Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 25 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425679-2425801-2425827--1878-2428268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 25 „Neue National-Zeitung" Seite 9 und wahrheitsliebenden Mann geachtet. Es tut uns daher umsomehr leid, daß er diesmal zu einer solchen Sophisterei gegriffen hat, um den Kultusvorstand zu schüizen. Das hätte er wirklich dem Herrn Dr. Stern überlassen können. Herr Dr. Kohn hat auch in sehr interessanter Weise die Vorteile dargestellt, die sich für jüdische Aerzte aus der Vermehrung der Primarärzte am Rothschildspital ergeben. Das wird wohl niemand bestreiten. Den springenden Punkt in den Ausführungen des Dr. Landau bildete aber nicht die Ausstellung, daß zwei Aerzte ernannt wurden, sondern daß das Spital Geld findet, um ohne Konkurs einen zweiten Primararzt anzustellen, aber kein Geld hat, um im Interesse der Patienten wichtige therapeutische Behelfe anzukaufen, das heißt, daß der Kultusvorstand auf den Protektor eines Arztes mehr Rücksicht nimmt, als auf die Kranken. Herr Dr. Gustav Kohn hat ührg.'ns selbst eingesehen, daß seine Logik nicht befriedigen kann. Er kam also in der IV. Wählerversammlung, im Hobl „Post", noch einmal auf dieses Thema zurück, als dort Doktor Landau die Kandidatur des Beamten des Hauses Rothschild einer Kritik unterzog. Da erzählte Herr Doktor Kohn, daß Baron Rothschild dem Spital 150.000 Kronen geschenkt habe und nun seien ja die Mittel da, um den zweiten Primararzt zu bezahlen. Merkwürdigerweise aber war auch diese Mitteilung nicht ganz richtig. Denn die Spende des Baron Rothschild soll dem Ankaufe eines Nachbarhauses zum Zwecke der Spitalserweiterung dienen. Uebrigens darf sich der Sprecher des Kultusvorstandes auf die Förderung des Judentums bei den Aerzten nicht viel einbilden; das war doch mehr als ein Zufall, daß die beiden Ernannten den Baron Rothschild und die Bnei Brith hinter sich hatten. * Die Wahlen in der höheren Kurie. Sie ist wirklich eine höhere Kurie — ohne Gänsefüßchen. Nur Menschen, die mindestens 200 Kronen jährliche Kultussteuer zahlen, dürfen hier mitwählen. So ein Kultuswähler ist 12Y2mal so viel wert als jeder andere, mag er auch selbst ein nichtsnutziges Söhnchen eines väterlichen Millionärs sein. Denn die 25.000 Kultuswähler dürfen nur 24 Mandate besetzen, dagegen stehen den ca. 1000 Wählern der höheren Kurie Mandate zur Verfügung. Es entfällt also dort auf über 1000 Wähler ein Mandat; hier in der Kurie der jüdischen Plutokratie aber schon auf 80 Wähler ein Mandat. Und da wage noch jemand dem Herrn Dr. Spitzer zu widersprechen, daß alle Juden Demokraten sind! . . . Bei den letzten Wahlen vom 7. Dezember ist es sehr heiß zugegangen. Es sind sogar 292 Wähler von 8/9 erschienen! Denn hier hat es - man höre — einen oppositionellen Kandidaten gegeben: Herrn Wilhelm P a p p e n h e i in. Er ist aber unterlegen. Die Agitation des Hauses David von Gutrnann und der Allianz hat ihm nicht genützt. Herr Max Zirner, k. u. k. Hof-Juwelier, ist gewählt worden. Er erhielt 1.87 Stimmen, während auf Pappen heim bloß 105 Stimmen entfallen sind. Sonst wurden noch gewählt: David Ritter von Gutmann, der gleichzeitig auch Kohlenlieferant der Kultusverwaltung ist — sonst pflegt man korrekterweise in keiner Gemeindeverwaltung deren Lieferanten zu wählen; Dr. Josef Breuer, der Hausarzt der Familie Rothschild, der vor einigen Monaten das Mandat niederlegte, um sich ungestörter der Agitation für das Primariat seines Sohnes am Rothschild-Spital widmen zu können; Moriz von Kuffn e r, Wilhelm K u f f n e r und Ernst Hirsch, der Sohn seines Vaters, des verstorbenen Kultus-Vizepräsidenten Moriz Hirsch. f)as Heueste von der galizischen Schänkerfrage. Ein Dringlichkeitsantrag des Abgeordneten Breiter. Abgeordneter Ernst Breiter hat sofort nach Eröffnung der Parlaii entssession nachstehenden Dringlichkeitsantrag überreicht: „Tu Erwägung, daß das mit 1. Jänner 1911 in Kraft tretende Gesetz (vom 20 Dezember 1!>05, L.-G.-BI. Xr. 11, für das Königreich Galizien, Lodomerien, mit Großherzogtum Krakau) Tausende von Familien der bisherigen Schanker brotlos macht: in weiterer Erwägung, daß die Schaffung von lausenden und abertausenden Luftproletariern weder im Interesse des Landes und dor Gesellschaft, noch im Interesse des Staates gelegen sein kann, stellen die Unterfertigten folgenden A n t r a g : Die k. k. Regierung wird aufgefordert: a) sich mit der galizischen Statthalterei ins Einvernehmen zu setzen und nach der Richtung zn wirken, daß die noch nicht vergebenen oder vakanten Konzessionen schon mit 1. Jänner 1911 mit den minder bemittelten unbescholtenen Schänkern besetzt werden; b) ein Uöbergangsstadium für die bisherigen Schanker festzusetzen, das ihnen die Möglichkeit geben würde, sich langsam eine neue Existenz zu begründen." Da diesem Antrage eine Reihe anderer Dringlichkeits-Anträgen vorangeht, so dürfte er erst nach Monaten, jedenfalls aber erst nach Neujahr zur Diskussion gelangen. Inzwischen werden bereits die bei der galizischen Statthalterei erliegenden 18.000 Rekurse erledigt sein und Tausende jüdische Schänkerfamilien, die keine Konzession erhielten, werden zu Neujahr als Bettler ihre heimatliche Scholle verlassen müssen Es hat wohl eine Möglichkeit gegeben, diesen Antrag sofort zur Debatte zu stellen, da Herr Breiter seinen vor Monaten überreichten Dringlichkeits-Antrag Wetzler zu Gunsten seines neuen Antrages zurückzog. Allein das hohe Haus und insbesondere die Sozialdemokraten waten mit dieser Verschiebung nicht einverstanden. Herr Dr. Diamant, der Abgeordnete des Lemberger Judenghettos, interessiert sich momentan für die — Naphtafrage. Was gehen denn ihn, der sich als Schwiegersohn von Moriz Lazarus sehr gut gebettet hat, die hungernden 100.000 Juden an . . . * Die Budget - Debatte und die jüdischen Schanker. Der „Jüdische Klubu hat uns sein Komunique zugeschickt, worin er bezüglich der Schänkerfrage folgendes erklärt: „Der Klub erachtet es als heilige Pflicht, seine Fürsorge den unglücklichen OpfVrn der Regelung der Propinations- und Schänkerfrage zu leihen und sowohl Schritte, die zur Linderung der traurigen Lage der Hilfsbedürftigen eingeleitet werden, aufs Kräftigste zu unterstützen, sowie die Initiative zu notwendigen Aktionen zu ergreifen." Das sind Worte, nichts als Worte. Wir hätten es lieber gesehen, wenn der Klub darüber Bericht erstattet