Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 22 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »Neue National-Zeitung" $$U$ AllBN WSlTOilSN Ein jüdischer Polizefchef in Konstantinopel. Samuel Effendi, früher Richter am Berufungsgerichtshof in Konstantinopel, ist zum P o 1 i z e i c h e f für die Küstenbezirke der türkischen Metropole ernannt worden. Vor kurzem wurde er anläßlich des Besuches des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, den er nach Jerusalem begleitete, durch die Verleihung des roten Adlerordens ausgezeichnet. Die Laubhütte kann nur gegen ein gestempeltes Gesuch bewilligt werden. Und zwar in Odessa. Aus Anlaß des Sukkothfestes ist dort die russische Polizei eifrig an der Arbeit, die der öffentlichen Ordnung drohende jüdische Laubhütte möglichst unschädlich zu machen. Der weise Lenker der Geschicke Odessas, General T o 1 m a t s c h e w, verordnete, daß zwecks Errichtung einer Sukkah bei der Polizei ein offizielles, mit einer Stempelmarke von 75 Kopeken versehenes Gesuch mit genauer Angabe über Plan, Ort und Material des „Baues" einzureichen sei. Der Kiewer Polizeimeister verbot das Beleuchten der Sukkoth am Abend. Auch müßten die Sukkoth so gebaut werden, daß man sie von der Straße aus keineswegs bemerken könnte. Die ersten jüdischen Rekruten in Palästina. Vorige Woche erfolgie zum erstenmal in Palästina die Einberufung der nichtmohammedanischen Militärpflichtigen, die nach Aden gesandt wurden. Die plötzlich erfolgte Einberufung hat sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen Unruhe und Erregung hervorgerufen. Da mehrere der Einberufenen bereits Familienväter sind und durch den Dienst die Ihrigen in Not und Elend zurücklassen, so hat sich ein hier jüdisches Komitee gebildet, um diesen Familien Hilfe zu bieten. Auch die jüdischen Kolonien werden, soweit die Kolonisten ottomanische Bürger sind, mehrfach zum Militärdienst herangezogen. Die Kolonie E k r o n hat die Einberufung ihres ersten Soldaten zum Anlaß einer patriotischen Kundgebung für das ottomanische Reich benutzt, wobei mehrere Ansprachen gehalten wurden. In einigen Kolonien haben sich auch Freiwillige gemeldet und bereits in Militärschulen in Konstantinopel Aufnahme gefunden. Herr James Simon, der Vorsitzende des „Hilfsvereins der deutschen Juden", ist zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät an der Berliner Universität ernannt worden. Herr Dr. Simon hat die ihm wiederholt angetragenen sonstigen Titel und Auszeichnungen abgelehnt. Er hat lediglich den Wilhelms-Orden angenommen, der nur an wenige Personen verliehen wurde. Oscar Strangs — Botschafter in Japan. Wie amerikanische Blätter berichten, wird Oscar Strauß nicht mehr nach Konstantinopel zurückkehren, sondern den Botschafterposten in Japan übernehmen. Auf seiner letzten Heimreise hat er auch dem rumänischen Königspaare in Sinaia einen Besuch abgestattet. Wie Herr Strauß in London erzählte, hat er sich mit der Königin über Literatur und Poesie, mit dem Könige über volkswirtschaftliche Fragen unterhalten. Für den jüdischen Botschafter hätte es vielleicht in Sinaai ein näher liegendes Thema gegeben .... Das Jubiläum Abraham Harkavis. Baron David G i n s b u r g - Petersburg veröffentlicht in den jüdischen Zeitungen einen Aufruf, in dem er die jüdische Presse und die jüdisch-literarischen Gesellschaften auffordert, den 75jährigen Geburtstag und das 50jährige Schriftstellerjubiläum des rühmlichst bekannten jüdischen Historikers und Philologen Abraham Harkavis am 22. Cheschwan d. J. zu feiern. Die Jaden in Persien. Die inneren Wirren in Persien und die bevorstehende Teilung dieses Reiches lenken die allgemeine Aufmerksamkeit auch auf die dort ansässigen Juden. Die Zahl der Juden sowohl wie ihr wirtschaftlicher Einfluß in Persien werden gewöhnlich unterschätzt. Man darf in ganz Persieri wohl 40.000 bis 50.000 zählen. Am dichtesten sitzen sie in H a ra a d a n und Umgegend (Tussirkan, XähaAvand, Burdjerd), wo