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Neue Nationalzeitung · 1910-11-11 · Heft 23 (11.11.1910) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 23 (11.11.1910)
Date
1910-11-11
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 ,Neue National-Zeitung1 Nr. 23 RALLEN WBirailM Die Korobka, die von den Juden in Rußland bezahlte Licht- und Fleischsteuer, wird seitens der Regierung für — Polizeizwecke verwendet. In einer dieser Tage stattgehabten Sitzung der parlamentarischen Budgetsubkommission, die sich mit der Prüfung des Etats für das Ministerium des Innern befaßt, wurde diese Tatsache konstatiert. Der sozialdemokratische Abgeordnete Beloussow wies darauf hin, daß im genannten Etal für das Jahr 1911 die Verwendung von jüdischen Korobkageldern für Polizeizwecke offiziell bestätigt und ganz offen als staatliche „Einnahme" bezeichnet werde. Es beiße darin: 2900 Rubel von der Korobka in Belozerkow für die Unterhaltung von 20 Polizisten daselbst; 1730 Rubel von der Korobka in Fastow für den Unterhalt von 6 Polizisten daselbst; 120 Rubel von der Korobka in Ratik für einen Polizeidiener; 2000 Rubel von der Korobka in Smele für 11 Polizisten; 720 Rubel von der Korobka in Jekaterinoslaw für einen Polizeibeamten usw. usw. Die Kommission beschloß darauf, eine Anfrage an das Ministerium zu richten, auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmung Korobkagelder für Polizeizwecke verwendet werden. Auch die Etats anderer Ministerien enthalten ein ähnliches, spezielles „jüdisches Budget". Das nächstjährige ungarische Budget weist für jüdische konfessionelle Zwecke einen Zuschuß von 150.000 Kronen — bisher 120.000 Kronen — auf. Die noble österreichische Regierung stellt den Juden — 12.000 Kronen zur Verfügung. Und die österreichischen Kultusgemeinden sind damit zufrieden. .. . Jüdische Prostituierte in Krakau. Dr. A. Zopsnicki macht in der Wratschebnaja Gazeta, 1909, Nr. 43, S. 1311, interessante Angaben über die Prostitution in Krakau. Danach betrug die Gesamtzahl der im Zeiträume vom 1. Jänner 1900 bis März 1909 registrierten Prostituierten 719. Darunter waren in Prozenten 53*1 polnische, 17*2 deutsche, 161 jüdische, 6*3 böhmische, 5 8 ruthenische und 1*4 anderer Nationalität. Da nach »Die Juden in Oesterreich" die Krakauer Bevö'kerung (85.274 Seelen) in Prozenten aus 69-2 Polen, 29 6 Juden, und 0 6 Ruthenen besteht, so seheinen die Jüdinnen unter den Prostituierten sehr schwach vertreten zu sein, indem ihr Prozentsatz unter der Bevölkerung beinahe doppelt so groß ist als der unter den Prostituierten. E. L. Lewinski— gestorben. Eine Trauerkunde kommt aus Odessa : E. L. L e w i n s k i, der bekannte hebräische Schriftsteller und unermüdliche Vorkämpfer für die nationaljüdischen Bestrebungen, ist nach kurzem, schwerem Leiden an einer intolge eines Ohrengeschwüres eingetretenen Blutvergiftung im Alter von 52 Jahren verschieden. Die hebräische Literatur verliert in ihm einen ihrer beliebtesten Repräsentanten und die zionistische Idee — einen ihrer eifrigsten Verfechter. Lewinski war der eigentliche Schöpfer des hebräischpublizistischen Feuilletons. Mit glänzendem Stil, der sich durch eine besonders persönliche Note auszeichnete, mit weltmännischer Klugheit und Lebenserfahrung, mit köstlichem Humor und launiger Ernsthaftigkeit behandelte er alle Vorgänge der jüdischen Welt, deckte er die grotesken Erscheinungen des Goluslebens auf, für deren Motive