Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 24 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.: 24-;: _„Neue :;National«2jeitttqg^_Säte 7 Der t jüdische Wählerverein von Hernals-Ottakring hält zwar an der ..vom offiziellen Wahlkomitee abgelehnten Kandidatur des Dr. D e u t s c h fest, doch wurde im. Uebrigen; den, Wählern die Abstimmung freigegeben. Herr Dr. Deutsch bewirbt sich um das vierjährige Mandat des Herrn Grünwald (Floridsdorf). ■ * Es wird von offizieller Seite das Gerücht verbreitet, daß Dr. Anselm Halp ern dem Vorstande des „Verbandes der östlichen Juden" angehört. Diese Nachricht entbehrt jeder Begründung. Dr. Halpern, der vor einigen Jahren aus Stanislau nach Wien übersiedelt ist, gehört dem obgenannten Verbände nicht an und ist überhaupt in der östlichen Judenschaft Wiens ganz unbekannt. Die Kandidatur wurde von Herrn Rabbiner Mayersohn forciert. * Die Wählerlisten. Aus dem Recheuschaftsberichte ergibt sieb, daß die Wiener Gemeinde im Jahre 1908 23.192 und im Jahre 1909 25.276 Steuerträger gezählt hat. Wie schaut es aber mit der Wählerzahl aus? Nach dem Gemeindestatut kommt allen Steuerträgern, mit Ausnahme derjenigen, die „nicht eigenberechtigte Söhne von wahlberechtigten Angehörigen der Kultusgemeinde" sind und das Wahlrecht erst im dritten Steuerjahre erlangen, sofort das Wahlrecht zu. Seit 1908 fehlen aber die Ma?sen jener Wähler, die den Ukas des Präsidenten nicht befolgt und die Steuer bis 26. September 1. J. nicht erlegt haben. Von 25.276 Steuerzahlern finden wir heuer kaum 12.268, also 50 Prozent in der Wählerliste. Auf die einzelnen Bezirke verteilt sich heuer die Wählerzahl wie folgt: 1. Wahlbezirk (Innere Stadt).....1992 Wähler 2. „ (Leopoldstadtu. Brigittenau) 3085 „ 3. „ (Landstraße u. Simmering) 768 „ 4. „ (Wieden, Margarethen und Favoriten)......841 „ 5. „ (Mariahilf und Neubau) .1635 „ 6. , (Josefstadt und Aisergrund) 2032 7. „ (Meidling,Hietzing,Rudolfsheim und Fünf haus) . . 681 „ 8. „ (Ottakring und Hernais) . 407 „ 9. „ (Währing und Döbling) .728 10. „ (Floridsdorf).....09 * Der Rechenschaftsbericht. Der Rechenschaftsbericht gleicht den Vorgängern. Nur die Ziffern haben sich geändert. Er ist eine schematische Zusammenstellung von Ziffern; nur hie und da verbrämt durch einen Appell an die Glaubensgenossen zur erhöhten Beitragsleistung mit Rücksicht auf die zunehmende Not der jüdischen Bevölkerung. Vom Gemeindebudget wird angegeben, daß es im Jahre 1908 mit einem Defizit von K 141.443-87, und im Jahre 1909 mit einem Ueberschuß von K 168.678*78 abgeschlossen wurde. An Stiftungen sind K 1,742.100 sowie das Haus Schottenring Nr. 25 zugewachsen. * Oppositionelle Wähler Versammlungen. Seitens des „Verbandes der östlichen Juden" würden für den 12. d.*und 20. d. Wählerversammlungen einberufen. Die erste fand im Cafe Schwenderhof in Fünfhaus, die zweite im Saale »Zum goldenen Widder* in der Leopoldstadt statt Beide Versammlungen waren sehr gut besucht und haben in denselben Dr. S. R. Landau über „Die Ziele des Verbandes" und Dr. Josef Z i p s e r über „Di e K u 1 tuswahlen" Referate erstaltet. Den Referaten folgte eine sehr lege Diskussion. Jedesmal hat der Verband durch' neue Mitglieder einen Zuwachs erhalten. * Offizielle Wählerversamminngen. Offizielle Wählerversammlungen sind im IL, VI., IX. und I. Bezirke abgehalten worden. In denselben stellten sich die vom offiziellen Wahlkomitee ernannten Kandidaten vor. Dieselben waren zumeist von Funktionären und Angestellten der Kultusgemeinde, jedoch zum geringsten Teile von Wählern besucht. Die Apathieder Wählerschaft scheint diesmal eine sehr große zu sein. * In den nächsten Nummern werden wir noch ausführlicher auf die Wahlbewegung zurückkommen. RpRSeSPONDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Eine Hilfsaktion für die galizischen Juden. Wien, den 25. November. Wie wir erfahren, findet in den Räumen der Allianz am 28. d. M. die zweite, von der Pariser J. G. A. einberufenen Konferenz zur Beratung einer Hilfsaktion für die galizischen Juden statt. Die Konferenz wird über folgende Angelegenheiten beraten: 1. Ueber die im Interesse der kulturellen Hebung der Juden Galiziens zu unternehmenden Schritte; 2. über die Mittel, die für die materielle Besserstellung der jüdischen Bevölkerung in Galizien angewendet werden sollen: 3. über die Frage der jüdischen Auswanderung. Die Konferenz ist vertraulich; es nehmen daran nur die Personen teil, die Herr Direktor Doktor Sonnenfeld in Paiis einlädt. Die jüdische Presse, aus der die eingeladenen Herren und insbesondere die Herren Kuratoren der IGA überhaupt erst gelernt haben, wie die Verhältnisse in Galizien ausschauen und was zu tun wäre, bleibt ausgeschaltet. Die ICA denkt also in Oesterreich ganz nach russischem Muster zu arbeiten. Was uns betrifft, so werden wir eine weitere Günstlingswirtschaft bekämpfen. Wir müssen schon jetzt als ein sehr bedauerliches Symptom für den Mangel an Objektivismus hinstellen, daß Herrn Dr. Moriz Friedländer, der als Sekretär der „Allianz" und der „Baron Hirsch'schen Stiftung" durch Jahrzehnte in Galizien tätig war und dessen Anregungen ein großer Teil der philantropischen Aktionen des Baron Hirsch zu verdanken istt überhaupt zu den Konferenzen nicht eingeladenwurde.