sie auf 12.000 bis 15.000 zu beziffern sind. Erklecklich ist auch ihre Stärke in Teheran (5000). An diesen Plätzen wie auch in Schiras (rund 1000) sind die ärmeren Klassen in der Ueberzahl, doch beginnt. Wohlhabenheit und europäische Bildung; namentlich infolge der kulturellen Arbeit der Alliance Israelite Universelle, sich zu verbreiten, die Schulen in Teheran (seit 1898), Hamadan und in drei Hamadan benachbarten kleinen Städten, in Schiras, Ispahan und Jasd eingerichtet hat. Da die Unterrichtssprache das Französische ist und die Lehrer, die von Paris entsandt werden, französische Untertanen sind (meist Algerier und Tunesier), also unter französischem Schutz stehen, arbeiten diese Anstalten in Persien im Interesse der französischen Bildung und des französischen Handels, wie dies auch in Mesopotamien, bei den Schulen der Alliance in Bagdad und Mossul, der Fall ist. Als arm wird die numerisch nicht unbedeutende Gemeinde von Ispahan (5000) geschildert. In tiefer Dürf>igkeit und in der Stellung von Parias leben die Juden des südöstlichen Persiens in J a s d (etwa 1000) und K e r m a n (an 200). Hier sind sie noch gezwungen, ihre Niedrigkeit durch auf die Brust, geheftete rote S t o f f s t ü c k e zur Schau zu tragen : auch wohnen sie in den Quartieren der Parssi, denen der Perser als Bekenner der Lehre Zarathustras gleiche Verachtung zuteilt. Die größte Gemeinde Aserbeidschans befindet sich in U rm i a (350 Familien); auch U s c hn u, auf der Straße Urmia-Kowandus-Mossul gelegen, zählt eine ansehnliche Gemeinde. Bezeichnend ist, daß sie, die durch Unterwürfigkeit wie Geschicklichkeit sich auszeichnen, in kleiner Zahl, und zwar als Händler unter den kurdischen und lurischen Stämmen des westlichen Persiens wohnen. Am stärksten vertreten sind sie im Bezirk von S o 1 d u s westlich von Urmia unter dem Stamme der Karapapaks. Im Gebiete von Salmaß bewohnen ihrer 500 bis 600 die Ortschaft Kun-e-schehr. Im östlichen Teile der Provinz Aserbeidscban ist der Jude sehr selten anzutreffen. Der Grund liegt in den Judenverfolgungen im 17. und 18. Jahrhundert in Täbris, welche die unter den duldsamen, toleranten Mongolensultanen dort, blühende jüdische Kolonie vernichteten. Zeitschriften-Rundschau. Eine hebräische Zeitschrift in Berlin. In Berlin beginnt demnächst ein neues hebräisches Wochenblatt „Haibriu zu erscheinen, das sich die Aufgabe stellt, im Geiste des nationalen und historisch-überlieferten Judentums ohne parteiische Einseitigkeit die Interessen der Gesamtjudenheit zu vertreten und die jüdischen Kulturschätze aus Vergangenheit und Gegenwart den weitesten west- und ostjüdischen Kreisen in volkstümlicher AVeise näherzubringen. Die Ankündigung der Begründung der neuen Zeitschrift ist von einer Reihe namhafter Persönlichkeiten unterzeichnet. Zahlreiche bekannte Gelehrte und Schriftsteller haben dem neuen Blatte ihre Mitarbeit zugesichert. * Das Wiedererscheineii des „Hazefirah". Die im Jahre 1862 begründete älteste hebräische Zeitung „Hazelirah" in Warschau, deren Erscheinen in den letzten Jahren suspendiert, war, beginnt aufs neue unter der Kedaktion Nahum S o k o 1 o w s t, ä g 1 i c h zu erscheinen. Das Blatt w<rd, seiner Tradition getreu, ein allgemeines Blatt in hebräischer Sprache sein, wobei die jüdischen Angelegenheiten und Interessen eine spezielle Berücksichtigung finden werden. * Eine neue Zeitschrift für jüdisch pädagogische Fragen. Demnächst erscheint das erste Heft der von der Gesellschaft : zur Verbreitung von Aufklärung unter den russischen Juden herausgegebenen ..Zeitschrift für jüdisches Erziehungs¬ und Bildungswesen". Die Zeitschrift erscheint in russischer Sprache, soll aber ab - und zu Beilagen in hebräischer Sprache und im Jargon bringen. . Da während der Feiertage die Büreaiix des israelitischen Matrikenamtes gesperrt waren, kann die Liste der. Ausgetretenen in dieser Kummer nicht erscheinen und wird daher in" der nächsten; Nummer nachgetragen werden.1