er volles Verständnis hatte; tröstete er seine Brüder in den Zeiten der Not. Seine Satyre war nicht gallig, verbittert und kränkend. Sein Humor war versöhnend und milde, liebevoll und verzeihend. Eine seiner bekanntesten literarischen Produktionen ist eine phantastische Zukunftsreisebeschreibung aus Palästina, die häufig mit Herzls „Altneuland" verglichen worden ist. Er beschränkte sich aber nicht auf das literarische Gebiet aliein. Die Palästinaarbeit, zu deren ersten Pionieren er zählte, und das Odessaer Palästinakomitee besaßen in ihm einen ihrer eifrigsten und hingebungsvollsten Förderer, wie er denn auch an der Leitung der Palästinaweingesellschaft „Karmel" teilnahm. Sein plötzlicher Tod bedeutet einen schweren, unersetzlichen Verlust für die nationaljüdische Gesamtheit. Den Wawelberg-Preis der Lemberger Universität hat der Advokaturskandidat Dr. Ignaz Schipper aus Tarnow für sein Werk „Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden im mittelalterlichen Polen" erhalten. Dr. Schipper ist auch der Autor des Werkes über die „Anfange des jüdischen Kapitalismus im Mittelalter". Die jüdische Solidarität in Warschau. Die antisemitische Hetze, die in Warschau von den „progressiven Demokraten" betrieben wird, hat die Juden und speziell die Orthodoxen, die zum reichen Mittelstande gehören, zur energischen Gegenwehr veranlaßt. Während sonst in Polen und auch in Oesterreich jüdische Jammergestalten speziell bei Wahlen zu feige sind, ihre Majoritäten auszunützen, um nur den Antisemiten keine Waffen in die Hand zu geben, sagen sich die orthodoxen Juden in Warschau: Wenn schon, denn schon. Und so hat sich nun in Warschau vor einigen Tagen anläßlich der Wahlen in den Verwaltungsrat der Kreditanstalt der Stadt Warschau ereignet, daß die bisherigen Verwaltungsräte Fürst Gzetwertynski, Fürst Lubomirski und Advokat von Nowodworski durchgefallen sind. An ihre Stelle traten drei orthodoxe Juden, ein Papierhändler, ein Eisenhändler und ein ärarischer Lieferant. Die polnische Presse ist entsetzt und fürchtet, daß die Solidarität in der Provinz Nachahmung finden könnte. Polnische Aristokraten als Dorfschänker. Wie es sich herausstellt, sind die Tausende jüdischer Volksschänkerlamilien nicht bloß deshalb ihrer Existenz beraubt worden, weil der Statthalter Bobrzynski sich die Gunst der der Stapinskischen Bauernpartei erkaufen wollte, sondern auch im Interesse der Großgrundbesitzer, die sich um Schank-Konzessionen beworben haben. Was liegt dem Statthalter daran, wenn Tausende Juden ihre Erwerbsstätten mit Kind und Kegel verlassen und in die Welt betteln gehen müssen, damit statt ihrer, Fürsten und Grafen Schnaps verkaufen. . . Folgende Aristokraten sollen nunmehr in den Behausungen der jüdischen Schanker eigenhändig den Bauern Schnaps ausschänken : Graf Stefan Bobrowski (Smykow maly); Graf Ladislaus Branicki (Sucha); Graf Ladislaus Mycielski (Dojazdöw); Graf Josef Potocki (Pysznica); Graf Roman Potocki (Lancut); Graf Olivier Ressegnier (Nisko); Gräfin Krystyna P o t o c k a, Statthalterswitwe (Krzeszowice); Fürst Andreas Lubomirski (Przewprsk); Fürst Kazimir Lubomirski (Ghelm und Myslenice); Fürstin Konstancya Sanguszko (Tarnow und Wierzchöwice); usw. usw. Es sind die ersten polnischen Magnaten, die in Wetterwerb mit den jüdischen Dörtschänkern getreten -sind,.. Herrenhausmitglieder, Ritter vom goldenen Vließ; auch zwei

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