Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 24 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 „Neue National-Zeiturig" Seite 9 G5MSlNÖ5=üNt> VSRCkNSNÄtöRitWW Wim. Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in' Wien (früher jüdisch-akadem. Lesehalle) geht daran, einen Verband der Alten Herren zu begründen, um alle jene, die einst in ihrer Studentenzeit für die Halle tätig waren, enger aneinander zu schließen und sie in näheren Kontakt mit der Halle und deren jetzigen Mitgliedern zu bringen. Aus diesem Grunde werden alle, die zu Alten Herren ernannt wurden oder Ausschußmitglieder der Halle waren, gebeten, Ihre Adresse schriftlich dem Verein an seine Adresse Wien, IX. Porzellangasse 11 bekannt geben zu wollen. Wien. (Theologischer Verein) Die Neuwahlen für das Wintersemester 1910/11 ergaben. folgendes Resultat: Präsident: Israel Deutsch; Vizepräsident: Bela Diamant; Kassier: Emil i'riedmann; I. Schriftführer: Israel Kohn; II. Schriftführer: Hersch Andermann; N. F. K.: Albert Weiner. Wien. (Akademischer Verein „Jüdische Kultur"). Die jüdischen Sprachkurse (ostjüdische Volkssprache), beginnen Mittwoch den 23. November 1910 im Vereinslokale (n., Blumauerg. 20/8). I. Kurs: Jüdisch Lesen und Schreiben, Lektüre kleinerer Werke. II. Kurs: Grammatik und Etymologie, Lektüre größerer Werke und Literaturgeschichte. Die Kurse sind unentgeltlich und werden zweimal wöchentlich abgehalten. Anmeldungen sind mündlich oder schriftlich bis zum 23. d. M. an die Vereinsadresse zu richten. Die Chargenwahlen für das laufende Wintersemester des Studienjahres 1910/11 ergaben folgendes Resultat: cand. ing. Michael Hellmann X» cand. phil. Menasche Rath X X» cand. ing. Josef Klinger XXX- Wien. („Oesterreichisch-I s raelitische Union".) Der diesjährige Vortragscyklus der , Oesterreichisch-Israelitischen Union" wird Samstag den 26. d. M präc. 1lß Uhr abends, im Festsaale des „Niederösterreichischen G e w e r b e v e r e i n e s", I. Eschenbachgasse 11 durch einen Vortrag des Herrn Dr. Ignaz Zollschan eröffnet. Herr Dr. Zollschan wird über das Thema „Taufe, Rasse, Zukunft" sprechen. Der Eintritt ist nur gegen Vorweisung der Einlad\ang gestattet. ALLEN WCLtGCiLEN Zum Tode Leo Tolstois. In dem genialen Dichter, dessen Tod eine unheilbare Wunde der Kulturwelt gesehlagen hat, verlieren die Juden einen ihrer besten und edelsten Freunde. Leo Tolstoi, der Volks- und Menschenfreund, hat wiederholt in Worten tiefster Entrüstung den Antisemitismus gebrandmarkt. Wir verweisen auf die von uns im Jahrgange 1908, Nr. 41, ausführlich besprochene Broschüre „Graf Leo Tolstoi über die Juden" (erschienen in deutscher Sprache bei E. Murawkin in Berlin), die einen vernichtenden Protest des grossen Dichters gegen den Antisemitismus enthält. Hier wollen wir ein Zitat daraus veröffentlichen: „Ich kann mir nur sehr schwer den Seelenzustand von Menschen vorstellen, die von einem derartigen Wahnsinn befallen sind. Nie in meinem Leben spürte ich derartige Empfindungen in mir und beobachtete sie auch niemals unter dem Volke. Aber je mehr ich über diese Sache nachdenke, desto deutlicher und deutlicher sehe ich, daß der Antisemitismus weder eine Gesinnung, noch eine politische Ueberzeugung,. noch wieder ein Parteistandpunkt ist . . sondern vielmehr ein krankh after Zustand, eine wilde Leidenschaft, die sich dem Gebiete der niedrigsten Geschlechtsinstinkte nähert, Instinkten mit besonderer perverser Schattierung." „Unter allen Schamlosigkeiten ist der Antisemitismus die allerekelhafteste und höllischeste Erscheinung. Hier findet man alles: die Galle des