llalolu. Es folgte die Schlußrede des Obmannes und die Absingung der Volkshymne durch die Kinder. Es wurde eine große Zahl jüdischer Schulkinder mit warmer Wrinterkleidung beschenkt und den Schluß bildete eine opulente Jause für die Kinder, dargereicht durch die Damen des Vereines. Vir<nitica. (J ü d i s c h -1 i t e r a r i s c h e r V e r e i n „Z erubabel") Am 20. d. M. hielt Herr h'abbiner Dr. Kaufmann im Vereinslokale einen sehr interessanten Vortrag über Philo. Anwesend waren außer den ordentlichen Mitgliedern die Spitzen der Behörden, sämtliche Lehrer und Lehrerinnen beider Schulen. Der Vortragende erntete für seinen Vortrag sehr reichen Beifall. AUW weßttilM Baron David Günzbnrg gestorben. Am 23. Dezember machte ein Herzschlag dem Leben Baron David Günzburgs ein unerwartetes Ende. Baron David Günzburg ist nur 53 Jahre alt geworden. Sein Tod ist ein furchtbarer Schlag für die russische Judenschaft, die in ihm einen ihrer besten, treuesten und auch einflußreichsten Söhne verliert. Er war der Sohn Horace Günzburgs, der nicht allzu lange seinem Sohne im Tode vorangegangen ist. Der Vater war ein großer Philanthrop. Der Sohn war es nicht minder. Aber Baron David Günzburgs größtes Verdienst war seine Sorge und seine Arbeit für die kulturellen Institute des Judentums. Er selbst war ein bedeutender Orientalist, ein genauer Kenner des jüdischen Altertums. Das von ihm herausgegebene Werk „OrientalischeOrnamente* hat in allen Fachkreisen Anerkennung gefunden. Seine „Hebräische Enzyklopädie" hat überall Verbreitung und Beachtung gefunden. Besonders groß war er aber als Organisator von Wissensinstituten, von gelehrten Korporationen, die er mit frischem Leben zu erfüllen wußte. Die Privalhochschule für Orientkunde zeugt davon; so-