Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 25 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 25 hätte, was er in dieser Frage bisher geleistet oder auch nur versucht hat. Die Herren haben eben dasselbe getan was Dr. Diamant und Genossen: gar nichts. Es ist daher kein Wunder, wenn die öffentliche Meinung in Galizien behauptet, daß sowohl die sozialistischen als auch die zionistischen Abgeordneten in der Schänkerfrage gar nichts unternehmen, um sich für die nächsten Reichsratswahlen die Unterstützung von tausenden Desperados zu sichern und ein agitatorisches Schlagwort zu haben. Wer weiß, ob sich die Herren nicht doch täuschen. Die jüdische Bevölkerung wird viel eher über die Abgeordneten, die zu faul oder zu unfähig sind, um in dieser furchtbaren wirtschaftlichen Krise sich voll und ganz in den Dienst ihres notleidenden Volkes zu stellen, zur Tagesordnung überzugehen. Mit Kommuniques und selbst mit den schönsten Parlamentsreden ist den 23.000 brotlosen jüdischen Schänkerfamilien nicht geholfen. Dazu gehören Massen- Pelilionen und Proteste an die Zentral-Regierung, da muß ein Volksslurm entsteh n, daß er dem Herrn Statthafter Dr. Bobrzynski in die Ohren dröhnt. Wenn aber Herr Dr. Bobrzynski sieht, daß die galizischen Juden nur von gewissenlosen Strebern, die sich durch einen Orden oder Titel bestechen lassen, und von ängstlichen Nichstuern geführt werden, dann hat er ein leichtes Spiel. Wieder eine geheime Konferenz. Am 28. November hat in Wien unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und der Presse die zweite von der Pariser JGA einberufene Konferenz behufs Vorbereitung einer Hilfsaktion stattgefunden. Es erschienen Direktor der JCA Dr. S o n n e n f e 1 d aus Paris, Justizrat Dr. Blau aus Frankfurt als Zentralleitungsmitglied der JGA, schließlich aus Wien und Galizien die Personen, die der Pariser Leitung verläßlich erscheinen; darunter neben den jüdischen Abgeordneten aus Galizien Herr Schmelke v. Horowitz aus Lemberg, der als Leiter der galizischen Hilfsorganisation in Aussicht genommen wurde. Da muß sich der arme Baron Hirsch gewiß im Grabe umdrehen. Wenn man sich erinnert, wie er schonungslos den Abgeordnelen Rappoport und Professor Rosenblatt aus dem Kuratorium der Wiener Stiftung entfernte, wie er sich durch die Manipulationen der Herren Schmelke von Horowitz und Klär mann in Lemberg gezwungen sah, seine dortige Darlehenskasse aufzulassen, dann muß man sich wohl erstaunt fragen, was die Leiter der Pariser JGA veranlaßt hat, sich mit den Traditionen ihres Stifters in Widerspruch zu setzen. G5MEINU2=un& VSReiNSNMRRitWW. Wien. Ueber Einladung des sehr rührigen und gutorganisierten „Vereines derTeilzahlungshändler Wiens" hielt Hof- und Gerichts-Advokat Dr. S. R. L a n d a u in der letzten Monatsversammlung einen Vortrag über „Die Fachinteressen der T ei lz a h 1 u n g s h ä n d 1 e r und die Aufgaben einer Fachzellung8. Die sehr zahlreich besuchte Versammlung fand in . den Saallokalitäten „Zum goldenen Widder" statt und 'wurde vom Obmann S. Bratspies eröffnet Nach ihm berichtete Herr Hermann Dickstein über die erfolgreiche Intervention der Vorstandsdcputalion beim Statthalter in Sachen der Sonntagsruhe, die vom Reichsrais-Abgeordnelen Hofrat Kuranda geführt wurde. Dann hielt Dr. Landau seinen Vortrag. Es waren eigentlich mehr Rückblicke über das wirtschaftliche Associationswesen sowie Anregungen im Interesse der sozialen und wirtschaltliehen Hebung der Abzahlungshändler. Unter anderem empfahl Dr. Landau die Gründung einer Einkaufs-Genossenschaft und einer Vorschußkasse, sowie die Errichtung eines Auskunfts-Bureaus über Schuldner und Inkassanten. Bezüglich der Fachzeilung führte Redner in näheren Details aus, welch mächtige Förderung dem Verein und allen Fachinleressenten dadurch erwachsen würde. Dem Vortrage, der allgemeine Zustimmung fand, folgte eine rege Debatte. Ueber Antrag des Herrn G a s s n e r wurde beschlossen, eine Fachzeitung herauszugeben und Dr. Landau zur Mitwirkung einzuladen. Wien. Der akademische Verein „Jüdische Kultur" in Wien veranstaltet am 15. Dezember 1. J. im Hörsaale 41 der philosophischen Falkultät einen Vortrag des Schriftstellers Maxim Anin über „Die Ueberwindungdes heutigen Juden tum es". Beginn präzise 7 Uhr abends. Gäste herzlichst willkommen. |^]Dr^HirschHiM Nach Schluß der Redaktion erhalte ich die entsetzliche Nachricht, daß der Herausgeber der „Jüdischen Presse" und Professor am Rabbiner-Seminar in Berlin, Dr. Hirsch Hildesheimer, infoige eines Herzschlages gestorben ist. Ich bin zu sehr erschüttert, um diesem großen Kämpfer im Judentum, an den mich durch 15 Jahre Bande innigster Freundschaft und politischer Gesinnungsverwandtschaft knüpften, einen umfassenden Nekrolog zu widmen, um ein getreues Bild seiner bedeutenden Tätigkeit im Interesse der Gesamtjudenschaft zu entwerfen. Hirsch Hildesheimer war zweifellos einer der bedeutendsten Juden unseres Zeitalters. Er war der Organisator des Kampfes gegen den Antisemitismus in Deutschland; er war der Hauptwortführer in der Abwehr des Schächtverbotes und der Blutverleumdung; er war ein unermüdlicher Propagator der Palästina- Kolonisation. Es hat in den letzten drei Dezennien keine große philanlropische Aktion im Interesse verfolgter Juden gegeben, an der Dr. Hildesheimer nicht aktiv mitgewirkt hätte. Er starb im 56. Lebensjahre! Was hätte er noch wirken können? Und niemand ist da, um für ihn in die Bretche zu treten. Di*. S. R. Landau. Die Rubriken „Jüdische Emigration'*, „Liste der Ausgetretenen" u. s. w. mussten diesmal wegen Raummangels in die nächste Nummer verlegt werden. Hochfeines natürliches Tafelwasser \f\ L X ~ Natürlicher: KlnwuP^ii^B J llWftJlVltW Lithion-Quelle, von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben, Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.