Hasses, den, Geifer der Toll wut, das Lächeln des Verrats^ und.alles,., was das Niedrigste der Menschenseele aus, sich zeugen kann** Solche Worte hat dieser edle Mann seinem Volke enU gegengeschleudert, welches die Juden gemordet und gebrandschatzt hat! , Ehre seinem Andenken! Das jüdische Volk wird ihm unvergeßlichen Dank wissen I American Jewish . Historical Society. Die 19. Jahresversammlung der jüdisch-historischen Gesellschaft in Amerika ist für Sonntag den 12. und Montag den 13. Februar 1911 nach Philadelphia ausgeschrieben. Das Präsidium der Gesellschaft macht alle diejenigen, die die Absicht haben, in dieser Versammlung zu referieren, aufmerksam, dies unter Angabe des genauen Titels bis spätestens den 10. Jänner 1911 dem Sekretär Albert M. Friedenberg, 38 Park Row, Newyork, N. Y. zu tun. Es wird besonders aufmerksam gemacht, daß das Thema der Referate nicht auf Fragen der Geschichte der Juden in Amerika beschränkt ist, daß die Aufgabe der Gesellschaft vielmehr sich auf die Forderung des- Studiums der jüdischen Geschichte im allgemeinen erstreckt. Der Präsident der Gesellschaft ist der bekannte jüdische Ge-, lehrte Cyrus Adler (2041 N. Broad St. Philadelphia).. Dr. K. Lippe — al» Jubilar. Der 80. Geburtstag: Dr. Lipp es wurde von der Judenschaft in Rumänien gefeiert. Dr. Karl Lippe ist 1830 zu Stanislau in Galizien geboren, oblag medizinischen Studien in Lemberg4 und wurde an der Universität Erlangen in Bayern zum Dr. med. promoviert. Seine literarisch-publizistische Tätigkeit hat er während seines Lebens auschließlich der Verteidigung des Judentums gewidmet und mit rühmenswerter Unerschrockenheit, mit1 Sach-und Fachkenntnis hat erseinen Kampf für die Rechtsstellung seiner hartverfolgten Glaubensbrüder in Rumänien geführt. Von seinen zahlreichen, zumeist apologetischen Charakter tragenden Schriften, die er in deutscher, französischer, hebräischer» polnischer und rumänischer Sprache veröffentlicht hat, mögen hier die folgenden nahmhaft gemacht werden: „Darke harefaah" (1869), eine Diätetik und Heilkunde in populäre^ Darstellung; „Ghetto der jüdischen Namen" (1871); „D*r, Jubenhaß" (deutsch 1871, rumänisch 1879); „Gauserieshistoriques" (1869), eine Darstellung der ethischen Prinzipien des Rabbinismus; „Die Essäer als Maurer" (1875); »Das Evangelium Matthaei vor dem Forum der Bibel und des Talmud" (1889); „Die rumänische Judenfrage vor dem Berliner Kongreß" (1878); „Symptome der antisemitischen Geisteskrankheil" (1886) und „ Rabbinisch-wissenschaftliche Vorträge" (1897). Ein orthodoxer Jude — geadelt. In Budapest wurde dem Präsidenten der orthodoxen Gemeinde Moses Freudiger der Adelsstand verliehen. Mit Recht hat diese Auszeichnung, die nur wegen der Verdienste um die jüdisch-orthodoxen Angelegenheiten erfolgte, großes Aufsehen erregt. Herr Moses Freudiger de Obuda ist der Sohn des Rabbiners Pinkas Leb Freudiger s. A., der in Izsak als Rabbiner amtierte und dann 25 Jahre lang in Obuda (Altofen) Rabbiner-Stellvertreter war. Schon als 18jähriger Bachur hielt der nunmehr Geadelte in der Synagoge der Altofner Gemeinde eine überraschend gelungene „D'raschab" und bald darauf erhielt er die Autorisation als Rabbiner, von der er jedoch keinen Gebrauch machen wollte, obwohl ihm mehrere Rabbinatsämter angetragen wurden. Er zog den kaufmännischen Beruf vor, weshalb er von Altofett nach Pest übersiedelte. Auch von hier aus noch nahm er regen Anteil an der Verwaltung' der von ihm in Altofen gegründeten, sechsklassigen jüdischen Schule, die von der Statthatterei als „Musterhauptschule" anerkannt wurde. Der in Pest vor etwa