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Neue Nationalzeitung · 1910-11-25 · Heft 24 (25.11.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 24 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue Natioiial-Zeitung" Nr. 24 40 Jähren gegründete „Talmudverein" verdankt hauptsächlich seinen Bemühungen ihr Entstehen. Er ist auch Mitbegründer der Pester orth. isr. Gemeinde, in der er seit 24 Jahren mit kurzen Unterbrechungen die Würde eines P r ä s e s bekleidet. Auch gründete er den ersten Verein „Tifereth Bachurim*, der dann in die ortb. „Sehaß-Chewra" umgestaltet wurde. Die vor viereinhalb Jahren slaltgefundene erste Versammlung der orth. Landesrepräsentanz wählte ihn zum Mitgliede der orth. Zentralkommission. Eine Tochter des Herrn Moses von Freudiger ist an den Gutsbesitzer Jakob Lindenbaum., in Drohobycz verheiratet. Der Fall, daß ein orthodoxer Jude in den Adelsstand erhoben wäre, ereignete sich in Oesterreich zweimal, in beiden Fällen jedoch kamen ganz andere Verdienste in Betracht. Schmelke von Horowitz hatte sich um die Sanierung der galizischen Landesausstellung bemüht und Baron Waldberg bat einem sehr hohen Herrn zwei Millionen geliehen. Der Erzbischof von Lissabon — ein getaufter Jade. Ueber den Erzbischof von Lissabon, den Kardinal Netto, welcher als erster auf der Ausweisungsliste stand, aber auch als erster von den kirchlichen Würdenträgern in das republikanische Lager überging, bringt der Pariser „Temps" vom 20. Oktober interessante Mitteilungen. Danach soll der Erzbischof in Wirklichkeit Salomon Netter beißen und als Sohn eines jüdischen Handelsmannes in der kleinen Stadt Bertheim in Elsaß-Lothringen geboren sein. Er besuchte zuerst die jüdische Schule, um Rabbiner zu werden, widmete sich dann aber dem Kaufmannsstande. Er kam in die Dienste einer Pariser Firma, die ihn als Einkäufer nach Spanien sandle. Dort machte er die Bekanntschaft eines Bischofs und ließ sich von diesem zu dem Glaubens Wechsel überreden. Nachdem er zum katholischen Glauben übergetreten war, besuchte er die theologische Universität zu Salamanka und trat dann in den Orden der Franziskaner ein, wo er es rasch zu den höchsten kirchlichen Würden brachte. Antisemitische Geheimbündelei in Ungarn. Die letzte Nummer des Freimaurerblattes „A Vi lag" enthält einige sehr interessante Enthüllungen über die Existenz eines über das ganze Land verzweigten klerikal-antisemitischen Gebeimbundes und veröffentlicht einzelne Paragraphe aus den Statuten dieser geheimen Vereinigung, die sich in Anlehnung an die Urgeschichte der Ungarn „Hunnisch-Magyarischer Blutsvertrag" nennt. Die Mitglieder des Verbandes, dem nur „christliche Ungarn krystallreinen Charakters" angehören dürfen, verpflichten sich, bei Bewerbung um eine Stelle oder bei Anstrebung eines Avancements usw. einander unter allen Umständen zu unterstützen und als Vorgesetzte die Bundesbrüder unbedingt, „auch wenn dies allgemeine Entrüstung hervorrufen sollte", andern Bewerbern vorzuziehen. Daß dieses eigentümliche Schutz- und Trutzbündnis in erster Linie gegen die jüdischen Beamten gerichtet ist, denen jede Möglichkeit des Vorwärtskommens unmöglich gemacht werden soll, geht aus der ganzen Tendenz des Bundes, wie sie in den Satzungen zum Ausdruck gela< gt, deutlich hervor. Ein jungjüdischer Almanach in ungarischer Sprache. Ende Dezember d. J. wird in Budapest unter der Redaktion von Dr. Josef Patai ein jungjüdischer Almanach erscheinen, welcher als erstes Werk der jüdischen Renaissance in angarischer Sprache von großer Bedeutung sein wird. Dr. Patai genießt in Ungarn einen ausgezeichneten Ruf als jüdischer Dichter