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Neue Nationalzeitung · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 „.Neue National-Zeitun.i*" Seite 7 und im Namen seiner Freunde die Aenderung des Gemeindestatuts urgierte und sich für die HerabsetzungdesZensus aussprach. Dr. Samuely erklärte, von der Herabsetzung des Zensus keinen Nachteil für die Kultusgemeinde zu erwarten und auch die Demokratisierung des Kultusvorstandes flöße ihm keine Furcht ein. Natürlich haben die meisten der folgenden Redner, allen voran der Herr Vizepräsident Dr. Kohn, es lebhaft bestritten, daß sie die Demokratisierung befürchten; sie versuchten daher mit ihrer Demokratie zu protzen und die finanzielle Seite hervorzukehren. Herr Dr. Leopold Kohn faßte diese finanzielle Seite folgendermaßen auf: „Wir haben heute in Wien 25.000 Steuerträger unter 180.000 jüdischen Einwohnern, Damit, glaube ich, ist das Zensitenreservoir erschöpft. Von diesen 25.000 sind zirka 15.000 in der niedrigsten Klasse. Wir müssen uns das vor Augen halten." Merkwürdigerweise haben es alle diese Herren übersehen, daß bei einer Statusänderung nicht nur das Steuerminimum herabgesetzt, sondern auch entschieden das Maximum erhöht werden müßte. Das würde einerseits zur Erhöhung der Gemeindeeinnahmen beitragen. Anderseits unterliegt es keinem Zweifel, daß neue Tausende von Steuerzahlern mit einer Jahressteuer von K 10.— ausfindig gemacht werden können und daher die Vogel-Strauß-Politik mit der Finanzfrage bei richtiger Beleuchtung jede Wirkung versagt. Es wird kein politisch geschulter Mensch den Herren vom Kultusvorstand glauben, daß sie aus Rücksichten für die Gemeindefinanzen eine Herabsetzung des Steuerzensus vermeiden wollen, denn es fällt geradezu in die Augen, daß hier nichts anderes als die blasse Furcht um das Mandat entscheidend ist. Bau eines Gemeindehauses. Anläßlich der Debatte wurde auch von mehreren Rednern im Anschlüsse an die Ausführungen des Referenten die Notwendigkeit betont, ein der Wiener Kultusgemeinde würdiges Haus zu errichten. Es war aber diesmal gar nicht die Rede von den großen Millionären, die angeblich immer herhalten, wenn die Gemeinde Geld braucht. Es scheint, daß derartige Fräsen nur von Fall zu Fall für die Wählerversammlungen bereit gehalten werden. Kinderspital und Religionsunterricht. Als fromme Wünsche wurden noch bekannt gegeben die Gründung eines Kinderspitales und eine Aenderung des Lehrplanes für den Religionsunterricht in den Mittelschulen. Bezüglich des Kinderspitales erklärte Herr Wilhelm Kuffner auf Grund einer von ihm aufgestellten Berechnung, daß selbst für ein Spital für nur 50 Kinder 3—4 Millionen Kronen notwendig seien. Die Reform des Religionsplanes wurde von den meisten Rednern als unentbehrlich hingestellt. Doktor Leopold Kohn bedauerte, daß die fast zu Ende gegangenen Vorarbeiten durch den Tod des Dr. David ein jähes Ende gefunden haben. Professor Dr. Ehrmann ist mit dem Religionsunterricht in den Mittelschulen soweit unzufrieden, daß er ihn für s c h ä dlich erklärt; Er leide an schweren Gebrechen und könne nur durch eine schwere Kur geheilt werden. Nach anderthalbstündiger Beratung wurde das Budget en bloc angenommen. 5RöP.r.£SP©NDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Die Generalversammlung des Brigittenauer Tempelvereines. Wien. Donnerstag, den 22. vor. Monats, fand unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung der Vereinsmilglieder die Generalversammlung statt. Uber den äußerst würdigen Verlauf derselben wird uns nachstehendes berichtet: Der Obmann, Herr Herr mann Eltbogen, eröffnete die Versammlung nach Begrüßung der Ehrengäste — als solche waren erschienen: die Präsidentin des Frauen-Vereines, Frau Dr. Weiß, mit der Vize-Präsidentin, Frau Marie Kohn, und mehreren Vorstandsdamen; der Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift", Dr. Bloch, der Herausgeber der „Neuen National-Zeitung", Herr Dr. S. R. Landau — welchen er für ihr Erscheinen und das dem Vereine stets bezeugte Wohlwollen herzlichst dankt, und begrüßt ferner unter dem Ausdrucke der Freude die hohe Frequenzziffer der Mitglieder. Er teilt weiters mit, daß vom Präsidium der Kultusgemeinde eine Zuschrift eingelaufen sei, wonach die Entsendung eines Delegierten wegen der gleichzeitig stattfindenden Budgetberatung nicht möglich sei. Entschuldigungen seien eingelangt: von Herrn Salo Cohn, welcher zum Beweise der Dankbarkeit des Vereines für die demselben geleisteten Dienste speziell eingeladen würde, wegen Unwohlseins, und von Redakteur Dr. L ö w y wegen dienstlicher Verhinderung. Ferner haben die Vorstandsmitglieder Wünsch und Reiter ihr Fernbleiben entschuldigt. Herr E11 b o g e n weist darauf hin, daß die heutige Generalversammlung den Abschluß einer Gebahrungsperiode bilde, welche durch mehrere besonders hervorzuhebende Ereignisse gekennzeichnet sei, insbesondere seien es zwei Momente, welche derselben ein festliches Gepräge verleihen. Der Obmann gedenkt sohin in warmen, von tiefem patriotischen Empfinden zeugenden Worten des 80. Geburtsfestes unseres erhabenen Monarchen und beantragt die Absendung einer Huldigungsdepesche an die Kabinettskanzlei. (Hiezu erteilt die Versammlung, welche diese schöne Kundgebung der Liebe zu unserem greisen Kaiser stehend angehört hatte, unter brausenden Hochrufen die Zustimmung.) Fortfahrend erinnert der Redner daran, daß mit dem heurigen Jahre das erste Jahrzehnt seit der Einweihung unseres Gotteshauses verstrichen sei. Es dränge ihn, dem alten jüdischen Brauche gemäß, den Lobspruch „Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, schechajonu, wekimonu, wehigijonu laseman haseh" zu sprechen; denn mit freudigen Gefühlen und mit berechtigtem Stolze können wir alle auf den verflossenen Zeitabschnitt zurückblicken. Er wolle nicht die Geschichte des Vereines hier darlegen, denn das würde wohl weit über den Rahmen der heutigen Versammlung hinausreichen. Doch könne er sich nicht enthalten in wenigen Worten darzustellen, welche Leistungen der Verein auf sich genommen und mit Gotteshilfe auch erfüllt habe. Es war im Jahre 1873 als einige tatkräftige Männer, die Herrn Moritz Heller, Moritz Kohn, Salomon Fried und Jakob Süß — die Kinder der Genannten weilen heute noch in unserer Mitte und das Andenken ihrer Väter möge ihnen zum Segen sein — es unternahmen, in dem Hause, Klosterneuburgerstraße Nr. 41, ein Betlokal zu errichten. Später tibersiedelte dasselbe in das Haus Webergasse Nr. 20. Der Verein zählte damals 30 bis 40 Mitglieder, aber schon im Jahre 1895 war die Zahl derselben auf 96 gestiegen. Im Jahre 1896 aber reifte in den Mitgliedern des damaligen Vorstandes schon die Idee, einen der Zahl der Bewohner des

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