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Neue Nationalzeitung · 1910-11-11 · Heft 23 (11.11.1910) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 23 (11.11.1910)
Date
1910-11-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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'Nr. 23 „.Neue JNauonal-Zeituug" boite 7 Es wäre die höchste Zeit, daß in dieser Periode der-Teuerung die breiten Schichten des konsumierenden jüdischen Publikums nicht mit ihrer religiösen Ueberzeuguüg in Kollision geraten müssen; wenn sie sich Würstel kaufen wollen. Mit welchem Rechte nennen sich denn Kultusvorstand und Oberrabbiner konservativ?.. . Deutsches Reich. Ein Monstremeeting gegen die Abfallbewegung. Berlin, 4. November. (Orig.-Korr.) Gestern fand in den Philharmonie-Sälen ein von tausenden Juden beiderlei Geschlechts besuchte Monstre-Versammlung statt, welche vom „Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" zum Zwecke der Stellungnahme wieder die Abfallbewegung einberufen wurde. Den Vorsitz führte Kömmerzienrat Hurwitz, das Referat erstattete Rabbiner Dr. Weisse. Es war geradezu glänzend. Der Redner entrollte in begeisterten Worten ein Bild unserer Leiden seit der Bedrohung unserer staatlichen Selbständigkeit durch Rom bis in die jüngste Zeit und wies nach, welchen Anteil an diesen Verfolgungen getaufte Juden genommen haben. In allen Perioden unseres Golus waren es immer getaufte Juden, die die Brandfackel in das stets explosionsfähige Pulverfaß des arischen Hasses schleuderten: von Tiberras Alexander bis zum Professor Stahl, dem geistigen Vater der deutschen Konservativen. Die moderne Taufbewegung sei nichts als Strebertum und Titelsucht. Den Schluß der Rede bildete ein Panegyrikus auf den hohen ethischen Wert des jüdischen Glaubens und den jüdischen Wohltätigkeitssinn. Nach ihm sprachen der Generalsekretär des Vereines, Rechtsanwalt Dr. Hollen der und Doktor Apfel, der Präsident des siebentausend Mitglieder zählenden jüdischen „Jugendbundes". Er forderte zum Boykott aller Getauften und aller, die ihre Kinder taufen, auf. Die erhebende Versammlung schloß mit der Annahme einer Resolution, in welcher dagegen protestiert wird, daß die Regierung durch Verleihung von Auszeichnungen an Getaufte lediglich die Unwahrhaftigkeit und Gewissenlosigkeit fördere. Gleichzeitig wurden alle Juden aufgefordert, die Getauften zu boykottieren. Die Versammlung zeigte, daß man hier seitens des Rabbinates und der Bevölkerung der Taufseuche ernstlich an den Leib rückt. Wäre es nicht hoch an der Zeit, daß auch die Herren Rabbinär in Wien erwachen und ihre Pflicht erfüllen? . . . Großbritannien. Lord Rothschild. London. Lord Rothschild feierte am 8. November seinen 70. Geburtstag. Er wurde am obenerwähnten Tage des Jahres 1840 in London geboren und ist der Sohn des Barons Lionel de Rothschild, der im Jahre 1879 in derselben Stadt verschied. In seinen Jugendjahren genoß er eine liberale Erziehung und mit klassischem und modernem Wissen ausgerüstet, bezog er die Universität in Cambridge. Einer seiner dortigen Studiengenossen und intimen Freunde war der Prinz von Wales, den nachher als Eduard VII. den englischen Thron bestieg und nach einer kurzen glorreichen Regierung im Monat Mai das Zeitliche segnete. Diese Freundschaft wurde von König Eduard während seines ganzen späteren Lebens aufrecht erhalten Er bewies dies dadurch, daß er Lord Rothschild häufig mit seinen Privatbesuchen beehrte und ebenso oft ihn zu sich einlud. Lord Rothschild war 20 Jahre lang — von 1865 bis 1885 — Mitglied des englischen Unterhauses und im letztgenannten Jahre wurde er von der englischen Königin Viktoria zu der Wörde eines Lords erhoben, die ihm einen lebenslänglichen Sitz im englischen Oberhause (House of Lords) verschaffte. Lord Rothschild ist Präsident der sogenannten United Synagogue und in dieser Eigenschaft pflegt man ihn als den Repräsentanten aller Juden in England anzusehen. Obschon fast alle bedeutenden jüdischen Institute in London von ihm in liberaler Weise unterstützt werden, so hat er immer eine Vorliebe für die im Osten von London bestehende Jewish Free School bewiesen. Die fragliche Lehranstalt ist eine der größten im englischen Weltreiche und wird von Tausenden von Schülern besucht, die fast ausschließlich die Kinder von russisch-jüdischen Immigranten sind. Die meisten dieser Zöglinge sind, wenn sie die fragliche Anstalt verlassen, mit vielem praktischen Wissen ausgerüstet, so daß es ihnen nicht schwer fällt, in England und auswärts einträgliche und ehrenvolle Stellungen in verschiedenen Branchen des menschlichen Tuns und Schaffens zu erlangen. Lord Rothschild hat sich wegen seines imperialistischen Auftretens bei den letzten Wahlen viele Gegner unter den Juden verschafft. Die jüdische Gemeinde wird ihn durch die Ueberreichung eines Gratulationsalbums mit den Unterschriften der Präsidenten aller jüdischen Institutionen Englands feiern. Die Ueberreichucg wird am Mittwoch Nachmittag in New Court, dem Sitze der Rotschildschen Bank erfolgen. An demselben Tage wird auch der Vorstand der vereinigten Synagogen Londons, dessen Präsident der Lord ist, Lord Rothschild eine Adresse überreichen. GgMSiN0S=uN» VCReiNSNrHRRitftWN Wi*n. Erster jüdischer Hausbesorger- und Portier-Verein. Auf Grund der von der hohen k. k. Statthalterei genehmigten Vereinsstatuten fand am 1 November d. J. die konstituierende Generalversammlung des I. jüdischen Hausbesorger- und Portiervereines statt. Im Namen der Proponenten berichtete Herr Karl Zerkowitz über die Vorarbeiten des Komitees und war in der Lage zu melden, daß die Idee der Vereinsgründung in der jüdischen Bevölkerung Anklang gefunden hat und daß sich bereits zahlreiche Mitglieder gemeldet haben. Ebenso sei mit Freude zu konstatieren, daß sich die jüdischen Hausbesitzer zum größten Teile bereit erklärt haben, die Bestrebungen des Vereines zu fördern. Mit besonderer Befriedigung hebt der Kedner hervor, daß sich in der Sektion für Arbeitsnachweis eine stattliche Anzahl äußerst tüchtiger, verläßlicher Bewerber gemeldet haben, die befähigt sind, den weitgehenden Anforderungen an einem Hausbesorger oder Portier zu entsprechen. Bei der hierauf vorgenommenen "Wahl wurden die folgenden Herren in den Ausschuß gewählt: Zerkomitz als Obmann, Schwarz als Obmann-Stellvertreter. Zwillinger als Schriftführer, Grossmann als Schriftführer-Stellvertreter, Ullmann als Kassier, Halpern als Kassier-Stellvertreter, Pollak, Hermann, Wertheimer als Ausschuß-Mitglieder, Färber und Hirsch als Revisoren. Nach Besprechung interner Angelegenheiten wurde die Versammlung geschlossen. Als Sitz des Vereines wurde bis auf weiteres das Restaurant Winterstern, Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 1, bestimmt. Zuschriften sind an den Obmann, Karl Zerkowitz, Portier I., Seitenstettengasse Nr. 4 zu richten.

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