und Schriftsteller. Er hat sich für den Almanach die Mitarbeiterschaft hervorragender literarischer und künstlerischer Kräfte gesichert. Das Jubiläum des „Board of Deputies" in England. Die jüdische Gemeinde Londons hat den 150. Jahrestag der Gründling des Board ofDepqties (RepräsentantenrKollegiums), der im Jabre 1760 von der sephardischen Gemeinde in London ins Leben gerufen wurde, gefeiert. Der Board besteht aus 119 Vertretern, von denen 43 die Synagogen in London und 72 die Gemeinden der Provinzstädte und der britischen Kolonien vertreten. Der Hauptzweck dieser Körperschaft besteht darin, die Interessen der Juden in England bei neuen Gesetzentwürfen zu wahren und für den Fall, daß diese verletzt werden, einzugreifen. Zusammen mit der Anglo-Jewish Association ist der Board of Deputies auch tätig in Fällen, wo es sich um Bedrückung der Juden im Osten handelt. Der jetzige Präsident des Boards ist.Rechtsanwalt D. L. Alexander, K. C. Vizepräsident ist Mr. Leopold Rothschild, ein Bruder von Lord Rothschild. Ein Dankgottesdienst fand am 20. November in der sephardischen Synagoge statt, wobei der Chacham Dr. G a s t e r die Festpredigt hielt. Anläßlich dieser Feier hat der Board eine Geschichte seiner Tätigkeit herausgegeben, die aus der Feder seines Sekretärs Mr. Charles Emanuel stammt. Eine Konferenz der russischen Landesorganisation für hebräische Sprache und Kultur fand in Kiew von Donnerstag den 3. bis Sonntag den 6. November statt. Sie hat sich mit der Festsetzung der Richtlinien für die Tätigkeit der Organisation in Rußland beschäftigt. Es nahmen u. a. teil: Ch. Bialik, A. Ben-Awigdor, N. Sokolow, M. Uschiski n, H. Slatopolski, Rabbiner Tschernowitsch und andere bedeutende Persönlichkeiten. Rabbinerkonferenz in Krakau. Von einem Londoner Blatte wird gemeldet, daß demnächst in Krakau eine Rabbin erkonferenz stattfinden soll, die sich mit der Frage der Förderung des religiösen Lebens und der Hebung der Thorakunde unter den galizischen Juden beschäftigen wird. Die Konferenz wird auch darüber beraten, wie dem immer mehr überhandnehmenden Abfalle vom Judentum wirksam begegnet werden könnte. Ferner soll eine Kundgebung gegen den tibergroßen Einfluß der Wunderrabbis erfolgen. Dem gegenüber behauptet der Krakauer „Tag", daß diese ganze Nachricht aus der Luft gegriffen ist. Krakau als Ausgangspunkt einer Antichristen- Bewegung. Es gibt keine noch so unsinnige Verläumdung der Juden, als daß sie in einem antisemitischen Gehirne nicht Glauben fände. So wurde auf dem Mitte dieses Monates in Budapest tagenden „Katholischen Landes-Kongreß" folgendes Märchen zum Besten gegeben : „Wir dürfen nicht gestatten", sagte u. a. einer der Redner, Reichsratsabgeordneter Johann Frey, „daß man in der staatlichen Verwaltung den Juden den Vorzug gebe". (!) Der Redner tischte ferner seinen Zuhörern folgende „historische Tatsache" auf: „Vor 30 Jahren traten die Juden in Krakau zusammen, um darüber schlüssig zu werden, in" welcher Weise die jüdische Herrschaft in Europa gesichert werden könnte. Damals wurde beschlossen, in ganz Europa die Presse zu verjuden. Wer verfügt heute über die Macht? (Rufe: Die Juden!) Wem gehört die Presse? (Rufe: Den Juden!)" Hierzu muß bemerkt werden, daß dem Kongresse die vornehmsten politischen Kreise des Landes beiwohnten, u. a. auch der Kultusminister Graf Z i c h y und der bekannte antisemitische Ministerialrat Baron Barköczy. Und derselbe Kongreß hat eine Resolution angenommen, in welcher gegen die „Fälschungen" der von unchristlichen Autoren verfaßten Geschichtsbücher Einspruch erhoben wird! "

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