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Neue Nationalzeitung · 1910-12-09 · Heft 25 (9.12.1910) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 25 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ,Neue National-Zeitung" Nr. 25 In allen Großgemeinden Deutschlands wird jetzt eine heftige Agitation gegen die Zurücksetzung der Juden im Heere eröffnet In unseren Großgemeinden geht alles gemütlich vor sich. Die Gemeindeführer sind materiell gesättigt und im Ehrenpunkt kennen sie höchstens — ihre Knopflöcher. Und so müssen wir noch den Spott ertragen, daß die Ernennung Falks als ein Symptom der bevorstehenden „Verjudung" des Auditoriates hingestellt wird, während sie in Wirklichkeit die Fortsetzung der bisherigen „Tradition" und weiteren Taufen ankündigt. Die antisemitische Presse darf sich also beruhigen; eine Verjudungsgefahr besteht für das Auditoriat nicht. Die jüdischen Parlamentarier und Politiker haben soviel an sich zu denken, daß sie zu einem Sturm in der Auditoriatsfrage nicht sobald die nötige Begeisterung aufbringen werden. L. * Eine kleine Tauf-Statistik. Wir lassen hier eine Statistik sämtlicher getauften Auditore folgen. Sie mußten sich taufen lassen, um ins Auditoriat aufgenommen zu werden. In einem Falle erfolgte die Taufe nach der Aufnahme. Die Reihenfolge ist eine chronologische. 1. Oberst-Auditor (im Ruhestande) Karl Wolf aus Waitzen: Gtetauft am 8. Oktober 1880, aufgenommen am 14. November 1880. 2. Generalchef-Auditor Gustav Falk. (Bereits oben angegeben). 3. Major-Auditor der Landwehr Dr. Norbert H a r tw i g (früher Horwitz) aus Drohobycz: Aufgenommen am 8. Juli 1893, getauft am 12. Juli 1894. 4. Hauptmann-Auditor Dr. Ernst J u n k aus Prag: Getauft am 18. Dezember 1893, aufgenommen am 27. April 1896. 5. Hauptmann^Auditor Ludwig Jzierski (früher Israeli) aus Andrychöw: Getauft am 23. Oktober 1899, aufgenommen am 30. Jänner 1900. 6. Hauptmann-Auditor Oskar Feigel aus Olmütz: Getauft am 12. November 189y, aufgenommen am 5. Februar 1900. 7. Oberleutnant-Auditor (bei Honveds) Dr. Julius Schwarz aus Szt. György: Getauft (Datum nicht zu finden), aufgenommen am 6. Juni 1898. 8. Oberleutnant-Auditor Albert Stransky aus Statnian: Getauft am 30. Mai 1902, aufgenommen am 14. August 1903. 9. Oberleutnant-Auditor Geza V e r t e s aus Munkacs: Getauft am 7. September 1903, aufgenommen am 25. Jänner 1904. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. Dr. Adolf Schmiedl.*) (Zu seinem 90. Geburtstag.) Der Nestor der Wiener Rabbiner, was aber noch mehr bedeutet, der Nestor der jüdischen Wissenschaft, der originellste Rabbiner der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Rabbiner Abraham Schmied], wird dieser Tage 90 Jahre alt. Es ist nicht unsere Aufgabe den äußeren Lebenslauf des greisen Gelehrten, der ein jüdischer Seelenhirte, ein „ro-e zön kodosim" in des Wortes edelster Bedeutung ist, zu beschreiben, da es genug Nachschlagbücher gibt, in welchen man sich nach dieser Richtung hin informieren kann. Uns, die wir jüdische Volksinteressen zu vertreten haben, und die wir uns unendlich freuen, wenn an Judas bewölktem und getrübtem Horizonte hie und da doch eine hellleuchtende Fackel aufflammt, um in den jüdischen Lehrstätten und in den Herzen der jüdischen Volksglieder ein dauernd brennendes, geistiges Licht zu unterhalten, obliegt es, aus Anlaß des 90. Geburtstages des originellen greisen jüdischen Gelehrten und Meisters in Israel, den geschätzten Lesern und Freunden dieses Blattes zu zeigen, auf welch idealer Höhe das geistige Schaffen, das humane Wirken und die religiöse Begeisterung des greisen Jubilars steht. Es gibt beispielsweise Rabbiner, die da der Meinung sind, daß, wenn sie den großen jüdischen Volksmassen (hamön-äm) gegenüber mit einem gewissen, jedes Maß des Zulässigen überschreitenden Stolz auftreten, einige Bücher über irgend einen Zweig jüdischer Wissenschaft veröffentlichen, sie ihrer Aufgabe als Rabbiner nachgekommen sind, ihre Pflicht als „Seelenhirt" erfüllt haben, ohne zu bedenken, daß gerade der jüdische Lehrer, daß gerade der Meister in Israel, mehr als jeder andere mit demokratischem Oele gesalbt, von demokratischer Gesinnung durchdrungen sein muß. Andere wiederum tun des Guten zuviel, indem ihr ganzer Rabbinismus statt auch in Gelehrsamkeit, sich ausschließlich im Verkehr mit dem Volke äußert, dem sie schmeicheln, dem sie auf allen Gebieten religiöse Konzessionen machen, um seine Gunst zu gewinnen. Dr. Adolf Schmiedl, ausgerüstet mit dem ganzen Rüstzeug auch moderner jüdischer Wissenschaft; Doktor Adolf Schmiedl, der noch heute fest und steif behauptet und es jedem jungen Rabbiner, der ihn besucht, eindringlich einschärft, daß es ohne die gründliche Kenntnis des Arabischen unmöglich sei, in den erhabenen Geist der goldenen hebräischen Sprache einzudringen — ist bis auf den heutigen Tag auch der alte „Lamdan" geblieben, der noch immer vergnügt ist, wenn sich ihm Gelegenheit bietet, einem kampflustigen und scharfsinnigen Talmudjünger pilpulistisch Rede und Antwort zu stehen. Und dieser Doktor Schmiedl, der literarisch so fruchtbar war wie selten einer seiner Berufsgenossen und Kollegen, war nie angesteckt von dem abstoßenden Gelehrtendünkel, dessen Träger auf alle anderen Menschen verächtlich herniederschauen. Da das Judentum der Diaspora keine Hierarchie in seinen religiösen Einrichtungen kennt und mit Recht jeder hierarchischen Strömung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft entgegentritt, ist die Stellung des Rabbiners in der Gemeinde, von dem doch schließlich gefordert wird, daß er gewisse Entscheidungen treffe, die autoritative Kraft haben, eine sehr schwierige. Nur dann, wenn der *) Es war uns leider , nicht möglich, eine Photographie des Herrn Dr. Schmiedl zu beschaffen. Wir hoffen jedoch, dieselbe noch nachtragen zu können. Die Red.

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